Merseburg

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Merseburg

Landkreis Saalekreis
Fläche 54,73 km²
Einwohner 35.742 (31. Dez. 2009)
PLZ 06217
Vorwahl 03461
Kfz-Kennzeichen SK (früher MQ, davor MER)
Bürgermeister/in Jens Bühligen (CDU)
Webseite www.merseburg.de

Merseburg ist Verwaltungssitz des Saalekreises und außerdem Dom- und Hochschulstadt. Merseburg ist eine der ältesten Städte im mitteldeutschen Raum und gilt als Heimstatt der bekannten Merseburger Zaubersprüche.

Geschichte[Bearbeiten]

Marktplatz und Stadtkirche, um 1910

Die Ersterwähnung im 9. Jahrhundert als „Mersiburc civitas“ weist auf eine bereits vorhandene befestigte Ansiedlung hin.

1757: Merseburg im Siebenjährigen Krieg[Bearbeiten]

Nach monatelangen Truppenbewegungen und ständig wechselnden Besatzungen rückten am 30. Oktober 1757 französische Verbände in die Saalestadt ein. Der geplante Martinimarkt sollte zu keinem Jahr- sondern, wie ein Zeitgenosse in sein Tagebuch schrieb, zu einem Jammermarkt werden. Denn gegen Mittag des 31. Oktober 1757 hielt Friedrich der Große mit seiner Armee von Lützen her auf Merseburg zu. Die auf dem Neumarkt vorgelagerte französische Kavallerie galoppierte ins Zentrum und schlug Alarm. Entlang der Saale von der Neumarktbrücke bis nach Schkopau wurde so schnell wie möglich eine starke Verteidigungslinie aufgebaut und Geschütze in Stellung gebracht. Die Preußen unter Friedrich den Großen zogen von der Hohen Brücke bis Meuschau in Schlachtordnung auf. Ihre Infanterie rückte zum Andreas-Hospital vor, die Artillerie feuerte drei Schüsse auf Merseburg ab. Die Franzosen steckten aber die Neumarktbrücke in Brand, was den preußischen Angriff stoppte.

Fünf Tage später aber kam es unweit von Merseburg dann doch zur Schlacht. Bei Roßbach griff Friedrich der Große mit seinem Heer die Franzosen unter Prinz Soubise und die mit ihnen verbündete Reichsarmee unter Prinz von Hildburghausen an. Und trotz zahlenmäßig deutlicher Unterlegenheit erfochten die Preußen einen großen Sieg gegen die Franzosen. Napoleon soll später gesagt haben, dass mit der verheerenden Niederlage bei Roßbach die französische Revolution begonnen habe. Am Nachmittag des Schlachttages flohen blessierte französische Offiziere bis nach Merseburg. Am nächsten Tag, dem 6. November 1757, wurden verwundete und gefangene Franzosen in die Stadt gebracht. Allein 11 Französische Generäle und 185 Offiziere mussten Merseburg nun als Gefangene betreten, fanden aber ebenso wie verwundete Preußen Unterkunft in Bürgerhäusern, im Schlossgartensalon oder auch im Schloss. Die gemeinen französischen und österreichischen Kriegsgefangenen pferchte man aber (laut zeitgenössischen Bericht), wie Vieh in der Stadtkirche ein. Und als man diese Soldaten endlich verlegte, hatten die Stadtarmen das Gotteshaus tagelang von Exkrementen zu säubern. Es herrschte ein „grausamer Gestanck, wie eine Pest!“

Am Abend des 8. November 1757 aber kam Friedrich der Große, der Sieger von Roßbach, von Burgwerben nach Merseburg, wo er auch Quartier bezog. Am nächsten Morgen ritt der Preußenkönig zum Schloss, um die 53 erbeuteten Kanonen sowie Kriegsgefangene zu besichtigen. Bis letztlich all die Kriegsgefangenen, die Verwundeten und sämtliche Beutestücke aus Merseburg abtransportiert waren, sollten noch Wochen vergehen. Die Schlacht war der alten Stadt an der Saale erspart geblieben, deren Folgen jedoch nicht.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Jahr Einwohner
1834 8.830
1875 13.664
1880 15.205
1890 17.669
1925 25.630
Jahr Einwohner
1933 31.576
1939 38.058
1946 33.978
1950 38.441
1960 47.199
Jahr Einwohner
1981 50.932
1984 48.399
1990 43.815
1995 41.576
1950 39.012
Jahr Einwohner
1971 37.163
1988 34.167
1990 32.545
1995 29.679
2000 37.127
Jahr Einwohner
2005 34.581
2006 34.411
2007 34.039
2008 34.623

