Johann Friedrich Ladegast

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Johann Friedrich Ladegast um 1900

Johann Friedrich Ladegast (* 30. August 1818 in Hochhermsdorf (heute Hermsdorf, Sachsen); † 30. Juni 1905 in Weißenfels) war ein bekannter deutscher Orgelbauer des 19. Jahrhunderts.

Leben und Familie[Bearbeiten]

Johann Friedrich Ladegast wurde als Sohn des Zimmermanns und Röhrenmeistern Johann Gottlieb Ladegast und dessen Frau Eva Rosin (geborene Dathin) geboren. Obwohl er nicht in einer Musikerfamilie aufwuchs, prägte den jungen Friedrich Lagegast schon früh die Musikbegeisterung seiner Mutter. Regelmäßig brachte sein Vater Röhrenabfälle, mit denen sich der junge Ladegast auf spielerische Art und Weise eigene Fähigkeiten und Fertigkeiten über das Flötespielen sowie Röhrentöne beibrachte.

Schon im Kindesalter erarbeitete er sich selbst die Notenschrift, verfasste Tonfolgen und führte dadurch seine musikalische Begeisterung mit seinem handwerklichem Geschick zusammen. In Jugendalter baute er seine ersten Orgeln. Die herkömmliche Schulbildung unterforderte den hochbegabten Friedrich Ladegast. Seine Persönlichkeit war geprägt von starkem Willen, Fleiß, Idealismus sowie Perfektionismus, die den begabten Ladegast nach einer Zukunft als Orgelbauer streben ließen.

Im Alter von 14 Jahren trat er schließlich bei seinem Bruder Christlieb in die Lehre bevor er sechs Jahre später sein erstes eigenes Werk, eine einmanualige Orgel mit neun Registern für die Dorfkirche in Tanneberg, fertigstellte.

Studium, Wanderungen und Reise nach Frankreich[Bearbeiten]

Es folgte eine Zeit der Wanderung, in der er bei erfahrenen Orgelbauern in Sachsen die Künste der Intonation sowie der Bauweise von Orgeln studierte. Von Leipzig über Borna und Dessau führte Ladegasts Reise unter anderem nach Straßburg zu Aristide Cavaillé-Coll, dem bedeutsamsten Orgelbauer Frankreichs, der ihm prägnante Ideen für seinen Orgelbau vermittelte. Beide verband auch später eine berufliche Freundschaft.

Rückkehr nach Weißenfels[Bearbeiten]

1846 kehrte Ladegast im Alter von 28 Jahren nach Weißenfels zurück und gründetet seine erste eigene Werkstatt. Trotz erschwerender Umstände auf Grund einer Hungersnot 1847 sowie der Revolution 1848 erhielt er 1849 seinen ersten Auftrag in Geusa, einem Dorf nahe Merseburg. Jene erste Arbeit, bei der er eine kleinere Orgel baute, sollte zum prägenden ersten Arbeitserfolg als Orgelbauer werden, mit dessen Qualität er um zukünftige Auftraggeber warb.

1852 heiratete Ladegast Bertha Lange, die Tochter des Weißenfelser Stadtorganisten. Acht gemeinsame Kinder wurden geboren, von denen jedoch nur zwei Söhne (Friedrich Ernst und Friedrich Oscar) und eine Tochter (Elisabeth) überlebten.

Orgel in der St. John's Kirche (Estland)

Ladegast baute unter anderem die Orgel in Hohenmölsen 1851, reparierte bis 1855 die Merseburger Domorgel, baute seine erste dreimanualige Orgel für die Landesschule Pforta, die Orgel der Leipziger Nikolaikirche, die Orgel in Weißenfels und auch die der Stadtkirche in Wittenberg.

Sein wohl bedeutsamstes und größtes Werk folgte jedoch auf den am 26. Februar 1866 entstandenen Vertrag über den Bau der Orgel für den Schweriner Dom mit 84 Registern auf vier Manualen und Pedal. Mit deren Fertigstellung gelang es Johann Friedrich Ladegast durch technische Erneuerungen (Ermöglichung des Crescendo sowie des Decrescendo) endgültig die Spitze der führenden Orgelbauer der damaligen Zeit einzunehmen. 1872 vollendete er die 55registrige Orgel für den großen Konzertsaal der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien, die durch Karl August Fischer (Dresden) und Anton Bruckner eingeweiht wurde.

Ab 1888 übernahm sein Sohn Friedrich Oscar das Unternehmen unter dem Namen „Friedrich Ladegast & Sohn“, in dem Ladegast selbst noch einige Zeit mitarbeitete.

Karriereende[Bearbeiten]

Nach dem Tod seiner Frau Bertha im Jahre 1892 zog sich Friedrich Ladegast in ein Weinberghaus am Herrenberg in Weißenfels zurück. Dort verstarb er am 30. Juni 1905. Johann Friedrich Ladegast wurde 87 Jahre alt und leitete mit seinem Tod gleichzeitig das Ende der Ladegast-Zeit ein. Seine Enkel schlugen andere Berufswege ein.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts und zu Beginn des 20. Jahrhunderts löste der Trend der Röhrenpneumatik die barocken Traditionen des Orgelbaus ab.

Quellen[Bearbeiten]