Kloster Helfta

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Das Kloster St. Marien zu Helfta ist ein Zisterzienserinnenkloster im Ortsteil Helfta der Stadt Eisleben. Es ist eine Station an der Straße der Romanik.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Geschichte

[Bearbeiten] Das mittelalterliche Kloster bis zur Reformation

Das Kloster Helfta wurde am 29. Juni 1229 durch den Grafen Burchard I. von Mansfeld und seine Frau Elisabeth nahe der Burg Mansfeld als Tochterkloster des Zisterzienserinnenklosters St. Jacobi in Halberstadt gegründet. Über den Gründungsakt liegen zwei Quellen vor: Die Stifungsurkunde des Grafen und ein späterer Bericht der Äbtissin Sophia von Stolberg. Die Initiative ging wohl hauptsächlich von Elisabeth aus, die nach dem Tod des Grafen Burchard (1230) das Kloster mit weiteren Dotationen ausstattete.

1234 veranlasste Elisabeth von Mansfeld die Verlegung des Klosters nach Rodarsdorf (Rossdorf). Erste Äbtissin des Klosters war Cunigunde von Halberstadt († 1251). Ihre Nachfolgerin wurde Gertrud von Hakeborn, die 1232 auf der im Besitz ihrer Familie befindlichen Burg Helfta geboren wurde. Wegen der schlechten Wasserversorgung wurde unter ihrer Leitung das Kloster auf der Grundlage eines Tauschvertrags zwischen den Grafen von Mansfeld, Hakeborn und Querfurt zwischen 1256 und 1259 nach Helfta verlegt. Die eng miteinander verwandten Grafen von Mansfeld, Hakeborn und Querfurt waren die Hauptförderer des Klosters. Sie verpflichteten sich abwechselnd, das Kloster in ihren Schutz zu nehmen, verzichteten dabei aber jeweils ausdrücklich auf die Herrschafts- und Vogteirecht.

Noch vor der Verlegung wurde 1253 das Tochterkloster Hedersleben gestiftet, das nach seiner Fertigstellung 1262 vom neuen Standort Helfta aus besiedelt wurde.

In der vierzigjährigen Amtszeit Gertrud von Hakeborns entfaltete die Gemeinschaft eine bedeutende intellektuelle und literarische Blüte, wovon die Förderung der hohen Bildung der Konventualinnen und die Erweiterung der Klosterbibliothek durch Ankauf und durch Abschriften des klostereigenen Skriptoriums zeugen. Als Gertrud 1292 an den Folgen eines Schlaganfalls starb, war Helfta ein Zentrum mittelalterlicher deutscher Frauenmystik. Ihre Nachfolgerin Sophie von Querfurt setzte diese Tradition fort.

Im 14. Jahrhundert lebten im Kloster rund 200 Nonnen. 1342 wurde das Kloster erstmals zerstört, als Herzog Albrecht von Braunschweig als Vergeltung für die ihm verweigerte päpstliche Anerkennung als Bischof in das Bistum Halberstadt einfiel. Die Wirtschaftsgebäude wurden zerstört. In wie weit auch die Klausurgebäude betroffen waren, ist unklar. Wegen der unsicheren Lage baten die Nonnen jedenfalls um die Verlegung des Klosters nach Eisleben. Die Wirtschaftsgebäude des alten Klosters wurden wiederhergestellt und als Klostergut weiter bewirtschaftet. Sie blieben bis 1546 im Besitz des Klosters.

Der Konvent wurde nach Eisleben verlegt, wo Graf Burchard IX. von Mansfeld 1343 das Bauland für ein neues Kloster nahe der Burg im Schatten der Stadtmauer stiftete. Die Verlegung wurde am 6. August 1345 durch Papst Clemens VI. besttätigt. das "Neu-Helfta" genannte Kloster wurde am 14. Januar 1347 geweiht.

In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts setzte ein zunehmender sittlicher Verfall der klösterlichen Gemeinschaft ein. Wegen des schlechten Rufs nahmen viele Familien ihre Töchter wieder aus dem Kloster heraus, darunter auch Fürst Georg von Anhalt. Graf Günther von Mansfeld, Vater der Äbtissin Sophia von Mansfeld, beauftragte daher 1467 den Abt des Benediktinerklosters St. Peter zu Merseburg, Heinrich von Homburg, gegen den anfänglichen Widerstand der Nonnen mit der Reformierung des Klosters Helfta. Mit der Leitung des Konvents wurde Margarete von Strundeck betraut, die aus dem zur Bursfelder Kongregation gehörenden reformierten Benediktinerinnenkloster Marienberg bei Boppard stammte. Sie wurde zunächst Priorin und nach der Amtsentsagung Sophias 1468 zur Äbtissin bestimmt. 1506 und 1515 wirkte Helfta selbst bei der Reformierung der Klöster in Gerbstedt (Benediktinerinnen) und Rohrbach (Zisterzienserinnen) mit.

