Provinz Sachsen

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Magdeburg, ehem. Sitz des Oberpräsidiums der Provinz Sachsen

Die Provinz Sachsen war eine preußische Provinz, deren Gebiet einen wesentlichen Teil des heutigen Landes Sachsen-Anhalt einnahm. Sie bestand von 1815 bis 1944. Sitz des Oberpräsidenten war Magdeburg.

Name[Bearbeiten]

Die Provinz Sachsen erhielt ihren Namen vom preußischen Herzogtum Sachsen. Mit der Unterzeichnung des Posener Friedens- und Akzessionsvertrages vom 11. Dezember 1806 verzichtete der wettinische Kurfürst Friedrich August III. auf jene seiner Titel, „welche irgend eine Beziehung auf das deutsche Reich ausdrücken“. Als Folge der Entscheidungen beim Wiener Kongress 1815 wurde das Herzogtum Sachsen wiederhergestellt und der 1806 niedergelegte sächsische Herzogtitel auf Friedrich Wilhelm III. übertragen. Der preußische König führte ab dem 9. Januar 1817 den Titel in mittelalterlicher Tradition in der Form "Herzog zu Sachsen, Engern und Westphalen". Mit der Übertragung des reichsfürstlichen Herrschaftstitels übernahm der preußische König die Landesherrschaft im Herzogtum Sachsen und dem ehemaligen Kurkreis (Wittenberger Kreis), dem einstigen Kernraum des askanischen Herzogtums Sachsen. Der sächsische Herzogtitel verlieh Friedrich Wilhelm III. die Legitimation zur Führung des herzoglichen sächsischen Rautenkranzwappens und zur Verwendung des Namens "Sachsen" für die auf dem Gebiet des historischen sächsischen Kulturraumes an Harz, Elbe und Saale neu geschaffene preußische Provinz.

Lage[Bearbeiten]

Die Provinz erstreckte sich zwischen 50°25' und 53°2' nördlicher Breite und 27°35' und 31°28' östlicher Länge. Begrenzt war sie im Norden durch das Königreich Hannover bzw. (ab 1866) die preußische Provinz Hannover und die Provinz Brandenburg, im Osten durch die Provinz Brandenburg, im Süden durch die thüringischen Staaten und Sachsen, im Westen durch Hannover und Hessen-Nassau. Die Provinz Sachsen bildete kein geschlossenes Territorium, sondern war durch anhaltische und braunschweigische Enklaven durchbrochen. Der im Süden gelegene Regierungsbezirk Erfurt, der bis in den Thüringer Wald reichte, hatte keine direkte Verbindung zum übrigen Teil der Provinz.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Provinz Sachsen wurde nach dem Wiener Kongress aus dem früheren, 1807 an das Königreich Westphalen verlorenen preußischen Besitz an der mittleren Elbe (Altmark, Magdeburg, Halberstadt, Mansfeld und Quedlinburg), den neu hinzugewonnenen vormals sächsischen Gebieten (preussisches Herzogtum Sachsen) und einigen Territorien im heutigen Thüringen um das ehemals kurmainzische Erfurt mit dem Eichsfeld und die früher freien Reichsstädte Nordhausen und Mühlhausen gebildet. Die Verwaltung der neu geschaffenen Provinz nahm mit Wirkung vom 1. April 1816 ihre Tätigkeit auf. 1823/24 wurde eine Ständeversammlung als ständische Vertretung der Provinz geschaffen, die im Oktober 1825 erstmals zusammentrat und ihren Sitz in Merseburg erhielt.

1944 wurde die Provinz Sachsen in die Provinzen Magdeburg und Halle-Merseburg geteilt und der bisher zur Provinz gehörige Regierungsbezirk Erfurt der Verwaltung des Reichsstatthalters in Thüringen unterstellt. 1945 wurde die Provinz Sachsen durch Zusammenlegung der Provinzen Magdeburg und Halle-Merseburg in neuer Form wiedergegründet. Das Land Anhalt wurde mit der „Verordnung betreffend die rechtliche und finanzielle Eingliederung des Landes Anhalt in die Verwaltung der neu gebildeten Provinz Sachsen“ vom 4. März 1946 rückwirkend zum 01.01.1946 formal aufgelöst und der zunächst weiter existierenden, zuvor wieder eingerichteten preußischen Provinz Sachsen einverleibt. Erst Monate später benannte der erste gewählte Landtag der Nachkriegszeit die Provinz Sachsen, als Reminiszenz an das liquidierte Land Anhalt, in „Provinz Sachsen-Anhalt“ um. Nach Auflösung des preußischen Staates durch das Kontrollratsgesetz Nr. 46 bildete sich das Land Sachsen-Anhalt mit der Landeshauptstadt Halle.

Verwaltung[Bearbeiten]

Sitz der Provinzialverwaltung war Magdeburg. Die Provinz Sachsen gliederte sich in die drei Regierungsbezirke Magdeburg, Merseburg und Erfurt.

Zum unmittelbaren Ressort des Oberpräsidenten gehörten die Elbstrombauverwaltung in Magdeburg, die Dom- und Kollegiatstifter im Regierungsbezirk Merseburg, die Landesmeliorationsangelegenheiten, die Fischereiangelegenheiten und die Überwachung der Maßregeln gegen die Verbreitung der Reblaus.

Oberpräsidenten[Bearbeiten]

  • 1816-1821: August Friedrich Wilhelm von Bülow
  • 1821/24-1825: Friedrich Christian Adolf von Motz
  • 1825-1837: Wilhelm Anton von Klewitz
  • 1837-1840: Anton Graf zu Stolberg-Wernigerode
  • 1841-1844: Eduard Heinrich von Flottwell
  • 1844-1845: Wilhelm Felix Heinrich Magnus von Wedell
  • 1845-1850: Gustav Carl Gisbert Heinrich Wilhelm Gebhard von Bonin
  • 1850-1872: Hartmann Erasmus von Witzleben
  • 1873-1881: Erasmus Robert Freiherr von Patow
  • 1881-1890: Arthur Paul Ferdinand von Wolff
  • 1890-1897: Albert Reinhold von Pommer-Esche
  • 1898-1906: Karl Heinrich von Boetticher
  • 1906-1908: Kurt Freiherr von Wilmowski
  • 1908-1917: Eduard Wilhelm von Hegel
  • 1917-1919: Rudolf Wilhelm Graf von der Schulenburg
  • 1920-1927: Otto Hörsing
  • 1927-1930: Heinrich Eugen Waentig
  • 1930-1932: Carl Falck
  • 1933: Kurt Melcher
  • 1933-1934: Curt Albert Paul von Ulrich

Literatur[Bearbeiten]

  • Thomas Klein: Provinz Sachsen (= Grundriß zur deutschen Verwaltungsgeschichte 1815-1945. Reihe A: Preußen, Band 6), Marburg/Lahn 1975
  • Frank Kreißler (2012): Die 'Enden' von Anhalt. Zum Verlust des administrativen und territorialen Zusammenhalts Anhalts als Kern anhaltischer Identität seit 1918. In: Mitteilungen des Vereins für Anhaltische Landeskunde 21 (Sonderband).
  • Olaf Böhlk: Das Herzogtum Sachsen und der Wiener Kongress: Ein 'vergessenes' landesherrschaftliches Territorium und seine Bedeutung für das Verständnis des Bundeslandes Sachsen-Anhalt, Kulturstiftung Bernburg, 01.11.2015 (Sonderdruck) Online verfügbar auf www.academia.edu/