Johann Gottfried Schnabel

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Johann Gottfried Schnabel (* 7. November 1692 in Sandersdorf bei Bitterfeld; † zwischen April 1751 und April 1758), auch bekannt unter dem Pseudonym Gisander, war ein deutscher Schriftsteller. Er gilt als einer der bedeutendsten Autoren der Frühaufklärung.

Leben[Bearbeiten]

Schnabels Wohnhaus in Stolberg (Harz).

Das Leben Johann Gottfried Schnabels ist nur in Bruchstücken bekannt. So weiß man bis heute weder den Zeitpunkt noch den Ort seines Todes, genauso wenig ist über größere Abschnitte seines Lebens, insbesondere seine letzten Jahre bekannt. Geboren am 7. November 1692 in Sandersdorf bei Bitterfeld, war er der Sohn eines Pastors und einer Pastorentochter aus Salzfurtkapelle. Seine Eltern starben bereits zwei Jahre nach seiner Geburt, als Waise wurde er vermutlich vom Großvater Georg Schnabel,Pastor in Alt-Jeßnitz, aufgezogen. Von 1702 bis 1706 besuchte er die von August Hermann Francke gegründete Schule Latina in Halle, danach absolvierte er eine Lehre als Barbier in Querfurt. 1721 heiratet er Johanna Sophia Dietrich, 1724 siedelte er mit ihr und der Familie nach Stolberg (Harz) um. Dort war er als Hofbarbier tätig, ab 1729 als gräflicher Kammerdiener, später als für das Nachrichtenwesen am Hof verantwortlicher Hofagent. Von 1731 bis 1743 fungierte er außerdem als Herausgeber der Zeitung Stolbergische Sammlung Neuer und Merckwürdiger Welt-Geschichte. Parallel dazu veröffentlichte er sein Werk „Wunderliche Fata einiger See-Fahrer“ (1731-1743), einen vierbändigen Roman, der 1828 von Ludwig Tieck unter dem Titel „Die Insel Felsenburg“ neu herausgegeben wurde. Schnabel verließ Stolberg 1745, nach 1750 verliert sich seine Spur. Sein Todeszeitpunkt wird zwischen 1751 und 1758 vermutet.

Bedeutung[Bearbeiten]

Das evangelische Pfarrhaus in Sandersdorf, heute Sandersdorf-Brehna, gilt als das Geburtshaus Schnabels. Nachdem das Gebäude 1718 den Flammen erlag, wurde es erst 1876 neu erbaut werden. Später wurde daraus eine Sekundarschule, die den Namen GISANDER erhielt und ihm zu Ehren eine Gedenktafel anbrachte. Heute ist diese jedoch nicht mehr zu sehen, da sie durch den Umbau der Schule in ein Senioren-Service-Zentrum im Jahr 2006 aus bautechnischen Gründen entfernt werden musste.

Eine Gedenktafel an seinem Wohnhaus in Stolberg erinnert an den bedeutenden Schriftsteller.

Sein Werk „Wunderliche Fata einiger See-Fahrer“ gilt als ein Hauptwerk der Frühaufklärung in Deutschland. Dennoch sind sein Leben und Schaffen noch immer weithin unerforscht. Die literaturwissenschaftliche Forschung hat sich bisher vor allem mit der Interpretation der Insel Felsenburg beschäftigt. Schnabels weitere Romane, seine Arbeit als Chronist und Journalist wurden kaum oder nur erst im Ansatz untersucht. Jedes Jahr im November veranstaltet die Johann-Gottfried-Schnabel-Gesellschaft e. V. zur Forschung zu Leben und Werk des bedeutenden Schriftstellers des 18.Jahrhunderts eine Jahrestagung in Stolberg.

Werke[Bearbeiten]

  • Wunderliche Fata einiger Seefahrer absonderlich Alberti Julii, 1731
  • Lebens-, Helden- und Todes-Geschicht des Printzen zu Savoyen, 1736
  • Der im Irrgarten der Liebe herum taumelnde Cavalier, 1738
  • Der aus dem Monde gefallene Printz, 1750

Literatur[Bearbeiten]

  • Günter Dammann u. Dirk Sangmeister (Hg.): Das Werk Johann Gottfried Schnabels und die Romane und Diskurse des frühen 19. Jahrhunderts. Tübingen: Niemeyer, 2004 (= Hallesche Beiträge zur Europäischen Aufklärung, 25).
  • Hanns H.F. Schmidt: Johann Gottfried Schnabel in Stolberg und anderswo. 1. Aufl. Magdeburg, 2000
  • Gerd Schubert: Schnabel, Johann Gottfried. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 23, Duncker & Humblot, Berlin 2007, S. 274–276.

Weblinks[Bearbeiten]