Bevölkerung 2009[Bearbeiten]

31.12.2008 Geburten Sterbefälle Zuzüge Fortzüge 31.12.2009
insgesamt 36.075 312 508 1.643 1.779 35.742
männlich 17.309 154 264 871 950 17.119
weiblich 18.766 158 244 772 829 18.623

Politik[Bearbeiten]

Oberbürgermeister ist seit dem 4. Juli 2008 Jens Bühligen (CDU).

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Merseburg unterhält Städtepartnerschaften mit

  • Châtillon (Hauts-de-Seine) bei Paris in Frankreich (seit 1. August 1963)
  • Genzano di Roma in Italien (seit 16. Januar 1971)
  • Bottrop in Nordrhein-Westfalen (seit 10. März 1989)

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Der Kreuzgang im Merseburger Dom
Merseburger Schloss und Schlosspark

Merseburger Dom[Bearbeiten]

Der Merseburger Dom St. Johannes der Täufer und Laurentius zählt auf Grund seiner hervorragenden Ausstattung mit mittelalterlichen und neuzeitlichen Kunstwerken zu den beeindruckendsten Baudenkmalen an der Straße der Romanik.

Merseburger Domschatz[Bearbeiten]

2008 erfolgte der Umbau der Südklausur des Merseburger Domes zum Zwecke der Neupräsentation der einzigartigen Stücke des Merseburger Domschatzes, die aufgrund ihrer besonderen kulturgeschichtlichen Bedeutung überregional bekannt sind.

In der Schatzkammer am Kreuzgang des Merseburger Domes sind neben kostbaren Handschriften, wie die prachtvoll ausgemalte Merseburger Bibel des 13. Jahrhunderts, ein romanischer Tragaltar, ein Elfenbeinkästchen aus der Mitte des 13. Jahrhunderts und Altarretabel zu sehen. Auch die mumifizierte Hand des 1080 gefallenen Gegenkönigs Rudolf von Schwaben ist ausgestellt. Unterhalb der Schatzkammer, im „Zauberspruchgewölbe“, kann man ein Faksimile der berühmten Merseburger Zaubersprüche bewundern.

Merseburger Zaubersprüche[Bearbeiten]

Die Merseburger Zaubersprüche sind zwei heidnisch-germanische Zauberformeln, die nach der Dombibliothek zu Merseburg benannt sind. Dort waren sie 1841 von dem Historiker Georg Waitz entdeckt worden. Das Schriftstück war in einer theologischen Handschrift des 9./10. Jahrhunderts gefunden worden. Jacob Grimm hat sie dann 1842 erstmals herausgegeben und kommentiert.

Die Merseburger Zaubersprüche beinhalten zwei Zauberformeln, die in althochdeutscher Sprache verfasst und an germanische Gottheiten gerichtet sind. Das Besondere ist, dass sie ihren vorchristlichen Charakter behalten haben, obwohl sie vermutlich im Kloster Fulda im christlich geprägten Mittelalter aufgeschrieben worden sind.

Merseburger Rabensage[Bearbeiten]

Der Merseburger Rabensage nach ließ Bischof Thilo von Trotha seinen treuen Diener hinrichten, weil dieser in den Verdacht geraten war, seinem Herrn einen wertvollen Ring gestohlen zu haben. Einige Zeit später wurde der Ring jedoch bei Reparaturen am Dach des Merseburger Schlosses in einem Rabennest gefunden. Aus Reue und zur Mahnung für uns Menschen, niemals im Jähzorn über andere zu richten, nahm der Bischof darauf seinen Raben in Gefangenschaft.

