Leopoldina

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Die Akademie der Wissenschaften mit Sitz in Halle

Die Leopoldina ist die weltweit älteste naturwissenschaftlich-medizinische Akademie der Wissenschaften. Sie wurde 1652 in Schweinfurt gegründet und hat seit 1878 ihren Sitz in Halle an der Saale.

Geschichte[Bearbeiten]

Gründung der Akademie der Wissenschaften[Bearbeiten]

Am 1. Januar 1652 wurde die Leopoldina in Schweinfurt gegründet. Ihre Gründerväter waren die Ärzte Johann Lorenz Bausch, Johann Michael Fehr, Georg Balthasar Metzger und Georg Balthasar Wohlfahrt. Die Akademie der Wissenschaften trug zunächst den Namen Academia Naturae Curiosorum. Ihr Ziel war es, die Kommunikation zwischen Naturwissenschaftlern zu verbessern und naturwissenschaftliche Erkenntnisse zu vertiefen. Im Laufe der Jahre vermehrten sich die Aufgaben und Ziele der Leopoldina. Auch die empirische Geistes-, Sozial- und Verhaltenswissenschaften wurden durch sie gefördert.

Ihren Namen „Leopoldina“ erhielt sie durch Kaiser Leopold I. 1687 wurde die unabhängige Akademie per Dekret zur Reichsakademie. Seit jeher heißt sie Sacri Romani Imperii Academia Caesareo-Leopoldina Naturae Curiosorum. Unter Kaiser Karl VI. (1712) und Karl VII. (1742) änderte sich der Name nochmals. Seit 1878 hat die Leopoldina ihren Sitz in Halle an der Saale. Der damalige Präsident der Akademie Hermann Knoblauch setzte sich für die Übersiedlung der Akademie in Halle ein. Ausschlaggebend für diese Entscheidung war unter anderen die renommierte Martin-Luther-Universität, die ihren Sitz ebenfalls in Halle hat. Über 200 Jahre lang richtete sich der Sitz der Leopoldina nach dem Wohnort des jeweiligen Akademie-Präsidenten. So war die Akademie unter anderem schon in Nürnberg, Augsburg, Erfurt und Bonn ansässig. Erst seit 1878 hat die Leopoldina dauerhaft ihren Sitz in Halle an der Saale.

Die Leopoldina in der NS-Zeit[Bearbeiten]

Unter der Leitung von Emil Abderhalden wurden nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten viele jüdische Mitglieder aus der Akademie verbannt. Abderhalden ging sogar so weit, dass er in der Akademie-Zeitschrift Nova Acta Leopoldina einen Beitrag veröffentlichte, in dem er behauptete, dass bestimmte Stoffe im Blut Rassenmerkmale enthalten und deshalb Rassen eindeutig unterschieden werden könnten. Über 70 Mitglieder wurden aufgrund der Rassenideologie aus der Akademie ausgeschlossen. Einige davon verloren sogar ihr Leben. Darunter waren unter anderen Otto Blumenthal, Peter Rona und Georg Pick.

Zum Schutz vor Bombenangriffen wurden die Bibliotheksbestände zwischenzeitlich in ein stillgelegtes Salzbergwerk in Wansleben am See ausgelagert. Über 20.000 Bände konnten so vorerst gerettet werden.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges[Bearbeiten]

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurden die Bibliotheksbestände in die damalige Sowjetunion gebracht. Erst 1958 kamen etwa 12.000 Bücher und Schriften nach Halle zurück. Einige Dokumente blieben jedoch verschwunden. Darunter wertvolle Schriften von Giordano Bruno und Johannes Kepler. Im Laufe der Jahre tauchten einzelne Exemplare wieder auf. Sie wurden in Auktionshäusern in London, Hamburg und New York versteigert.

