Schloss Coswig

Aus Sachsen-Anhalt-Wiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
Das Schloss Coswig hat seit 2006 einen neuen Besitzer
Das Schloss ist eines von elf Adelssitzen im Coswiger Stadtgebiet

Das Schloss Coswig im Landkreis Wittenberg ist eines der vielen Adelssitze in Sachsen-Anhalt. Nach den Eingemeindungen der vergangenen Jahre gehören heute zum Coswiger Stadtgebiet elf Adelssitze, das Schloss ist das größte von ihnen.

Geschichte[Bearbeiten]

Seit dem 12. Jahrhundert ist die Geschichte der Kleinstadt Coswig mit der mitteldeutschen Adelsfamilie der Askanier verbunden. 1187 wird Coswig als "Cossewiz" erstmals erwähnt. Spätestens zu diesem Zeitpunkt dürfte es eine erste Burganlage gegeben haben, über deren bauliche Form aber nichts bekannt ist. Ab dem 13. Jahrhundert erfüllte Coswig mehrfach die Funktion einer fürstlichen Residenz und des Witwensitzes, mindestens 28 Angehörige der fürstlichen Familie von Anhalt wurden im Ort bestattet. 1325 wird Wylko-Wilhelmus, castellanus in Cozwych, der erste Schlosshauptmann erwähnt.

Die noch heute den Schlossbau prägende Epoche wurde das späte 17. Jahrhundert. Ab 1667 regierte die Fürstinwitwe Sophia Augusta (1630 bis 1680), eine geborene Prinzessin von Holstein-Gottorp. Sie war die Schwester der schwedischen Königin und direkte Nachfahrin des dänischen und norwegischen Königshauses. Der ihr zugedachte Witwensitz im alten Schloss zu Coswig konnte ihrer Herkunft nicht gerecht werden.

Ab 1670 wurden daher die heutigen Schlossgebäude errichtet. Das Geld dafür kam als Sondersteuer aus Jever, das damals zu Anhalt-Zerbst gehörte - Aufbau Ost im 17. Jahrhundert. Damit verwirklichte man an der Elbe modernste Ideen, die weiter westlich noch warten mussten.

Das Geschlecht der einstigen Bauherren starb mit dem Tode des Fürsten Friedrich August 1793 aus, die Witwe des letzten Fürsten bezog Schloss Coswig. Die Bedeutung und der Einfluss, den die fürstliche Hofhaltung auf das Geistes- und Wirtschaftsleben der Stadt ausgeübt hatten, können nicht hoch genug eingeschätzt werden. Mit dem Tode der Fürstinwitwe 1827 endet Coswigs glanzvolle Zeit. Nach einer Nutzung als Militärlazarett (1866) und Kriegsgefangenenlager (1870/71) entschied man, das Schloss ab 1872 als Zuchthaus herzurichten. Erst am 1. April 1957 wurde die Strafanstalt Coswig geschlossen und das Gebäude bis 1998 als Archiv genutzt. Eine nachfolgende Planung zur Errichtung einer Seniorenresidenz wurde nicht realisiert.

Gegenwart[Bearbeiten]

Die Umbauarbeiten werden von einem Berliner Architekten durchgeführt

Ab 1998 stand Coswigs größtes Bauwerk leer. 2006 kam es zu einem Eigentümerwechsel an die Berliner Arcadia GmbH & Co. KG im Besitz der Italienerin Dr. Magnolia Albertazzi. Als das Schloss im Internet zum Verkauf stand, kam die Mailänderin kurzentschlossen nach Deutschland, besichtigte das Anwesen und kaufte es.

Seitdem wird am Schloss restauriert, das als "Zentrum für transnationale Kooperation und Austausch auf dem Gebiet der Kultur" in neuem Glanz auferstehen soll. Albertazzi hat das Schloss zur Verwirklichung ihrer Vision eines europäischen Netzwerkes mit Kulturschlössern auserkoren. Sie will das Schloss in den ursprünglichen Zustand von 1679 zurückversetzen. Verantwortlich für die Planungen und Bauentwürfe am Schloss ist der Berliner Architekt Frank Augustin. Die Eigentümerin und der Architekt fordern eine großzügige finanzielle Unterstützung des Millionenprojektes durch das Land Sachsen-Anhalt.

Magnolia Albertazzi könnte neue Impulse nach Coswig bringen und das Schloss zum Motor für den örtlichen Tourismus machen. Jüngst wurden für 2010 drei Konzerte angekündigt, ein Jahr später soll die erste Oper im Schlosshof aufgeführt werden. Der Umbau zu einem Kunst- und Kulturzentrum wird positiv aufgenommen, die Wünsche der Eigentümerin sind allerdings mitunter schwierig in Einklang zu bringen mit denkmalpflegerischen Gesichtspunkten.

Architektur und Umbauarbeiten[Bearbeiten]

Schloss Coswig besteht aus einem 3.000 Quadratmeter großen Gebäude-Ensemble: dem Schloss, ab 1670 als Witwensitz errichtet, dem Marstall und den ehemaligen Wachgebäuden. Durch den Umbau zur Strafanstalt ab 1872 und die raumbildenden Ausbauten für ein Staatsarchiv ab 1958 ist die Architektur des Schlossbaus und des Ensembles kaum lesbar geworden. Die Sicherung, Instandsetzung, Modernisierung und der Umbau des Denkmals haben nach dem Eigentümerwechsel 2006 begonnen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Matthias Prasse: Arkadien am Elbstrom - Schlösser und Gärten zwischen Wittenberg und Dessau. Herrenhaus-Kultur-Verlag, Dresden 2010.

Weblinks[Bearbeiten]