Stift Quedlinburg

Aus Sachsen-Anhalt-Wiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
Stiftskirche St. Servatii

Das Stift Quedlinburg war ein durch die Königin Mathilde, Witwe König Heinrichs I., mit Zustimmung ihres Sohnes Otto I. auf dem Burgberg von Quedlinburg gegründetes Reichsstift.

Geschichte[Bearbeiten]

Das mittelalterliche Reichsstift[Bearbeiten]

Die Stadt Quedlinburg wird erstmals 922 in einer in villa quae dicitur Quitilingaburg ausgestellten Urkunde Heinrichs I. erwähnt. Unter den Ottonen erlebte die Stadt eine erste Blüte. Anlässlich der Hochzeit seines Sohnes Otto mit der englischen Königstochter Editha (Edgith) fand dort im September 929 eine Reichsversammlung statt. Heinrich I. schenkte im gleichen Jahr seinen Besitz in Quedlinburg seiner Gemahlin Mathilde als Wittum. Er selbst wurde nach seinem am 2. Juli 936 erfolgten Tod in der von ihm erbauten Stiftskirche beigesetzt.

Mathilde gründete unmittelbar nach dem Tod Heinrichs 936 das Kanonissenstift als königliches Familienstift. Seine Hauptaufgabe bestand im Totengedenken für den verstorbenen König und in der Ausbildung von Töchtern des hohen sächsischen Adels. Ihr Sohn Otto, inzwischen als Otto I. zum deutschen König gekrönt, stattete es noch im gleichen Jahr mit Gütern und Rechten aus, verlieh ihm die Immunität und behielt sich und seinem Hause die Vogtei vor. 961 ließ er die Gebeine des Hl. Servatius aus Maastricht nach Quedlinburg überführen, dem seither die Stiftskirche geweiht ist. Weitere wertvolle Reliquien brachte er 962 von seinem Romzug mit.

Im Laufe der Jahre wurde das Stift mit weiteren Privilegien ausgestattet. 994 erhielt es das Markt-, Münz- und Zollprivileg für die Kaufleute, sowie Güter bis ins Eichsfeld, Vogtland und Havelland. Als fürstliche Reichsabtei erlangte Quedlinburg auch eine besondere staatsrechtliche Stellung. Unter den Damenstiften des Reiches genoss es eine gewisse Vorrangstellung. Die Äbtissinnen von Quedlinburg erschienen in den Reichsmatrikeln und Reichstagsabschieden stets an erster Stelle. Trotzdem verlor das Stift mit dem Aussterben der Liudolfinger zunehmend an Bedeutung. Ostern 1154 hielt Kaiser Friedrich I. Barbarossa in Quedlinburg noch einmal eine große Reichsversammlung ab. Der Schwerpunkt der politischen Macht hatte sich aber unter den Salier- und Stauferkaisern nach Südwestdeutschland verschoben.

Im 12./13. Jahrhundert wurde die ursprünglich bindende Augustinerregel aufgegeben und das Stift in ein freiweltliches umgewandelt. Kämpfe um die häufig wechselnde Schutzherrschaft schwächten die Position des Stifts im 13. und 14. Jahrhundert weiter. Die Stadt Quedlinburg bemühte sich vergeblich um die Erlangung der Reichsunmittelbarkeit. Die Wettiner Ernst und Albert von Sachsen setzten dem Autonomiestreben der Stadt 1477 ein Ende, indem sie die Vogtei an sich brachten. Bei der Leipziger Teilung von 1485 fiel sie an die albertinische Linie.

Nach der Reformation[Bearbeiten]

Um 1523 drang erstmals reformatorisches Gedankengut in das Stiftsgebiet ein. Der Bauernkrieg und der Widerstand der Äbtissin verhinderten aber vorläufig die Ausbreitung der neuen Lehre. 1525 polünderten die aufständischen Bauern die Klöster St.Mariae auf dem Münzenberg und St. Wiperti. Die Klöster der Augustiner und Franziskaner in der Stadt wurden von den Bürgern zerstört.

Äbtissin Anna II. von Stolberg führte schließlich 1541 die Reformation durch. Quedlinburg wurde in ein evangelisches freies weltliches Stift umgewandelt. Äbtissin und Konventualinnen gehörten seither dem hohen evangelischen Reichsadel an. Mitglied des Stiftskapitels wurden ausschließlich Töchter aus regierenden Häusern.

Im Dreißigjährigen Krieg wurde das Stiftsgebiet abwechselnd von schwedischen und kaiserlichen Truppen besetzt. 1626 fielen über 2000 Einwohner der Pest zum Opfer.

August der Starke von Sachsen, der Finanzmittel zur Förderung seiner Ambitionen auf den polnischen Königsthron benötigte, verkaufte die Schutzvogtei 1697 an Brandenburg, das seit dem Westfälischen Frieden 1648 in den Besitz des benachbarten Fürstentums Halberstadt gelangt war.

Nach dem Tod der Äbtissin Anna Dorothea von Sachsen-Weimar trat eine 14jährige Sedisvakanz ein. Im Juni 1718 wurde Herzogin Maria Elisabeth von Holstein-Gottorp als Äbtissin eingeführt. Letzte Äbtissin war Prinzessin Sophie Albertine von SChweden (ab 1787).

Auflösung[Bearbeiten]

Auf dem Reichsdeputationshauptschluss fiel das Stiftsgebiet 1803 einschließlich der Stadt Quedlinburg an Preußen. Bei seiner Auflösung umfasste das Stiftsgebiet noch das Stift, die Stadt Quedlinburg und das Dorf Ditfurt mit einer Fläche von 113km² und etwa 12.000 Einwohnern. Im Oktober 1806 wurde das Stiftsgebiet durch französische Truppen besetzt und unter Militärverwaltung gestellt. Durch den Frieden von Tilsit kam es zum Königreich Westphalen, wo es in den Distrikt Blankenburg des Saale-Departements eingegliedert wurde. Mit dem Zusammenbruch der französischen Herraschaft 1813 wurde das Gebiet wieder von Preußen besetzt und kam mit dem Wiener Kongress 1815 als Teil der Provinz Sachsen endgültig zum Königreich Preußen.

Wappen[Bearbeiten]

Das Stiftswappen zeigt in Rot zwei gekreuzte Kredenzmesser mit goldenen Griffen. Ursprünglich soll es sich um die sächsischen Kurschwerter gehandelt haben. Das Wappen wurde durch Äbtissin Hedwig Herzogin von Sachsen 1458 eingeführt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Clemens Bley (Hg.): Kayserlich - frey - weltlich. Das Reichsstift Quedlinburg im Spätmittelalter und in der Frühen Neuzeit. Halle (Saale) 2009
  • Hans Peter Hankel: Die reichsunmittelbaren evangelischen Damenstifte im Alten Reich und ihr Ende. Frankfurt am Main 1996
  • Gottfried Christian Voigt: Geschichte des Stifts Quedlinburg. Quedlinburg 1786-1791