Ob die Akademie der Wissenschaften weiter bestehen würde, war in der DDR lange nicht klar. Ursprünglich sollte sie an die staatliche Deutsche Akademie der Wissenschaften zu Berlin angebunden werden. Die Leopoldina als gesamtdeutsche Vereinigung konnte sich aber letztendlich durchsetzen.

Nach der Wiedervereinigung und Heute[Bearbeiten]

Seit 1991 ist die Akademie der Wissenschaften eine private Institution. Im Jahr 1996 und 2008 wurden in Georgien und Tiflis Exemplare aus den vermissten Beständen der Leopoldina-Bibliothek entdeckt. Ein Teil davon wurde an die Akademie zurückgegeben. Bis heute werden aber noch über 6000 wertvolle Exemplare vermisst.

2008 wurde die Leopoldina zur Nationalen Akademie der Wissenschaft ernannt. Dies hatte unter anderen die Förderung der Zusammenarbeit von Politik und Wissenschaft zum Ziel. Seit der Ernennung steht die Leopoldina unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten.

Am 1. Oktober 2009 wurde von dem Akademiepräsident Volker ter Meulen eine Gedenkstätte für ehemalige Mitglieder der Leopoldina, die den Säuberungsaktionen der Nationalsozialisten zum Opfer fielen, eingeweiht.

Seit Dezember 2011 sitzt die Leopoldina im damaligen Logenhaus Zu den drei Degen in Halle. Das Hauptstadtbüro der Akademie befindet sich in Berlin.

Aufgaben und Ziele[Bearbeiten]

Die Leopoldina hat sich verpflichtet wichtige gesellschaftliche Zukunftsthemen wissenschaftlich zu bearbeiten und die Forschungsergebnisse der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Außerdem sollen die Themen und Ergebnisse national und international durch die Akademie der Wissenschaften vertreten werden. Weitere Aufgaben sind die Förderung der Wissenschaften durch die nationale und internationale Zusammenarbeit und die Förderung junger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Zudem organisiert die Akademie wissenschaftliche Veranstaltungen, setzt Kommissionen ein, verleiht Auszeichnungen und Preise. Finanziert wird die Leopoldina zu 80 Prozent durch den Bund und zu 20 Prozent durch das Land Sachsen-Anhalt.

Arbeitsfelder[Bearbeiten]

  • Biodiversität
  • Demographie
  • Energie
  • Gentechnik
  • Gesundheit
  • Innovation und Technik
  • Klima
  • Schutz von Versuchstieren
  • Stammzellen
  • Synthetische Biologie

Ausgewählte berühmte Mitglieder der Leopoldina[Bearbeiten]

  • Johann Wolfgang von Goethe (1749–1832), Sektion Botanik
  • Johann Friedrich Meckel der Jüngere (1781-1833), Sektion Anatomie
  • Adelbert von Chamisso (1781–1838), Sektion Botanik
  • Charles Darwin (1809–1882), Sektion Naturforscher
  • Werner von Siemens (1816–1892), Sektion Physik
  • Marie Curie (1867–1934), Sektion Physik
  • Albert Einstein (1879–1955), Sektion Physik
  • Niels Bohr (1885–1962), Sektion Physik
  • Werner Heisenberg (1901–1976), Sektion Physik

Präsidenten seit der Sesshaftwerdung in Halle an der Saale[Bearbeiten]

  • 1878–1895 Hermann Knoblauch – Thomas Johann Seebeck
  • 1895–1906 Karl von Fritsch
  • 1906–1921 Albert Wangerin
  • 1921–1924 August Gutzmer
  • 1924–1931 Johannes Walther
  • 1932–1950 Emil Abderhalden
  • 1952–1953 Otto Schlüter
  • 1954–1974 Kurt Mothes
  • 1974–1990 Heinz Bethge
  • 1990–2003 Benno Parthier
  • 2003–2010 Volker ter Meulen
  • seit 1. März 2010 Jörg Hacker

Weblinks[Bearbeiten]

Offizielle Homepage der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina