Johann Joachim Winckelmann

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Winckelmann-Denkmal in Stendal

Johann Joachim Winckelmann (* 9. Dezember 1717 in Stendal; † 8. Juni 1768 bei Triest) war ein deutscher Altphilologe, Antiquar, Archäologe, Kunstschriftsteller, Kunstkenner, Bibliothekar sowie Lehrer im 18. Jahrhundert. Außerdem war er der Begründer der Klassischen Archäologie sowie der modernen Kunstwissenschaft.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Leben

[Bearbeiten] Kindheit und Erziehung

Johann Joachim Winckelmann wurde am 9. Dezember 1717 in Stendal als einziges Kind des Schuhmachers Martin Winckelmann und seiner Frau Anna Maria (geborene Meyer) geboren. Seine Taufe erfolgt am 12. Dezember 1717 in der Petrikirche in Stendal. Winckelmann lebte mit seiner Familie Winckelmann in einem kleinen Fachwerkhaus in der Lehmstraße in Stedal, das die Mutter Anna Maria mit in die Ehe brachte. Obwohl er in ärmlichen Verhältnissen aufwuchs, lag den Eltern eine gute Ausbildung ihres sprachbegabten Sohnes am Herzen. Nach dem Besuch der Grundschule im Alter von fünf Jahren wurde er deshalb mit etwa neun Jahren in die städtische Lateinschule aufgenommen.

Um seine Eltern finanziell zu entlasten, trat Winckelmann in den Kurrendekreis ein, einem Chor, bei dem sich mittellose Schüler Lehrmittel und kostenfreien Unterricht erarbeiten konnten. Besondere Förderung erhielt der noch junge Winckelmann durch Esaias Wilhelm Tappert, den Rektor seiner Schule, der ihn zudem 1732 zu seinem Hilfsassistenten ernannte. Nur ein Jahr später, 1733, übernahm der 15-jährige Winckelmann die Aufsicht der Schulbibliothek, diente Tappert vorwiegend als Vorleser und nutzte den Bestand der Bibliothek obendrein zum eigenen Vorteil.

[Bearbeiten] Besuch des Gymnasiums

Zur Erweiterung seiner Kenntnisse über die griechische Sprache und Literatur ließ sich Winckelmann am 18. März 1735 im Alter von 17 Jahren auf Empfehlung seines Rektors Tappert in die Schulmatrikel des Cöllnschen Gymnasiums in Berlin einschreiben.

Unter dem dortigen Rektor Friedrich Bake, einem guten Bekannten Tapperts, standen unter anderem die Theorie der Staatsverfassung, Gelehrtenbiographien sowie Naturwissenschaften und Sachkenntnisse auf dem Lehrplan. Winckelmann hegte aber vor allem eine Vorliebe für Werke des griechischen Dichters Homer. Sein Hauptinteresse lag daher vorwiegend auf dem Griechisch-Unterricht des späteren Rektors Tobias Damm.

1736 verließ Winckelmann des Berliner Gymnasium, um nach Stendal zurückzukehren. Schon am Cöllnschen Gymnasium hinterließ er den Eindruck eines rastlosen und unsteten Menschen und hielt es auch in seiner Heimatstadt nicht lange aus. Mit dem Ziel, sein Griechisch zu perfektionieren, schrieb er sich schon am 15. November 1736 an einem Gymnasium in Salzwedel ein und übernahm dort gleichzeitig die Funktionen eines Hilfslehrers.

[Bearbeiten] Studium

Als gut ausgebildeter Schüler immatrikuliert sich Winckelmann am 4. April 1738 an der Universität in Halle (Saale) ein. Die Wahl seines Studienfaches fiel auf Theologie, da die Theologische Fakultät als einzige Fakultät vom Staat und der Kirche gefördert wurde und Studenten aus mittellosen Familien sogar die Studiengebühren erließ. Außerdem verpflichtete ein Edikt aus dem Jahre 1729 von König Friedrich Wilhelm I. alle Studenten, die in den Staatsdienst treten wollten, dazu, zwei Jahre an der damals bedeutendsten preußischen Universität in Halle zu studieren. Winckelmann zeichnete sich nicht als fleißiger Student aus, sondern besuchte meist die Bibliothek zum Lesen griechischer Literatur. Am 22. Februar 1740 verließ Winckelmann die Universität in Halle mit einem weniger hervorragenden Abschlusszeugnis, da sich seine Teilnahme vorwiegend auf die theologischen Lehrveranstaltungen beschränkte.

Nach einer kurzen Anstellung als Hauslehrer im Dienst von Oberst Georg Arnold von Grollmann in Osterburg immatrikulierte sich Winckelmann an der Universität in Jena, um sich der Geometrie, den modernen Sprachen sowie mit verdergründigem Interesse der Medizin zu widmen, in der Jena im 18. Jahrhundert führend war. Nach nur einem Jahr verließ er die Universität ohne Abschlusszeugnis.

[Bearbeiten] Tätigkeiten als Lehrer und Bibliothekar

Seine erste Anstellung nach dem Studium erhält Winckelmann im Frühjahr 1742 beim Oberamtmann des Magdeburgischen Domkapitels zu Hadmersleben H. Christian Lamprecht. Seine Aufgabe war es, dessen ältesten Sohn auf das bevorstehende Studium vorzubereiten. Im darauffolgenden Jahr ging er mit ihm an die Lateinschule in Seehausen (Altmark), wo Winckelmann die Stelle des Konrektors übernahm.

