Hedersleben

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Hedersleben ist ein Dorf in der Verbandsgemeinde Vorharz im Landkreis Harz.

Der Ort gehörte ursprünglich dem Schwabengau an.

Geschichte[Bearbeiten]

Hedersleben ist wahrscheinlich eine Gründung der Völkerwanderungszeit durch aus Jütland kommende Warnen, welche damals den Vorharzraum besiedelten. Viele ihrer Ortschaften enden auf -leben (Erbe, Hinterlassenschaft). Der Ortsname könnte demzufolge Hinterlassenschaft des Streitbaren bedeuten. Die Warnen gaben sehr wahrscheinlich auch dem östlich der Saale gelegenen Werinofeld (später Teil des Osterlandes) ihren Namen.

In der 2. Hälfte des 5. Jahrhunderts schlossen sich die Warnen mit den Angeln, Hermunduren und den Resten anderer Stämme (Turonen, Quaden, Markomannen, Langobarden und Semnonen) zum Großstamm der Thüringer zusammen. Hieran erinnert noch das Lex Angliorum et Werinorum hoc est Thuringorum (thüringische Stammesrecht).

Um 500 gehörte Hedersleben zum bereits christlichen Königreich Thüringen, welches 529–534 durch den Angriff der Franken im Verbund mit den damals noch heidnischen Sachsen nach dem Meuchelmord am thüringischen König Herminafried[1] im fränkischen Verhandlungsort Zülpich zusammenbrach.

Die sächsische Expansion konnte an der Bode durch die gezielte Ansiedlung von Nordsueben sowie durch einen Sieg der Sueben über die Sachsen im Jahre 569 zunächst gestoppt werden. Hedersleben kam so in den Bereich des Schwabengaues.

Am 10. Mai 978 wurde eine villa Hadisleba im pago Sueua (Schwabengau) in einer Urkunde Kaiser Ottos II. erwähnt.[2] Auch wenn in Hedersleben 2003 diesbezüglich eine 1025-Jahr-Feier stattfand[3], so ist der Bezug auf den Ort doch eher fraglich. Die zuständige Verbandsgemeinde Vorharz äußert sich sehr zurückhaltend[4], während sie von einem Bezug der Urkunde auf Adersleben ausgeht.[5] Ein Wegfall des h vor dem Namen ist des Öfteren belegt, während ein Wechsel von a zu e atypisch wäre. Des Weiteren weist auch die 1050 belegte Form Hadeslib für Adersleben ebenfalls auf diesen Ort hin.[6][7]

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Der Rest des Königshauses endete auf der Flucht oder in der Deportation (z. B. die heilige Radegundis, eigtl. Radegunde)
  2. RI II,2 n. 768: Otto II. - 978 Mai 10, Grone - Otto bestätigt den Tausch namentlich angeführter Güter und Höriger zwischen dem Erzbischof Adalbert von Magdeburg und seinem Mundschenken Livo auf Vorsprache der beiden Genannten (Dederat.. archipresul Adalbertus quicquid predii habuit in villis Hadisleba et Rodisdorp et Uuiderstedi in pago Sueua in comitatu Thietmari comitis sitis cum omnibus eo loci pertinentibus per concambium, ut prescriptum est, manu sui advocati Friderici nostro pincernę Liuvoni; insuper ergo, quia Liuvonis predium multo maius erat, pro condigna completionis restitutione eius predii totam decimationem de villa Pennendorp et, ne quid adversi neutra ex parte postmodum eveniret, X mancipia quorum nomina sunt: Heigo, Eiltag, Allo, Adalmar, Emma, Liuduuig, Bezca, Abuche, Bucche et Iniv addiderat. Econtra Liuva villam Biendorp ultra fluvium Sala sitam in pago Zirmute in comitatu iam dicti Thietmari comitis cum omni integritate tradidit... In: Regesta Imperii Online, URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0978-05-10_1_0_2_2_0_334_768 (Abgerufen am 02.11.2017).
  3. Die Geschichte unserer Gemeinde liegt im Dunkel. Zwar haben wir das 750-jährige Jubiläum gefeiert, aber die ersten Christen haben hier schon weitaus früher ihren Glauben bezeugt. 2003 feierte die Dorfgemeinde 1025 Jahre seit der Ersterwähnung Hederslebens in einer Urkunde Kaiser Ottos II. aus dem Jahre 978. Das Zisterzienserinnenkloster St. Gertrud wurde 1253 von Albert und Ludwig von Hakeborn an der bestehenden St. Marienkirche gegründet und 1262 mit Nonnen aus dem Kloster Helfta besezt. (Geschichte von St. Gertrud)
  4. Etwa um 200 durch die Warnen gegründet, soll Hedersleben 978 erstmals urkundlich erwähnt worden sein. (Hedersleben auf der Webseite der Verbandsgemeinde Vorharz)
  5. 978 Adersleben wird in einer Urkunde Kaiser Ottos 11. erwähnt als "villa Hadesleva". (Geschichte des Zisterzienserinnen‑Klosters Adersleben auf der Webseite der Verbandsgemeinde Vorharz)
  6. Am 24. November 1050 schenkte Heinrich III. ihm vererbte Besitzungen in Adersleben (Hadeslib) dem Stift St. Simon und Juda zu Goslar. vgl. [RIplus] Regg. Heinrich III. n. 256: In: Regesta Imperii Online, URI: http://www.regesta-imperii.de/id/d6cced10-b5d7-4321-ad6d-7beea46f6ebb (Abgerufen am 02.11.2017).
  7. MGH DH III. n. 256