Martin Luther

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Portrait um 1525

Martin Luther (* 10. November 1483 in Eisleben, † 18. Februar 1546 ebenda) ist der geistige Vater der protestantischen Reformation. Seine Übersetzung der Bibel aus der Originalsprache ins Deutsche zählt bis heute zu den wichtigsten Bibelübersetzungen. Sie führte auch zur Entstehung einer einheitlichen deutschen Sprache.

Luther ist durch sein Leben und Wirken mit der Region des heutigen Sachsen-Anhalt in vielfältiger Weise verbunden. Sowohl seine Geburtsstadt Eisleben als auch Wittenberg nennen sich offiziell Lutherstadt.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Leben

Martin Luther wurde am 10. November 1483 als zweiter Sohn des aus Möhra in Thüringen stammenden Bergmanns Hans Luder und seiner Frau Margarethe geboren und in der Kirche St.-Petri-Pauli-Kirche in Eisleben getauft. Die Schreibweise des Nachnamens variierte im Laufe der Zeit. Martin Luther selbst verwendete den Namen Luther nachweislich erstmals im Oktober 1517 in einem Schreiben an Erzbischof Albrecht von Mainz.

Der Vater war im Herbst 1483 nach Eisleben, dem Hauptort des Mansfelder Kupferbergbaus gezogen. Seine Jugend verbrachte Luther in Mansfeld, wo er ab 1488 die Stadtschule besuchte. 1497 kam er zum weiteren Schulbesuch bei den "Brüdern vom gemeinsamen Leben" nach Magdeburg. Schon Ostern 1498 wechselte er auf die Lateinschule in Eisenach studierte er ab 1501 an der artistischen Fakultät der Universität Erfurt. Im Herbst 1502 erwarb er den Grad des Baccalaureus, Anfang 1505 den des Magister artium. Auf Wunsch des Vaters begann er im Mai 1505 mit dem Studium der Rechtswissenschaften, trat aber nach dem Erlebnis von Stotternheim (angeblich ein Gelübde bei einem schweren Gewitter) am 2. Juli 1505 in das Kloster der Augustiner-Eremiten in Erfurt ein und wurde am 3. April 1507 im Dom zu Erfurt zum Priester geweiht. Im Herbst 1508 ging er auf Veranlassung des Generalvikars der regulierten Augustinerkongregationn, Johann von Staupitz, zum weiteren Theologiestudium und zur Vorbereitung auf die Laufbahn als Hochschullehrer nach Wittenberg. Im Herbst 1509 kehrte er zunächst nach Erfurt zurück. Ab Herbst 1511 war er wieder in Wittenberg. Nach einem kurzen Aufenthalt in Rom wurde er 1512 unter dem damaligen Dekan Andreas Bodenstein zum „Doctor theologiae“ promoviert. Er erhielt einen Lehrstuhl an der Wittenberger Universität, den er bis zu seinem Lebensende behielt. 1514 wurde er als Prediger an die Wittenberger Stadtkirche berufen.

[Bearbeiten] Luthers 95 Thesen

"Thesentür" der Schlosskirche zu Wittenberg
Lutherdenkmal in Magdeburg

Luther verfasste die heute weltberühmten 95 Thesen. Er kritisierte darin das Papsttum und die Zustände in der katholischen Kirche, insbesondere den Ablasshandel, und löste damit die Reformation aus. Am 31. Oktober 1517 (dem heutigen Reformationstag) soll er sie nach einer Überlieferung von Philipp Melanchthon am Hauptportal der Schlosskirche in Wittenberg angeschlagen haben. Neuere Forschungen bezweifeln dies jedoch.

1520/21 arbeitete Luther an seinen drei großen reformatorischen Schriften "An den christlichen Adel deutscher Nation", "Von den babylonischen Gefangenschaft der Kirche" und "Von der Freiheit eines Christenmenschen". Mit der Androhung des Kirchenbanns wurde er am 15. Juni 1520 aufgefordert, seine Lehren zu widerrufen. Mit der Verbrennung der Bannbulle brach er endgültig mit dem Heiligen Stuhl. Am 3. Januar 1521 verhängte Papst Leo X.mit der Bannbulle Decet Romanum Pontificem den Kirchenbann gegen ihn. Kaiser Karl V. lud ihn zum Reichstag nach Worms. Am 2. April 1521 begann er seine Reise nach Worms. Für die Reise standen dem Reformator ein vom Wittenberger Rat gestellter zweirädriger Wagen und drei Pferde zur Verfügung. Aller Orten wurde Luther mit Begeisterung empfangen, so auch am 16. April am Ziel seiner Reise. Die erwartete Widerrufung seiner Schriften verweigerte er. Im Wormser Edikt vom Kaiser mit der Reichsacht belegt, begab sich Luther unter den Schutz des sächsischen Kurfürsten Friedrich des Weisen, der ihm auch der Wartburg bei Eisenach Zuflucht gewährte.

