Hallescher FC

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Das Logo des Halleschen FC
Der Hallesche FC ist ein Fußballverein aus Sachsen-Anhalt. Bis 1991 hieß der Verein Hallescher FC Chemie. Er wurde am 26. Januar 1966 durch Ausgliederung der Fußballsektion aus dem SC Chemie Halle gegründet. Die Farben des ca. 730 Mitglieder zählenden Vereins sind Rot und Weiß.

Der Hallesche FC Chemie spielte von 1965 – mit einer Saison Unterbrechung – bis 1984 sowie zwischen 1987 und 1991 in der DDR-Oberliga, der höchsten Spielklasse im DDR-Fußball. Der größte Erfolg der Hallenser war der dritte Platz in der Saison 1970/71 und die damit verbundene Qualifikation für den UEFA-Pokal. In der letzten Spielzeit der nunmehr NOFV-Oberliga erreichte man den vierten Tabellenplatz und zog damit erneut in den UEFA-Pokal ein. Nach der deutschen Wiedervereinigung konnte der Hallesche FC nicht mehr an die alten Erfolge anknüpfen. Nach der Saison 1991/92, in der der Verein in die 2. Bundesliga eingegliedert wurde, spielte man nur noch unterklassig.

Geschichte[Bearbeiten]

Entstehung[Bearbeiten]

Die historischen Wurzeln des Halleschen FC reichen zurück bis in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Sportwettkämpfe wurden von der sowjetischen Besatzungsmacht nur in engen territorialen Grenzen gestattet. Es entstanden locker organisierte Sportgruppen, in Halle 1946 z. B. die SG Halle-Glaucha. Sie nannte sich 1948 in SG Freiimfelde Halle um. Diese schloss sich 1949 mit anderen Sportgruppen zur ZSG Union Halle zusammen.

Zu dieser Zeit war in der sowjetischen Besatzungszone der Sportbetrieb bereits neu organisiert worden, die Sportgruppen wurden von so genannten Trägerbetrieben übernommen und in Betriebssportgemeinschaften (BSG) umgewandelt. Dies geschah für die ZSG Union erst später, am 15. Juli 1950 übernahm das Energiekombinat West die ZSG in die neue BSG Turbine Halle.

Nach einer Strukturreform der DDR-Sportführung sollten 1954 neue Sportklubs als regionale Schwerpunktzentren etabliert werden. Eine der wesentlichsten Stützen der neuen Sportklubs waren die Fußballsektionen der örtlichen Betriebssportgemeinschaften. So sollte auch mit dem SC Chemie Halle-Leuna verfahren werden, die Fußballsektion der BSG Turbine Halle sollte in den SC eingegliedert werden. Dagegen gab es seitens der Spieler erhebliche Widerstände, erst im Oktober 1954 fanden sich die Fußballspieler zum Übertritt bereit, die Fußballsektion von Turbine Halle blieb jedoch erhalten.

Parallel zum SC Chemie war in Halle auch noch der SC Wissenschaft Halle gegründet worden. 1958 wurden beide Sportklubs zum SC Chemie Halle zusammengelegt. 1965 ging eine neue Welle der Umstrukturierung durch den DDR-Sport, die leistungsstärksten Fußballsektionen wurden aus ihren Sportklubs herausgelöst und als Fußballklubs neu gegründet. Auf diese Weise wurde am 26. Januar 1966 der Hallesche FC Chemie gegründet. Im gleichen Zeitraum wurden auch die meisten anderen Oberliga-Konkurrenten, wie der 1. FC Magdeburg, der F.C. Hansa Rostock, Union Berlin, Rot-Weiß-Erfurt oder Lokomotive Leipzig gegründet. Als nach der deutschen Wiedervereinigung und den damit verbunden wirtschaftlichen Veränderungen die finanzielle und logistische Unterstützung der regionalen Chemieindustrie eingestellt wurde, nannte sich der Klub 1991 in Hallescher FC um.

Sportliche Entwicklung[Bearbeiten]

Vor dem Zweiten Weltkrieg[Bearbeiten]

Vor dem Zweiten Weltkrieg war der FC Wacker 1900 Halle zeitweilig einer der stärksten deutschen Fußballklubs in Mitteldeutschland. In der Saison 1920/21 wurden die Hallenser Mitteldeutscher Meister. In der darauffolgenden Endrunde um die Deutsche Meisterschaft erreichte der Klub das Halbfinale, unterlag dort allerdings deutlich dem späteren deutschen Meister, dem 1. FC Nürnberg. 1924 kam Wacker Halle bei der Mitteldeutschen Meisterschaft in das Finale und unterlag dort der SpVgg 1899 Leipzig. 1928 konnte im Finale um die Mitteldeutsche Meisterschaft der Dresdner SC, die künftig dominierende Mannschaft in Mitteldeutschland, besiegt werden. Im Achtelfinale der Deutschen Fußballmeisterschaft war dann aber der FC Bayern München Endstation. 1934 gelang mit der Gaumeisterschaft in der neu geschaffenen Gauliga Mitte noch einmal ein großer Erfolg. Mannschaften wie der 1. FC Nürnberg, Borussia Fulda oder der Dresdner SC waren dann aber in den Spielen um die Deutsche Meisterschaft zu stark.[1]

