Otto Gehre

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Otto Gehre (* 26. April 1894 in Dessau; † 17. Juni 1976 in Halle (Saale)) war ein Parteifunktionär der SPD bzw. SED.

Leben[Bearbeiten]

Otto Gehre wurde als Sohn eines Tapetendruckers und einer Hausfrau in Dessau geboren. Er besuchte von 1900 bis 1908 die Volksschule in Dessau und absolvierte anschließend eine Lehre als Former. Beide Eltern waren Mitglied der SPD. Gehre trat 1908 der Sozialistischen Arbeiterjugend bei, 1912 wurde er ebenfalls SPD-Mitglied. Nach Abschluss seiner Lehre arbeitete er von 1912 bis 1914 Arbeit als Former in Dessau. 1914 bis 1918 diente er als Soldat im Ersten Weltkrieg. Nach der Novemberrevolution war er 1918/19 Mitglied des Arbeiter- und Soldatenrats in Berlin-Lichtenberg.

Von 1919 bis 1923 war Gehre wieder als Former in Dessau beschäftigt. 1924 bis 1926 besuchte er die dortige Maschinenbauschule. Ab 1928 war er Motoreneinfahrer bei der Firma "Junkers Motorenbau" in Dessau. 1933 wurde er wegen "staatsfeindlicher Einstellung" entlassen.

Gehres politisches Engagement begann 1925 als Akquisiteur beim sozialdemokratischen Volksblatt für Anhalt. Von 1928 bis 1933 war er Stadtverordneter der SPD in Dessau. Er war außerdem Funktionär der SPD im Unterbezirk Sachsen-Anhalt und Mitglied des Unterbezirksvorstandes Magdeburg. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten setzte er seine Parteiarbeit illegal fort.

1934/35 arbeitete Gehre als Werkzeug-Lagerverwalter bei Junkers & Co. Im November 1935 wurde er in Polizeihaft genommen. Bis November 1937 war er in den Gefängnissen Chemnitz, Leipzig und Berlin-Moabit inhaftiert. Der 1. Senat des Volksgerichtshofs verurteilte ihn im Oktober 1937 wegen "Vorbereitung zum Hochverrat" zu zwei Jahren Zuchthaus, die er bis Februar 1938 im Zuchthaus Coswig verbrachte. Anschließend wurde er in das KZ Buchenwald überführt. Von dort im November 1940 entlassen, fand er wieder Arbeit als Werkzeug-Lagerverwalter.

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs stieg Gehre 1945 zum Abteilungsleiter auf. 1947/48 war er Handlungsbevollmächtigter, von Januar bsi März 1949 Sozialdirektor bei Junkers & Co in Dessau. Seit 1945 wieder Mitglied der SPD, kam er 1946 bei der Vereinigung der beiden Arbeiterparteien zur SED, für die er bis 1950 dem Landesvorstand Sachsen-Anhalt abgehörte. 1946 bis 1949 war er auch wieder Stadtverordneter in Dessau. März 1949 bis März 1950 hatte er eine Anstellung als Treuhänder und Leiter des Werks "Nationale Radiatoren" in Schönebeck (Elbe). Von März 1950 bis Januar 1951 war er 2. Sekretär der Landesleitung Sachsen-Anhalt der SED. Von August 1950 bis Juli 1952 gehörte er als Abgeordneter dem Landtag von Sachsen-Anhalt an und war dort ab November 1950 Vorsitzender des SED-Fraktion. Von August 1952 bis 1954 war er Abgeordneter des Bezirkstags Halle.

Gehre absolvierte von Januar bis Juni 1951 ein Studium an der Deutschen Verwaltungsakademie "Walter Ulbricht" in Forst-Zinna. Von 1951 bis Juli 1952 war er Leiter der Hauptabteilung Statsreserve im Staatssekretariat für Materialversorgung, 1952 bis 1956 Stellvertreter des Vorsitzenden des Staatlichen Vertragsgerichtes in Halle, von Januar 1957 bis Juni 1960 Leiter der Abteilung Innere Verwaltung im VEB (K) Maschinenbau und Schweißbetrieb Halle. Ab Juni 1960 war er Invalide.

Literatur[Bearbeiten]

  • Mario Niemann, Andreas Herbst (Hg.): SED-Kader: Die mittlere Ebene. Paderborn u. a. 2010, S. 198f.