Möhrenköppe

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Möhrenköppe ist ein alter Spitzname für die Bürger der Stadt Aschersleben. Mit dieser Bezeichnung wollte man den Ascherslebenern wohl anhängen, dass Möhren ihre Lieblingsspeise waren, weil man - nach altem Volksglauben - klug wird, wenn man viel Möhren isst. Durch massenhaften Genuss wollten die Ascherslebener also die fehlende Schlauheit erlangen, und der gehässige Hintergedanke dabei war, dass der erwünschte Erfolg immer noch ausgeblieben ist.

Die Ascherslebener können aber diesen Spottnamen in stolzem Selbstbewusstsein leicht auch als Ehrennamen deuten. Sie waren klüger als die anderen. Diese aßen die Möhren einfach und freuten sich über die billige Nahrung. Die Ascherslebener aber ließen sie ins Kraut schießen, ernteten den Samen, verkauften ihn für gutes Geld und kamen damit zu Wohlstand.

Hintergrund[Bearbeiten]

Aschersleben wurde mit dem Ende des 19. Jahrhunderts zum Zentrum für die Züchtung von Saatgut, wobei nur die Tradition des Majorananbaus, die im Jahre 1890 begann, als insbesondere in den Seedörfern um Aschersleben die Majorankultivierung auf Ackerflächen einsetzte, überlebte. Es entstanden damals vier Verarbeitungsbetriebe und je ein Betrieb in Königsaue, Ermsleben, Cochstedt und Groß Börnecke. Bereits 1919 wurden 95 Prozent des Bedarfs in Deutschland von Aschersleben aus gedeckt. Begünstigt durch die klimatischen Bedingungen im Regenschatten des Harzes, lag der Entschluss auf der Hand, sich als Züchter auszuprobieren. So umfasste das erste Pachtland für die Samenzucht rund 400 Morgen. Der Industriezweig entwickelte sich schnell und so schlossen sich viele kleine Betriebe zusammen und führten die Ascherslebener Samenzucht zu Weltruhm. Mit fast allen europäischen Ländern und auch mit Übersee wurde ein lebhafter Handel betrieben, da die Qualität des Saatgutes sich in der Welt auch gegen billigere Konkurrenz durchsetzen konnte. Die Saatgut-Wirtschaft florierte und musste erhebliche Einschnitte mit dem Zweiten Weltkrieg hinnehmen, der das Exportgeschäft zum Erliegen brachte. Davon hat sich Aschersleben nie wirklich wieder erholt und spielt bis auf die Majoranproduktion in diesem Wirtschaftszweig keine Rolle mehr.