Peter-Sodann-Bibliothek[Bearbeiten]

2006 hat sich in Merseburg unter Vorsitz des Schauspielers Peter Sodann der „Verein zur Förderung, Erhaltung und Erweiterung einer Sammlung von 1945–1990 im Osten Deutschlands erschienener Literatur e.V.“ gegründet. Ziel des Vereins war es, in Merseburg bis 2009 eine Bibliothek mit allen in der DDR erschienenen Büchern aufzubauen und jedermann zugänglich zu machen. In mehr als 3000 Kisten wurden dazu etwa 500000 Bücher gesammelt, die in der alten Turnhalle der Albrecht-Dürer-Schule in Merseburg zwischengelagert waren. Allerdings ist das Projekt in Merseburg nie verwirklicht worden. Stattdessen befindet sich die Bibliothek nun im sächsischen Stauchitz.

Weitere Bauwerke und historische Plätze[Bearbeiten]

  • Der Eulenturm in Merseburg ist Teil der ehemaligen Stadtmauer, welche im 13. Jahrhundert unter Bischof Eckard errichtet wurde. Zu ihr gehörten ehemals sieben Türme sowie drei Stadttore.

Bildung[Bearbeiten]

Schulen[Bearbeiten]

Zwei Gymnasien sind in Merseburg ansässig. Das Ältere von beiden ist das 1575 gegründete Domgymnasium. Das zweite Gymnasium ist das Herder-Gymnasium. Ebenso befinden sich im Stadtgebiet zwei Sekundarschulen (die Albrecht-Dürer-Schule und die Goethe-Schule). Fünf Grundschulen in staatlicher und eine in freier Trägerschaft (die evangelische Johannesschule) sowie zwei Gesamtschulen sind in Merseburg untergebracht. Darüber hinaus gibt es zwei Sonderschulen, eine im Bereich für geistig Behinderte und eine weitere für Lernbehinderte, sowie eine Kreisvolkshochschule und eine Kreismusikschule.

Hochschule Merseburg[Bearbeiten]

Die Hochschule Merseburg (FH) wurde am 1. April 1992 gegründet. Das Studienprofil ist breit gefächert: Ingenieurwissenschaftliche und technische Studiengänge, wirtschaftswissenschaftliche Studiengänge und Studienangebote aus den Bereichen Soziales, Medien und Kultur. An der Hochschule studieren etwa 3000 Studenten. Auf dem Campus befindet sich außerdem eine europaweit einmalige Institution: das Deutsche Chemie-Museum Merseburg.

Martin-Luther-Universität[Bearbeiten]

Der Fachbereich Ingenieurwissenschaften der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg ist in Merseburg angesiedelt. Dieser beinhalt die Studienfächer Bioingenieurwesen, Umwelttechnik, Verfahrenstechnik, Ingenieurwissenschaften/ Vertiefung, Ingenieurinformatik, Biomedizinische Materialien, Werkstoffwissenschaften, Applied Polymer Science, Lehramt Wirtschaft/ Technik sowie Wirtschaftsingenieurwesen.

Bombenfund im Mai 2010[Bearbeiten]

Bei Bauarbeiten auf der Mühleninsel unweit des Doms wurde am 10. Mai 2010 eine 500 Kilogramm schwere Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden. Nach einer umfangreichen Evakuierungsaktion hat der Kampfmittelbeseitigungsdienst diese am 12. Mai entschärft. Die Innenstadt wurde dafür weiträumig abgeriegelt, mehr als 10 000 Einwohner mussten ihre Wohnungen verlassen. Eine derartige Evakuierung hatte es bislang in Merseburg noch nicht gegeben.

siehe Bombenfund in Merseburg

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Bekannte Persönlichkeiten mit Verbindung zu Merseburg[Bearbeiten]

  • Carl Adolph von Basedow (1799-1854), Arzt, wirkte und starb in Merseburg
  • Friedrich Zollinger (1880-1945), Architekt und Stadtbaurat
  • Ernst von Harnack (1888-1945), sozialdemokratischer Politiker, Regierungspräsident in Merseburg und Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus
  • Hans-Günther Wauer (*1925), Musiker und Domorganist
  • Michael Schönheit (*1961), Gewandhaus-Organist sowie ehrenamtlicher Domorganist am Merseburger Dom und künstlerischer Leiter der Merseburger Orgeltage

Virtueller Rundgang durch Merseburg[Bearbeiten]

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Weblinks[Bearbeiten]