Städtisches Museum Halberstadt

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Städtisches Museum in der Spiegelschen Kurie

Das Städtische Museum in Halberstadt ist ein stadt- und regionalhistorisches Museum. Es umfasst eine Dauerausstellung zur Geschichte Halberstadts und der Nordharzregion von der Urgeschichte bis zur Gegenwart und zeigt regelmäßig Sonderausstellungen. Das Museum ist mit dem Stadtarchiv organisatorisch verbunden. Untergebracht ist es in der Spiegelschen Kurie, einer ehemaligen Domherrenkurie, die nach ihrem früheren Besitzer Ernst Ludwig Freiherr von Spiegel benannt ist.

Geschichte[Bearbeiten]

Gründung und Aufbau des Museums[Bearbeiten]

1904 kaufte die Stadt Halberstadt die Spiegelsche Kurie vom damaligen Eigentümer, Landrat Eduard von Davier, und vermietete das Erdgeschoss an die Halberstädter Handelskammer. Für das Obergeschoss wurde zur Einrichtung eines Museums beschlossen. Noch im gleichen Jahr konstituierte sich ein Museumsausschuss, der aus drei Mitgliedern des Magistrats und acht Vertretern der Halberstädter Bürgerschaft bestand. Am 18. November 1905 wurde das Museum eröffnet. 1906 stellte die Stadt mit dem Mittelschullehrer August Hemprich einen zunächst nebenamtlichen Museumsleiter ein. Hemprich trug in seiner rund vierzigjährigen Amtszeit wesentlich zum Auf- und Ausbau des Museums bei.

1909 konnte das Dachgeschoss der Spiegelschen Kurie zur Aufnahme und Präsentation der naturwissenschaftlichen Sammlungen ausgebaut werden. Durch den Ersten Weltkrieg erfuhr der weitere Ausbau zunächst eine Unterbrechung. Das Haus wurde durch das städtische Lebensmittelamt mitbenutzt. Als eine Abteilung des Museums entstand 1917 eine Stelle für Heimatpflege, Heimatschutz und Naturpflege. 1921 trat das Museum dem provinzialsächsischen Museumsverband bei. Museumsleiter Hemprich wurde Mitglied des Vorstandes des Verbandes.

Die Konzeption des Hauses war in dieser Zeit in erster Linie auf die Volksbildung ausgerichtet. Ab 1922 konnten die bislang vermieteten Räume im Erdgeschoss mitgenutzt werden. Die gesamte Ausstellung wurde neu geordnet und auch für die Arbeit mit Schulen hergerichtet.

Zur Unterstützung und Förderung des Museums wurde 1925 ein Museumsverein gegründet, dessen Vorsitz der Halberstädter Kommerzienrat Kurt Klamroth übernahm.

Im Rahmen der Arbeitsteilung des Museumsverbandes erhielt das Museum eine "Heimatkundliche Forschungs- und Sammelstelle für den Harzgau". Während der NS-Zeit wurden Ausstellungsgegenstand und Intention an die Vorgaben der neuen Machthaber angepasst. Stark betroffen war das Haus durch die Zerstörung der Stadt durch alliierte Flieger am 8. April 1945. Die Bestände waren durch Kriegseinwirkung, Auslagerung und Plünderung teilweise verlorengegangen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg[Bearbeiten]

Nach dem Tod August Hemprichs, der seit 1930 die Stelle eines hauptamtlichen Museumsdirektors innehatte, übernahm im Februar 1946 der Lehrer Karl Michaelis die Leitung des Hauses. Unter seiner Führung konnte am 21. Juni 1946 die Wiedereröffnung begangen werden. Michaelis übernahm die Neuordnung und Inventarisierung der verbliebenen Bestände und den Wiederaufbau der Dauerausstellung. 1947 wurde die neu gestaltete Abteilung "Ur- und Frühgeschichte der Heimat" der Öffentlichkeit übergeben werden. Gemeinsam mit dem Stadtarchiv zeigte das Städtische Museum 1948 im damaligen Sitzungssaal der Stadtverordnetenversammlung eine Sonderausstellung zum 100jährigen Jubiläum der bürgerlichen Revolution in Deutschland.

Als Michaelis 1953 in den Westen flüchtete, wurde der Museologe Gerhard Ruhe zum Nachfolger ernannt. In seiner Amtszeit wurden die Themen stärker durch das Regime vorgegeben. Im Zentrum der hauseigenen Forschungen stand die Geschichte der örtlichen Arbeiterbewegung, die die Tätigkeit des Museums über Jahre hin dominierte, kontrolliert durch die "Geschichtskommission" der Kreisleitung der SED. Der erste Ausstellungsraum zur "Geschichte der Halberstädter Arbeiterbewegung" wurde 1956 eröffnet und bis 1962 auf vier Räume erweitert. Eine Sonderausstellung in der Dompropstei wurde 1958 dem 40jährigen Jubiläum der Novemberrevolution gewidmet.

Noch 1955 wurde mit den "Veröffentlichungen des Städtischen Museums" eine neue Publikationsreihe begründet.

