Oschersleben (Bode)

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Oschersleben (Bode)

Landkreis Landkreis Börde
Fläche 188,92 km²
Einwohner 20.831 (31. Dez. 2010)
PLZ 39387
Vorwahl 03949, 039408, 039407
Kfz-Kennzeichen BK (alternativ: OC)
Bürgermeister/in Dieter Klenke (parteilos)
Webseite www.oscherslebenbode.de
Rathaus
St.-Nicolai-Kirche
Bodewehr
Rathaus, Wappen der Stadt

Oschersleben (Bode) ist eine Stadt im Landkreis Börde. Sie liegt in der Magdeburger Börde zwischen dem Landschaftsschutzgebiet Hohes Holz und dem Naturschutzgebiet Großes Bruch.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Stadtgliederung

Oschersleben umfasst folgende Stadtteile: Alikendorf, Altbrandsleben, Ampfurth, Andersleben, Beckendorf, Emmeringen, Groß Germersleben, Günthersdorf, Hadmersleben, Hordorf, Hornhausen, Jakobsberg, Kleinalsleben, Klein Oschersleben, Neindorf, Neubrandsleben, Peseckendorf und Schermcke.

[Bearbeiten] Geschichte

Eine frühe Besiedelung der Oscherslebener Gemarkung belegt ein spätbronzezeitliches Urnengräberfeld, das 1895 beim Bau der Zuckerraffinerie entdeckt wurde.

Oschersleben selbst wird als Oscherslevo in einer Urkunde Ottos III. für das Servatiusstift in Quedlinburg vom 23. November 994 erstmals erwähnt. Im 11. Jahrhundert bestand eine Königsburg, die später in bischöflichen Besitz überging. Heinrich II. stellte am 27. Oktober 1010 in Oskerslevo eine Urkunde aus. Im September 1065 hielt sich Heinrich IV. einige Tage dort auf und urkundete am 6. September. Die weltliche Herrschaft über Oschersleben lag seit 1052 beim Hochstift Halberstadt.

Die älteste Siedlung entstand unmittelbar bei der Burg um die St.-Stephans-Kirche, die später in den Burgbereich einbezogen und in eine Burgkapelle umgewandelt wurde. Bischof Theoderich schenkte 1186 die Kapelle (St. Stephani) in Oschersleben dem neu gegründeten Prämonstratenserkloster in Halberstadt. Das Kloster übernahm damit die Patronatsrechte und besetzte die Pfarrstelle.

Östlich der alten entstand 1219 eine zweite Kirche (St. Nicolai) mit Siedlung, die 1235 befestigt wurde. Die Stadtmauer bestand aus Graben, Wall und drei Stadttoren. 1235 ist auch erstmals die Bezeichnung Stadt nachweisbar. 1253 gewährte Bischof Ludolf den Bürgern von Oschersleben und Halberstadt gegenseitig Zollfreiheit auf den jeweiligen Märkten. Daraus ist zu schließen, dass Oschersleben vor 1253 das Marktrecht verliehen wurde. 1446 erhielt die Stadt das Recht zur Abhaltung eines Wochenmarkts.

Bis Mitte des 15. Jahrhunderts gehörten dem Rat der Stadt je zwei adelige Burgmannen als Vertreter der Landesherrn an. 1540 wurde in der Stadt die Reformation eingeführt.

[Bearbeiten] Preußische Zeit

Mit dem Hochstift Halberstadt fiel Oschersleben im Westfälischen Frieden von 1648 an Brandenburg und damit später an Preußen. Im Frieden von Tilsit fiel Oschersleben mit dem Fürstentum Halberstadt an das Königreich Westphalen und wurde Sitz der Kantonsverwaltung. Zum Maire des Kantons wurde der bisherige Bürgermeister C. Bertram ernannt. Mit der Neugliederung der Verwaltung wurden die Beziehungen nach Halberstadt gelöst. Der Kanton Oschersleben wurde dem Distrikt Helmstedt im Departement der Oker zugeteilt. Nach der Völkerschlacht bei Leipzig nahmen im November 1813 preußische Truppen wieder Besitz von der Stadt. Im Zuge der Neuordnung der preußischen Verwaltung 1815/16 wurde Oschersleben Kreisstadt des Kreises Oschersleben.

Altes Bahnhofsgebäude

Mit dem Bau der Magdeburg-Halberstädter Eisenbahn, die am 15. Juli 1843 eröffnet wurde, erhielt Oschersleben Anschluss an das Bahnnetz. Durch die von dort ausgehende Strecke nach Wolfenbüttel (ebenfalls 1843 eröffnet), die auch die Verbindung zwischen Magdeburg und Braunschweig herstellte, wurde es ein wichtiger Bahnknotenpunkt.

Neben dem Bahnbau hatte das Aufkommen des Zuckerrübenanbaus in der Magdeburger Börde einen wesentlichen Einfluss auf die Industrialisierung Oscherslebens. Bereits 1840 nahm die erste Zuckerfabrik (Bodenstein & Stegmann) in der Stadt den Betrieb auf. 1847 folgte die Fa. Wrede, 1848 die Heinesche Zuckerfabrik. Aus dem Wrede'schen Unternehmen, das 1890 die Domäne (Burg) in Oschersleben kaufte, ging später die Bodezuckerfabrik AG hervor, die den Betrieb 1962 einstellte. 1895/95 entstand außerdem eine Zuckerraffinerie. Sie wurde 1922 an die Sudenburger Maschinenfabrik und Eisengießerei verkauft, die dort ein Zweigwerk einrichtete.

