Museum Burg und Schloss Allstedt

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Das Burg- und Schlossmuseum Allstedt ist ein Museum mit Ausstellungen zum Wirken Thomas Müntzers und Johann Wolfgang von Goethes in Allstedt, sowie zum Eisenkunstguss aus Mägdesprung. Umbauten vom 13. bis ins 19. Jahrhundert machen nahezu alle Baustile dieser Zeit sichtbar. Historische Räume können für Veranstaltungen und Feierlichkeiten gemietet werden, und Brautpaare können sich in der barocken Schlosskapelle trauen lassen.

Burg und Schloss Allstedt


geschichtlicher Abriss[Bearbeiten]

Im 9. Jahrhundert fand die Pfalz erstmals als ,,Alstediburg" im Hersfelder Zehntverzeichnis Erwähnung.Allstedt war eine der bedeutendsten Kaiser- und Königspfalzen. Hier wurden Reichsversammlungen abgehalten und ausländische Gesandte empfangen. Leider sind keine Baureste der Pfalz erhalten und somit nicht geklärt, ob sie sich an der Stelle der heutigen Burg- und Schlossanlage befand. Von 935 bis 1200 besuchten nahezu alle deutschen Könige und Kaiser Allstedt, so war sie unter Otto II. auch die meistbesuchte Pfalz. Der letzte König des Heiligen Römischen Reiches der belegbar Allstedt besuchte war 1200 Philipp von Schwaben.


Im 13. und 14. Jahrhundert befand sich die Anlage nicht mehr unmittelbar in Reichsbesitz und verlor im Laufe der Zeit immer mehr an Bedeutung. Sie wurde mehrfach verpachtet und verpfändet, sodass mehrere Besitzerwechsel folgten, bis Kaiser Karl IV. Allstedt als Reichslehen an Herzog Rudolph von Sachsen verlieh. 1363 wurde erstmals die Pfalzgrafschaft Allstedt erwähnt. Schließlich wurde die Burg an die Edelherren von Querfurt verkauft, wobei die Pfalzwürde beim Herzogtum Sachsen verblieb. Die Edelherren bauten die Burg zu einer wehrhaften Anlage aus. In den 1460er bis 80er Jahren fügten sie zwischen den Mauern des Westflügels ein Gebäude ein, in dem sich auch heute noch die ,,Schwarze Küche" befindet. 1496 zog Kurfürst Friedrich der Weise das Lehen wieder ein und widmete sich intensiv dem Amt und Schloss Allstedt. Allstedt sollte nie kurfürstliche Residenz wie Wittenberg oder Torgau bzw. herzoglich wie Weimar sein, aber für gelegentliche Besuche der Fürsten war ein komfortabler Rahmen erforderlich. 1507-1511 wurde der Westflügel unter Verwendung des Küchenbereichs aufwendig umgebaut. Am 13.7.1524 hielt Thomas Müntzer seine berühmte Fürstenpredigt vor Herzog Johann dem Beständigen und seinem Sohn Johann Friedrich, die dazu führte, dass er Allstedt verlassen musste. 1526 wurde die Burg an die Grafen von Mansfeld verpfändet

Thomas Müntzer und die Fürstenpredigt[Bearbeiten]

Porträt Thomas Müntzer von Henri Deparade

1523 bis 1524 lebte und arbeitete der deutsche Reformator in Allstedt. Er hatte die Pastorenstelle an der St. Johanniskirche inne und hielt dort als Erster einen komplett deutsch sprachigen Gottesdienst ab. Mehrere tausend Menschen kamen zu seinen Predigten, um ihm zuzuhören. Dies stellte einen beträchtlichen Wirtschaftsfaktor für die Stadt dar, die ihn deshalb unterstützte. Am 13.7.1524 überspannte er jedoch den Bogen. An diesem Tage hielt er eine Predigt auf dem Schloss vor Herzog Johann von Sachsen und dessen Sohn Johann Friedrich, in der er die Ständeordnung als nicht gottgewollt ablehnte. Jetzt stand für Allstedt das Stadtrecht,das man erst seit einer Generation innehatte, auf dem Spiel, würde der Stadtrat Müntzer weiterhin den Rücken freihalten. So entzog man ihm die Unterstützung und er war gezwungen, unter Zurücklassen seiner Kinder und der schon wieder schwangeren Frau, nach Mühlhausen zu fliehen.

Vor allem seinem ersten deutschen Gottesdienstes ist Allstedts Lage an der Straße der deutschen Sprache zu verdanken. Die Ausstellung zum Thema Müntzer befindet sich im Ostflügel der Kernburg und beschäftigt sich nicht nur mit seinem Wirken und Schaffen in Allstedt, sondern auch mit dem darüber hinaus gehenden Lebenswandel und seiner Bedeutung für die Bauernkriegsbewegung, und beinhaltet auch einige allgemeine Informationen über Allstedt zur Reformationszeit.