In den 1960er Jahren erfolgte nach einer Vorgabe der Regierung eine Neuausrichtung vom universellen Heimatmuseum zum regionalen Geschichtsmuseum. Als Ruhe 1964 von seinem Amt suspendiert wurde, wurde das Städtische Museum vorübergehend mit dem Gleimhaus und dem Museum Heineanum unter der Bezeichnung "Museen der Stadt" organisatorisch zusammengefasst. Die Gesamtverantwortung erhielt Horst Scholke, der zugleich Leiter des Gleimhauses war. Die Leitung des Städtischen Museums übernahm der langjährige Mitarbeiter und Diplom-Prähistoriker Adolf Siebrecht.

Eine enge Zusammenarbeit entwickelte sich mit dem Museum für deutsche Geschichte in Berlin, mit dem 1973 ein förmlicher Freundschaftsvertrag abgeschlossen wurde. Mit der Verselbständigung des Museums für Vogelkunde Heineanum (1974) und der Lösung der Verbindung mit dem Gleimhaus (1976) wurde das Städtische Museum wieder völlig eigenständig. Siebrecht behielt die allein verantwortliche Leitung. Die Ausstellungen wurden mit der Abteilung "Geschichte Halberstadts und des Nordharzgebiets zwischen 1850 und 1949" (1977) und einem Ausstellungsraum zur Nachkriegsgeschichte bis 1961 (1981) weiter ausgebaut. Im Frühjahr 1982 zeigte das Haus in Kooperation mit der Domschatzverwaltung die Sonderausstellung "Mittelalterliche Glasmalerei aus dem Hochchor des Domes". Im Rahmen des Lutherjahrs entstand 1983 die ständige Ausstellung "Reformation und Bauernkrieg in Stadt und Hochstift Halberstadt".

Neben der Ausstellungsarbeit wurden auch die archäologischen Forschungen zur Stadtgeschichte und zur Ur- und Frühgeschichte der Region fortgesetzt bzw. wieder aufgenommen, darunter Grabungen an der Liebfrauenkirche und auf dem altsächsisch-karolingischen Gräberfeld von Wehrstedt.

Museumsbetrieb seit 1990[Bearbeiten]

Die Wende von 1990 ermöglichte umfassende Renovierungs- und Modernisierungsmaßnahmen, ging aber zugleich mit einem massiven Stellenabbau einher. 1991 fand eine Ausstellung zum 500jährigen Jubiläum der Weihe des gotischen Doms statt. Im gleichen Jahr wurde eine neue Dauerausstellung zur Geschichte der Halberstädter Kürassiere und ihre Rolle im Deutsch-Französischen Krieg eröffnet. Mit Spendenmitteln konnte dazu unter anderem ein wertvolles Zinnfigurendiorama der Schlacht von Mars-la-Tour angekauft werden. Ein Freundschaftsvertrag mit dem Museum in Gravelotte begründete eine enge Zusammenarbeit zwischen beiden Einrichtungen.

Ende März 2000 trat Adolf Siebrecht in den Ruhestand. Im Oktober des Jahres wurden das Städtische Museum und das Museum Heineanum unter einer gemeinsamen Verwaltung vereinigt. 2005 konnte das Museum mit einer weiteren Sonderausstellung sein 100jähriges Bestehen feiern.

Sonderausstellungen (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Käfer der Harzregion (1929)
  • 40 Jahre Novemberrevolution (1958)
  • Von der Romantik bis zur Gegenwart (Zum 100. Todestag des Malers Carl Hasenpflug, 1961)
  • Bildende Kunst der Gegenwart (1961)
  • Waffen und Kriegswesen im Feudalismus
  • Von der Eiszeitkunst bis zum Goldschmuck von Hiddensee
  • Mittelalterliche Glasmalerei aus dem Hochchor des Halberstädter Domes (1982)
  • Textile Kostbarkeiten des Halberstädter Domes und ihre Restaurierung (1985)
  • Historisches Handwerk vorgestellt (1986)
  • Halberstadt im Spiegel der Jahrzehnte (im Rathaus der Partnerstadt Wolfsburg, 1990)
  • Das war unsere Tausendjahrfeier 1989 (1990)
  • Kostbarkeiten, Raritäten, Neuerwerbungen (zusammen mit Museum Heineanum und Gleimhaus, 1990)
  • Die Bischofsstadt Halberstadt vor 500 Jahren (1991)
  • Julius Barheine - Malerei und Graphik eines fast vergessenen Halberstädter Künstlers (1992)
  • Zeitgeist im Wilhelminismus. Das Beispiel Minden (1992)
  • Halberstädter Künstler stellen sich vor (1993)
  • Halberstadt im 20. Jahrhundert. Schicksale einer Stadt in Schlaglichtern (1995)
  • Eisenbahn im Wandel der Zeiten. Verkehrsgeschichte im Modellbau (1999)
  • Was den DDR-Bürger bewegte (2000)
  • Der Akt mit der Aktfotografie in der DDR. Frauenbilder im realen Sozialismus (2001)
  • Halberstadt - Das erste Bistum Mitteldeutschlands (2004)
  • 140 Jahre Halberstadt-Blankenburger Eisenbahngesellschaft (2012/13)
  • Heinrich Julius 1564 - 1613, Bischof, Herzog, kaiserlicher Rat - Zeitgeschichtliches und Glasbildreflexionen (2013/14)

Literatur[Bearbeiten]

  • Günter Maseberg (Hrsg.): 100 Jahre Geschichte 1905-2005. Das Museum - Die Stadt - Die Halberstädter. Halberstadt 2005

Weblinks[Bearbeiten]