Seit dem ausgehenden 18. Jahrhundert wurde im Helmstedt-Oscherslebener Kohlenbecken Braunkohle gefördert, zunächst im Tiefbau. 1843 wurde zwischen Neindorf und Jakobsberg der erste Tagebau angelegt, später aber wegen mangelnder Rentabilität ebenfalls im Tiefbau weitergeführt. Die konsolidierte Gewerkschaft Vereinigte Marie-Louise als bedeutendestes Bergbauunternehmen in Oschersleben, ließ 1875 eine Kohlenbahn für den Transport anlegen. 1906 nahm als letztes Braunkohlenbergwerk der Schacht Bülow den Betrieb auf. Marie-Louise ging mit dem Bülowschacht 1917 mehrheitlich in den Besitz der Braunschweigischen Kohlenwerke über, die die Förderung 1924 einstellten. Die Zeche wurde demontiert.

1943/44 wurde die Stadt bei Luftangriffen schwer getroffen. Am 10. April 1945 wurde sie durch US-Amerikanische Truppen besetzt, die später durch die britische und schließliche sowjetische Besatzungsmacht abgelöst wurden.

[Bearbeiten] Nach dem Zweiten Weltkrieg

Nach Gründung der DDR wurde 1952 die erste große Verwaltungsreform durchgeführt. Oschersleben blieb Kreissitz des in seiner Zusammensetzung veränderten Kreises, der dem Bezirk Magdeburg zugeordnet wurde.

Durch die Bodenreform wurden in Oschersleben insgesamt 1200,94 Hektar Land enteignet, darunter die Domäne Andersleben und die Rittergutsbesitzer von Asseburg (auf Neubrandsleben) und Trog (auf Emmeringen) sowie die Firma Gebr. Dippe als Eigentümer der Burg Oschersleben und ihrer Nebengüter. Das Land wurd zunächst an Neubauern vergeben. Später bildeten sich die LPG "Ernst Thälmann" und die LPG "Neue Zeit" im Ortsteil Neubrandsleben. Aus der früheren Domäne wurde das Volksgut Oschersleben. Auf dem Gelände der ehemaligen Zuckerfabrik wurde einer Maschinen-Traktoren-Station (MTS) eingerichtet. Die Industriebetriebe, darunter die Pumpenfabrik Oddesse, die Schokoladenfabrik Bodeta, die Germaniabrauerei Oschersleben, die Bodezuckerfabrik und die Mühle wurden enteignet und in volkseigene Betriebe überführt.

Bis 2007 war Oschersleben Kreisstadt des Bördekreises. Im Zuge der Kreisgebietsreform wurde zum 1. Juli 2007 Haldensleben die neue Kreisstadt des Landkreises Börde.

[Bearbeiten] Wirtschaft und Infrastruktur

[Bearbeiten] Wirtschaft

Zu den größten Arbeitgebern in Oschersleben gehören die Oddesse Pumpen- und Motorenfabrik, deren Geschichte bis in das Jahr 1854 zurückreicht, und die Bodeta Süßwaren GmbH.

Die Stadtwerke Oschersleben wurden zum 1. Januar 2001 zu 100% durch die Avacon AG (Helmstedt) übernommen.

[Bearbeiten] Verkehr

HarzElbeExpress in Oschersleben

In Oschersleben kreuzen sich die B 246, die die B 245 bei Neuwegersleben mit Wanzleben-Börde verbindet, und die in Nord-Süd-Richtung verlaufende L 24.

Oschersleben hat einen Bahnhof an der Bahnstrecke Magdeburg-Halberstadt, die durch den HarzElbeExpress bedient wird. Die frühere Bahnstrecke nach Wolfenbüttel ist stillgelegt. Die Gleise wurden im Zuge der Neugestaltung des Bereichs Bahnhofsvorplatz/Alte Post abgebaut.

Die Buslinie 600 der OhreBus Verkehrsgesellschaft verbindet Oschersleben mit der Kreisstadt Haldensleben.

Der im Westen der Stadt gelegene Flugplatz Oschersleben dient nur als Sonderlandeplatz für den Fliegerclub Oschersleben e. V.

[Bearbeiten] Öffentliche Einrichtungen

Oschersleben ist Sitz eines Amtsgerichts sowie einer Außenstelle des Landkreises Börde.

[Bearbeiten] Bildung

Oschersleben verfügt über ein Gymnasium, zwei Sekundarschulen und mehrere Grundschulen. Es ist außerdem Standort der Kreismusikschule des Landkreises Börde.

[Bearbeiten] Sport

1997 wurde die Motorsport Arena in Oschersleben eingeweiht, in der mehrmals im Jahr Rennen (DTM, ADAC Matsers Weekend u. a.) stattfinden.

[Bearbeiten] Sehenswürdigkeiten

[Bearbeiten] Regelmäßige Veranstaltungen

Auf dem Gelände der Motorsport Arena findet jährlich das weltgrößte Opeltreffen statt. 2010 nahmen über 65.000 Besucher mit fast 20.000 Fahrzeugen teil.

[Bearbeiten] Söhne und Töchter der Stadt

[Bearbeiten] Literatur

  • Werner Heyer, Rudolf Ammann: Die Chronik der Stadt Oschersleben von den Anfängen bis 1949. Oschersleben 1998
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