Goethe in Allstedt[Bearbeiten]

In seiner Funktion als Minister des Herzogs Carl August von Sachsen-Weimar-Eisenach kam Goethe in den Jahren 1776 bis 1782 mehrfach nach Allstedt. So war er unter anderem für den Wegebau, die Forstwirtschaft und die Truppenaushebung zuständig. Er zeigte großes Interesse am Allstedter Gestüt, dass schon damals zu den Ältesten Deutschlands gehörte, heute leider jedoch nicht mehr existiert. Von Allstedt aus unternahm er mehrere Reisen in den Harz und zeichnete häufig die Stadt und ihre Umgebung. So befinden sich heute eine Zeichnung des Turmes der St.-Wigberti-Kirche und eine des Schlosses im Besitz des Weimarer Goethe-Nationalmuseums. Eines der bekanntesten klassischen Werke Goethes ist wohl "Iphigenie auf Tauris". Drei Akte dieses Dramas entstanden nachweislich 1779, während eines mehrtägigen Aufenthaltes in Allstedt. Ihm und seinem Wirken widmet sich daher eine Ausstellung im Westflügel des Museums.

Eisenkunstgussausstellung[Bearbeiten]

Ritterofen aus Gusseisen

Die Eisenkunstgusssammlung Horn/Mägdesprung wurde 1974 vom Rat des Kreises Halle für den Museumsbestand erworben. Carl Horn, der letzte Leiter des Eisenhüttenwerkes Mägdesprung, hatte sie hauptsächlich zusammengetragen, um die Modelle zu ersetzen, die im Jahre 1945 mit dem Modellhaus verbrannt waren. Zu Lebzeiten verfügte er, dass, würde eine Veräußerung einmal notwendig sein, die Sammlung nur im Ganzen und dann möglichst an ein Museum verkauft werden sollte. Aufgrund umfangreicher Bauarbeiten wurde die Sammlung im Schloss mehrfach umgelagert, bis sie 1980 im Nordflügel ihren endgültigen Standort fand. Dort, im langen Flur, sind die Ausstellungsexponate zu sehen, die beispielsweise verschiedene Tierdarstellungen nach Modellen Johann Heinrich Kurecks und Szenen aus Fabeln Goethes beinhaltet.

Insgesamt besteht die Sammlung aus rund 1000 Eisenkunstgussobjekten, Gips- und Weksmodellen, Zeichnungen und Dokumenten.

Ein besonderes Highlight hierbei ist der häufig für eine Schaurüstung gehaltene Ritterofen. Nur rund ein Dutzend sind davon auf der Welt noch vorhanden und dieser gehört zu den Besterhaltenen. Unter ihm befand sich ein Postament, das befeuert werden konnte. Der Rauch zog durch die Beine in den ,,Körper" und wurde durch ein Rohr am Hinterkopf in den Schornstein abgeleitet. Durch die Wärme erhitzte sich die Rüstung und fungierte somit sozusagen als Heizkörper.


Gäste und Bewohner von Burg und Schloss Allstedt[Bearbeiten]

  • Friedrich Barbarossa
  • Thomas Müntzer, Theologe und Reformator, 1524 Fürstenpredigt in fürstlicher Hofstube gehalten
  • Johann Wolfgang von Goethe, Dichter, mehrfach in seiner Tätigkeit als Minister zu Gast gewesen

Öffnungszeiten[Bearbeiten]

  • November-März
Dienstag - Freitag 1000 - 1630 Uhr;
Samstag,Sonntag sowie Feiertags 1300 - 1700 Uhr
geschlossen: 24.12. , 25.12 , 31.12
  • April-Oktober
Dienstag - Sonntag, sowie Feiertags 1000 - 1700 Uhr

Mitgliedschaften[Bearbeiten]

  • Straße der Romanik
  • Straße der deutschen Sprache
  • Die fünf Ungleichen
  • Thomas-Müntzer-Gesellschaft
  • Landesinitiative Sachsen-Anhalt und das 18. Jahrhundert
  • Arbeitsgemeinschaft der Deutschen Bauernkriegsmuseen
  • Erlebniswelt Museen e.V.
  • Museumsverband Sachsen-Anhalt e.V.

Unterstützer[Bearbeiten]

  • Schlossbeleuchtungs- und Förderverein
  • Kreissparkasse Mansfeld-Südharz

Weblinks[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Die Harzer Eisenhütte unterm Mägdesprung
  • Burg und Schloss Allstedt (Museumsführer)
  • Unterwegs mit Goethe - Sachsen-Anhalt und der Harz (Broschüre)
  • Thomas Müntzer - Die Fürstenpredigt

Genaue Lage[Bearbeiten]

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