Am 3. Mai 1525 wurde das Kloster im Bauernkrieg zerstört und geplündert. Die Klostergemeinschaft begab sich nach Halle ins Exil. Sechs Nonnen gingen 1529 auf Veranlassung Kaiser Karls V. in Begleitung der Äbtissin Katharina von Watzdorf nach Mähren, um dort ein verlassenes Kloster neu zu besiedeln. Die Laienschwestern wurden nach Alt-Helfta zurückgeschickt. Kurz darauf folgte die Äbtissin dorthin nach und begann mit dem Wiederaufbau des seit 1342 nur noch als Wirtschaftgut genutzten alten Klosters. Anna von Watzdorf, die Nachfolgerin Katharinas, erhielt 1534 die Erlaubnis des Erzbischofs von Magdeburg innerhalb des Klosters wieder die Heilige Messe feiern zu lassen.

Nach dem Tod des Grafen Hoyer 1540 wurde in der gesamten Grafschaft Mansfeld die Reformation durchgesetzt. Graf Johann Georg erlaubte nach der Kirchenvisitation von 1542 evangelische Gottesdienste in der Klosterkirche. Die letzte urkundliche Erwähnung des Klosters datiert vom 19. Juni 1542. Nach dem Tod der letzten Äbtissin 1545/46 wurde das Kloster säkularisiert. Einzelheiten über den genauen Zeitpunkt und die Durchführung sind nicht überliefert. 1566 verkaufte der verschuldete Graf von Mansfeld das Klosteramt. Reste der Klosterbibliothek gelangten später in die Turmbibliothek der St. Andreaskirche in Eisleben.

[Bearbeiten] Nutzung als Domäne und Volkseigenes Gut

Die Klosteranlage wurde 1712 preußische Staatsdomäne und später volkseigenes Gut der DDR mit Massentierhaltung.

[Bearbeiten] Das neue Kloster

Im Juni 1992 entstand aus vier Förderkreisen der "Verband der Freunde des Klosters Helfta", der die Spendenmittel für den Ankauf des Klosters zur Verfügung stellte. Nach dem Erwerb der Anlage wurde sie dem Bistum Magdeburg übertragen. Weitere Spenden ermöglichten Einrichtung und Bau von Kirche, Konventsgebäuden und Gästehaus. Der Wiederaufbau des Klosters begann am 1. September 1998. Seit 1999 leben im Kloster wieder einige Zisterzienserinnen. Am 21. November 1999 wurden die Kirche St. Marien und das Konventsgebäude eingeweiht.

Das Kloster ist heute selbständiges Priorat des Zisterzienserordens.

[Bearbeiten] Liste der Äbtissinnen bis zur Reformation

  • 1229-1251: Cunigunde von Halberstadt
  • 1251-1292: Gertrud von Hakeborn
  • 1292-1298: Sophia von Querfurt-Mansfeld
  • 1298-1303: Vakanz
  • 1303-1310: Jutta I. von Halberstadt
  • 1310-1337: Sophia von Friedburg
  • 1337-1347: Liutgard von Mansfeld
  • 1347-1348: Luttrad von Querfurt
  • 1348-1351: Oda von Hadmersleben
  • 1351-1361: Oda von Mansfeld
  • 1361-1383: Jutta II. von Stolberg
  • 1383-1409: Mechthild I. von Querfurt
  • 1409-1459/63: Sophia von Stolberg
  • 1459/63-1465: Mechthild II. von Mansfeld
  • 1465-1468: Sophia von Mansfeld
  • 1468-1474/79: Margarete von Strundeck
  • 1474/79-1493: Zacharia
  • 1493-1534: Katharina von Watzdorf
  • 1534-1542: Anna von Watzdorf
  • 1542-1545/46: Walburga Reubers

[Bearbeiten] Klosteranlagen

Die Klosterkirche in Alt-Helfta, eine gotische, nach zisterziensischem Grundsatz weitgehend schmucklose einschiffige Saalkirche von 46 m Länge und 15 m breite, wurde Mitte des 13. Jahrhunderts errichtet. Die Grundsteinlegung nahm Bischof Volrad von Halberstadt zwischen 1255 und 1257 vor. Die ursprüngliche Ausstattung der Kirche wurde beim Überfall Albrechts von Braunschweig 1342 weitgehend vernichtet. Erhalten sind lediglich die Grabplatten der Stifter Burchard I. und Elisabeth von Mansfeld sowie der Äbtissin Oda von Hadmersleben. Sie werden heute in der St.-Andreas-Kirche in Eisleben aufbewahrt.

Noch 1989 wurde auf Veranlassung der örtlichen Verwaltung der Konversenbau des früheren Klosters gesprengt. Die geplante Zerstörung der Klosterkirchenruine wurde durch die Wende verhindert.

Vom Kloster Neu-Helfta in Eisleben sind bis auf einen Mauerrest keine Überreste erhalten. Auf dem ehemaligen Klosterglände wurde Anfang des 20. Jahrhunderts eine neue, der hl. Gertrud von Helfta geweihte Pfarrkirche für die katholische Gemeinde von Eisleben errichtet. Dabei wurden 1916 auch die Reste der Klosteranlage beseitigt.

[Bearbeiten] Literatur

  • Josef Hochenauer: Kloster Helfta. Ein Abenteuer Gottes. Die Geschichte des Wiederaufbaus 1990-2000. Lindenberg 2001
  • Cornelia Oefelein: Das Nonnenkloster St. Jacobi und seine Tochterklöster im Bistum Halberstadt. Berlin 2004

[Bearbeiten] Weblinks

[Bearbeiten] Genaue Lage

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