Trotz des großen Erkenntniszuwachses über griechische Literatur sowie die Kunst, Kultur und Geschichte des Altertums, den er innerhalb seiner fünfjährigen Tätigkeit in Seehausen erfuhr, erfüllte ihr seine Arbeit im streng reglementierten preußischen Schuldienst nicht. Sein Leben in provinzialischer Enge und der kleinstädtischen Intoleranz wurde für ihn schnell zur unerträglichen Qual, sodass er Seehausen am 17. August 1748 verließ, um auf Schloß Nöthnitz für sechs Jahre als Bibliothekar in den Dienst des Reichsgrafen Heinrich von Bünau zu treten. Währenddessen entdeckte und steigerte Winckelmann besonders sein Interesse für antike Kunst und Kultur.

[Bearbeiten] Kunststudien und erstes Werk

1754 beendete Winckelmann seine Arbeit auf Schloß Nöthnitz, um sich für ein Jahr den Studien der bildenden Künste in Dresden zu widmen.

In dieser Zeit macht er unter anderem Bekanntschaft mit dem Hofmaler Adam Friedrich Oeser, der Winckelmanns Auge für Kunst schulte und dadurch dazu beitrug, dass Winckelmann sein bedeutendes Werk „Gedancken über die Nachahmung der Griechischen Werke in der Mahlereiy und Bildhauer-Kunst“ (1755) schreiben konnte, in der er nicht nur die Vorbildlichkeit der antiken Kunst, sondern auch Dresdens Antikensammlung behandelt. Die Schrift wurde kurz vor seiner Reise nach Rom im Herbst 1755 gedruckt und machte ihn in ganz Europa bekannt.

[Bearbeiten] Karrierehöhepunkt - Winckelmann in Rom

Nach achtwöchiger Reise traf Winckelmann in Rom ein. Sein Aufenthalt war zunächst für zwei Jahre geplant und durch ein Stipendium des sächsischen Königs finanziell abgesichert.

Sein Aufenthalt in Rom veränderte Winckelmanns bisheriges Leben komplett. Er schloss unter anderem Freundschaften mit bedeutenden Künstlern wie dem Maler Anton Raphael Mengs und wird als angesehener Gelehrter bei Papst Benedikt XIV. empfangen.

Seinen Karrierehöhepunkt erreicht Winckelmann 1763 als er vom Vatikan zum Oberaufseher aller Altertümer in Rom und dessen Umgebung ernannt wurde. Er erhielt sogar zwie Assistenten, sodass diese Aufgabe für Winckelmann mehr Prestige als harte Arbeit bedeutete. Binnen kürzester Zeit wurde Winckelmann produktiver denn je, verfasste gemeinsam mit dem Maler Mengs mehrere Essays über den Geschmack antiker Bildhauer sowie die Restaurierung von Statuen. Außerdem unternahm er zahlreiche archäologische Forschungsreisen.

[Bearbeiten] Hauptwerk: Die Geschichte der Kunst des Altertums

1764 veröffentlichte Winckelmann sein Hauptwerk „Die Geschichte der Kunst des Altertums“, in dem er die Entwicklung der Kunst mit Hilfe der Abfolge ihrer Stilepochen am Beispiel der griechischen Kunst verdeutlichte. Dabei ist es vor allem sein Verdienst, spezielle Charaktermerkmale der einzelnen Perioden beschrieben zu haben. Mit seinem Werk gelangt ihm ein bedeutendes Instrument für die Klassische Archäologie, das es er ermöglichte, Kunstwerke anhand ihrer Merkmale in Epochen einzuordnen. Besonders intensiv und nachhaltig beschrieb Winckelmann die Laokoon-Gruppe.

Im Verlauf seines Lebens beschäftige sich Winckelmann ununterbrochen mit der Kunstgeschichte und konnte mit Hilfe der finanziellen Unterstützung des Kardinals Albani auch sein anderes großes Werk „Unveröffentlichte antike Denkmäler, erklärt und abgebildet“ drucken und verlegen. Mit diesem Werk eröffnete er der archäologischen Hermeneutik neue Wege.

[Bearbeiten] Letzte Lebensjahre und Tod

Seine schon lange geplante Reise nach Deutschland begann Winckelmann am 10. April 1768 unter der Begleitung des Bildhauers Batholomeo Cavaceppi.

Beim Durchqueren der Tiroler Alpen erkrankt Winckelmann jedoch schwer, sodass er die Reise bei stetig schlechter werdendem Zustand nur bis nach Regensburg fortsetzte bevor er endgültig nach Rom zurückkehren wollte. Nach einem letzten Besuch der Kaiserin Maria Theresia in Wien und einem anschließenden Fieberanfall reiste Winckelmann nach Triest, um von dort aus mit dem Schiff nach Rom zurück zu fahren.

Auf Grund einer Verzögerung der Abfahrt wurde Winckelmann am 8. Juni 1768 zum Opfer eines Mordes. Der Täter Francesco Arcangeli, ein vorbestrafter Koch, wurde kurze Zeit später am 20. Juli 1768 hingerichtet.

Johann Joachim Winckelmann ging als bedeutendster Kenner der antiken Kunst in Europa in die Geschichte ein.

[Bearbeiten] Weblinks

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