[Bearbeiten] Bibelübersetzung

Auf der Wartburg übersetzte er im Herbst 1521 das Neue Testament in nur elf Wochen ins Deutsche. Luthers Bibelübersetzung erschien ab September 1522. 1523 erschien auch Luthers erste Teilübersetzung des Alten Testaments; beide zusammen erlebten bis 1525 bereits 22 autorisierte Auflagen und 110 Nachdrucke, so dass rund ein Drittel aller lesekundigen Deutschen dieses Buch besaß. 1534 übersetzte Luther auch das übrige Alte Testament; beide Testamente zusammen bilden die Lutherbibel.

Neu an der Lutherübersetzung war, dass als Vorlage nicht, wie zuvor die Übersetzung der Bibel ins Lateinische (Vulgata) diente, sondern Texte in den Originalsprachen (althebräischen, aramäisch bzw. altgriechisch). Eine entscheidende Hilfe war dabei Philipp Melanchthon.

Luther übersetzte weniger wörtlich, sondern versuchte, biblische Aussagen nach ihrem Wortsinn ins Deutsche zu übertragen. Damit machte Luther biblische Inhalte auch dem einfachen Volk zugänglich. Die Verbreitung seiner Übersetzung wurde durch den von Johann Gutenberg in der Mitte des 15. Jahrhunderts erfundenen Buchdruck zusätzlich begünstigt.

Seine Sprachform war das Ostmitteldeutsche seiner Heimat, in dem nord- und süddeutsche Dialekte schon verschmolzen waren. Aber erst durch Luthers Bibelübersetzung entwickelte sich dieser Dialekt zum gemeinsamen Hochdeutsch.

[Bearbeiten] Luthers Tod

Trotz eines schon länger währenden Herzleidens reiste Luther am 28. Januar 1546 über Halle nach Eisleben, um Streitigkeiten der Mansfelder Grafen zu schlichten. Er war zu dieser Zeit gesundheitlich bereits sehr schwach, führte die Verhandlungen jedoch erfolgreich zu Ende. In der Nacht vom 17. zum 18. Februar starb Martin Luther im Alter von 62 Jahren in Eisleben. Das heutige Haus Andreaskirchplatz 7 wird als sein Sterbehaus bezeichnet. Auf Veranlassung des Kurfürsten Johann Friedrich von Sachsen wurde sein Leichnam nach Wittenberg überführt und dort in der Schlosskirche beigesetzt.

[Bearbeiten] Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt

[Bearbeiten] Geburtshaus (Eisleben)

Inneres des Geburtshauses

Das Geburtshaus Martin Luthers in der heutigen Lutherstraße 15 in Eisleben ging 1689 in Flammen auf und wurde dabei schwer beschädigt. Der Hausbesitzer wurde daraufhin enteignet. 1693 restaurierte die Stadt das Haus mit Spenden aus ganz Deutschland und eröffnete dort eine Erinnerungsstätte für Martin Luther und die Reformation. Der würdevolle Barockbau gilt damit als eines der ersten Museen in Deutschland.

Das Geburtshaus stand bis 1867 in einer geschlossenen Häuserzeile, das angrenzende Eckhaus zur Seminarstraße hin wurde dann jedoch abgerissen. Auf dem Grundstück entstand ein Garten für die Gedenkstätte.

Seit 1997 gehört das Geburtshaus zur Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt. Zwischen 2005 und 2007 wurde es grundlegend saniert und restauriert.

[Bearbeiten] Sterbehaus (Eisleben)

Luthers Sterbehaus am Andreaskirchplatz 7

Durch einen Irrtum in der Erforschung der Baugeschichte ist Luthers Sterbehaus in Eisleben nicht das Haus, in dem er wirklich gestorben ist.

Luther hatte vom 28. Januar bis zu seinem Tode am 18. Februar 1546 in dem spätgotischen Gebäude (heute Markt 56) in den beiden oberen straßenseitigen Räumen Quartier bezogen, welches vermutlich nach dem Stadtbrand von 1498 errichtet worden war.

An der Stelle des Sterbehauses am Markt 56 entstand Ende des 16. Jahrhunderts ein Neubau, in dem heute das Hotel Graf von Mansfeld zu finden ist. Die ursprünglichen Eigentümer zogen in ein Haus am Andreaskirchplatz 7. Der Chronist Eusebius Francke lokalisierte 1726 das Sterbehaus Luthers an dieser Adresse, beging dabei jedoch einen Fehler, denn das Haus gehörte nicht Dr. Philipp Drachstedt, sondern seinem Sohn Barthel Drachstedt. Bis heute gilt das Haus am Andreaskirchplatz 7 fälschlicherweise als Luthers Sterbehaus. Als Sterbezimmer wird der große Raum an der Straßenseite im Obergeschoss bezeichnet. 1862 erwarb der preußische Fiskus das Haus und sanierte es aufwendig. Heute wird es als Museum genutzt.

[Bearbeiten] Literatur

  • Wolfgang Hoffmann: Luther. Ein Reiseführer zu bedeutenden Wirkungsstätten des Reformators in Deutschland. 2011

[Bearbeiten] Weblinks

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