Maria Emanuel Prinz von Sachsen Herzog zu Sachsen

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Maria Emanuel Prinz von Sachsen Herzog zu Sachsen (* 31. Januar 1926 auf Schloß Prüfening in Regensburg, Deutschland; † 23. Juli 2012 in seinem Haus im Schweizerischen La Tour-de-Peilz am Genfer See, war seit 1968 Oberhaupt des ehemals königlich sächsischen Hauses Wettin Albertinische Linie.

Maria Emanuel war der älteste Sohn von Friedrich Christian Albert Leopold Anno Sylvester Macarius Prinz von Sachsen Herzog zu Sachsen (* 31. Dezember 1893 in Dresden; † 9. August 1968 in Samedan, Schweiz) und damit ein Enkel des letzten Königs von Sachsen, Friedrich August III. (* 25. Mai 1865 in Dresden; † 18. Februar 1932 auf Schloss Sibyllenort in Niederschlesien, heute Polen). Seine Mutter Elisabeth Helene von Thurn und Taxis (* 15. Dezember 1903 in Schloss St. Emmeram, Regensburg; † 22. Oktober 1976 in München) war eine Tochter des achten und letzten Fürsten von Thurn und Taxis, Albert Maria Joseph Maximilian Lamoral von Thurn und Taxis (* 8. Mai 1867 in Regensburg; † 22. Januar 1952 ebenda).

Seine Eltern hatten am 16. Juni 1923 geheiratet.

Schloss Prüfening, eine ehemalige, 1109 gegründete und 1803 säkularisierte Benediktinerabtei, war seit 1899 im Besitz der Familie Thurn und Taxis. Die Fürsten nutzten das Schloss als Sommersitz.

Maria Emanuel wurde 1932 in die Volksschule “Obere Pfarre auf dem Kaulberg“ in Bamberg eingeschult. Ab 1936 lebte er mit seinen Eltern und Geschwistern in Dresden im oberen „Schloss Wachwitz“, das zuvor innerhalb von zwei Jahren für die Familie erbaut worden war. Der Königliche Weinberg zu Dresden-Wachwitz entstand seit 1823 durch den damaligen Kronprinzen und späteren König Friedrich August II. (* 18. Mai 1797 in Weißensee, Kurfürstentum Sachsen; † 9. August 1854 in Brennbichl in Tirol). Im Jahre 1893 wurde das untere Schloss, auch Königliche Villa genannt, anstelle des damaligen Sommerpalais im Stil der Neorenaissance erbaut. Es diente Maria Emanuels Geschwistern sowie ihrem Vater seit 1904 als Sommerwohnsitz. Erst nach dem Tod des letzten Sachsenkönigs 1932, der nach Auflösung seiner Ehe 1903 nie wieder geheiratet hatte, war der Weg frei für einen Neubau für die Familie von Maria Emanuel auf dem wettinischen Grundstück in Dresden-Wachwitz.

Am 14. September 1944 wurde Maria Emanuel im Zusammenhang mit seiner Rolle um das Attentat des 20. Juli 1944 durch die Gestapo verhaftet. Zunächst kam er in Saulgau/Württemberg in Haft; kurze Zeit danach wurde er nach Berlin überstellt und sollte dort vor dem Volksgerichtshof unter Roland Freisler angeklagt und verurteilt werden. Durch glückliche Fügung wurde Freisler am 3. Februar 1945 kurz vor Beginn des Prozesses durch einen herabstürzenden Balken im Schutzraum des Volksgerichtshofes erschlagen, wobei Freisler noch die Akte des anwesenden angeklagten Juristen und Offiziers Fabian von Schlabrendorffs in der Hand hielt. Der von der Straße herbeigerufene Arzt Dr. Schleicher konnte nur noch den Tod Freislers feststellen. Es war der Bruder Rüdiger Schleichers, den Freisler am Tag zuvor zum Tode verurteilt hatte. Schlabrendorff wie auch Maria Emanuel und viele andere Angeklagte überlebten somit das Kriegsende.

Maria Emanuel nutzte die desolate Situation im umkämpften Berlin und floh am 24. April 1945 aus der Haft.

Nach Einzug der Roten Armee und dem Kriegsende flüchtete er über die grüne Grenze zwischen der russischen und der britischen Zone nach Milspe in Nordrhein-Westfalen, wo sein Vater Friedrich Christian ein Stahlwerk besaß. Von dort glückte es dem inzwischen Zwanzigjährigen im darauffolgenden Jahr wohlbehalten in das österreichische Bregenz am Bodensee zu seinen Eltern und Geschwistern zu gelangen.

Als sich die Nachkriegslage in Deutschland stabilisierte, lebte er mit seinem Vater in Westfalen (Wocklum) und studierte als Liebhaber von Kunst und Kultur einige Semester an der Kunstakademie Düsseldorf. Aus dieser Studienzeit sind noch eine Vielzahl dort entstandener Gemälde erhalten.

1950 zog Maria Emanuel nach München, wo die engere Familie seines Vaters mit Unterstützung der Familie Thurn und Taxis das Mietshaus Wolkensteinstraße 10 im Stadtteil München-Harlaching bewohnte. Maria Emanuel erhielt ein eigenes Atelier und konnte so dort als Grafiker und Kunstmaler tätig werden.

Von 1958 an lebte er als Künstler und Galerist in der Schweiz und lernte dort seine zukünftige Gemahlin, Anastasia-Louise Prinzessin von Anhalt (* 1940), Tochter von Eugen Prinz von Anhalt (1903–1980) und Anastasia Jungmeier (1901–1970), kennen. Am 23. Juni 1962 vermählte sich Prinz Maria Emanuel mit ihr in Vevey am Genfer See. Das Paar zog nach Tour de Peilz an den Genfer See und lebte dort bis zum Ableben von Markgraf Maria Emanuel am 23. Juli 2012. Es bildete einen wichtigen Mittelpunkt für die im Westen lebenden Sachsen.

Mit dem Tod seines Vaters am 9. August 1968 in Samaden in der Schweiz übernahm Maria Emanuel als Markgraf von Meissen die Position des Chefs des Hauses Wettin und hatte diese Position bis zu seinem Tode inne. In dieser Funktion gründete er am 11. Dezember 1970 gemeinsam mit seiner Gemahlin die Sachsengruppe Zürich und stand ihr bis zum Jahr 1978 vor.

Nach der Wiedervereinigung 1990 konnte Maria sein Stammland Sachsen wieder besuchen. Es war für ihn eine große Freude, dorthin wieder frei reisen zu können.

Da die Ehe kinderlos blieb, adoptierte Maria Emanuel am 26. Mai 1999 seinen Neffen, Alexander Prinz von Sachsen-Gessaphe, der ihm als Chef des Hauses Sachsen nachfolgte.

Literatur[Bearbeiten]

  • M. Frank-Michael Bäsig: Maria Emanuel Markgraf von Meissen Herzog zu Sachsen: Festgabe zum 75. Geburtstag. Verlag C. A. Starke, 2001 ISBN 978-3798005693