1946 bis 1954[Bearbeiten]

Nach dem Zweiten Weltkrieg entstand die SG Freiimfelde Halle. 1948 erreichte sie das Endspiel um die 1. Ostzonenmeisterschaft, unterlag jedoch der SG Planitz mit 0:1. Ein Jahr später machte es die Nachfolgermannschaft ZSG Union Halle besser. Fortuna Erfurt wurde im Finale mit 4:1 bezwungen. Damit qualifizierte sich Halle für die neue höchste Fußballklasse Ostdeutschlands, die Oberliga. In der ersten Oberligasaison 1949/50 belegte die ZSG Union Rang 5. Die folgende Saison beendete die im Sommer 1950 gegründete BSG Turbine Halle auf dem 6. Platz. In der Spielzeit 1951/52 wurde Halle DDR-Meister – mit vier Punkten Vorsprung auf die SG VP Dresden. In der darauf folgenden Saison stürzte Turbine auf den 13. Rang ab und anschließend fiel die Mannschaft völlig auseinander, da zahlreiche Spieler infolge der politischen Unruhen im Zusammenhang mit dem Volksaufstand von 1953 in die Bundesrepublik geflüchtet waren.

1955 bis 1991[Bearbeiten]

1954 wurde der Großteil der Oberligamannschaft der BSG Turbine Halle an den SC Chemie Halle-Leuna angeschlossen. In der gleichen Saison stieg Halle in die DDR-Liga ab. Als Zweitligist konnten die Hallenser allerdings den nächsten großen Erfolg feiern. 1956 gewann Halle den DDR-Fußballpokal (FDGB-Pokal) durch ein 2:1 im Finale gegen ZSK Vorwärts KVP Berlin. 1957 kehrte Halle in die Oberliga zurück, stieg aber zwei Jahre später, nun als SC Chemie Halle, erneut ab. Nach dem sofortigen Wiederaufstieg konnte sich der Klub immerhin vier Jahre halten. 1962 konnte die Mannschaft zum zweiten Mal den FDGB-Pokal gewinnen. Im Finale besiegte Halle den SC Dynamo Berlin mit 3:1. 1964/65 musste Chemie jedoch erneut für ein Jahr in die Zweitklassigkeit.

Dem sofortigen Wiederaufstieg folgte dann die erfolgreichste Phase in der Oberliga, deren größter Erfolg der dritte Platz 1970/71 und die damit verbundene Qualifikation für den UEFA-Pokal war. Nach dem tragischen Aus (siehe unten) im UEFA-Pokal ging es auch in der Liga wieder abwärts. 1973 stand der erneute Abstieg fest, dem jedoch der sofortige Wiederaufstieg folgte. Diesem schlossen sich zehn durchgehende Oberligajahre an, die man zumeist auf einem Platz im Mittelfeld abschloss.

1984 ging es erneut hinab in die DDR-Liga, in der man zweimal hintereinander als Zweiter den Aufstieg knapp verpasste, ehe 1987 die Rückkehr in die Oberliga gelang. Durch die beste Platzierung seit dem dritten Platz 1971, dem vierten Platz in der Spielzeit 1990/91, gelang den Hallensern die Qualifikation für die gesamtdeutsche 2. Bundesliga.

Europapokalteilnahmen[Bearbeiten]

Chemie Halle spielte erstmals 1962 im Europapokal mit, scheiterte jedoch in der Qualifikation zum Europapokal der Pokalsieger am OFK Belgrad (2:0/3:3). Die nächste Europapokalqualifikation gelang 1971. Doch das Erstrundenrückspiel im UEFA-Pokal wurde nie gespielt. Nach einem 0:0 im Hinspiel gegen den PSV Eindhoven wurden die Hallenser am Vorabend des Rückspiels in einen Hotel-Großbrand verwickelt. Unter tapferstem Einsatz gelang es vor allem den dabei verletzten Spielern Klaus Urbanczyk und Erhard Mosert, einigen anderen Hotelgästen das Leben zu retten. Da jedoch Nachwuchsspieler Wolfgang Hoffmann bei dieser Tragödie ums Leben kam, zog sich der HFC Chemie aus dem UEFA-Pokal zurück. Die einzige weitere Europapokalqualifikation gelang 1991 mit Platz vier in der Oberliga Nordost. Als gesamtdeutscher Zweitligist schied Halle gegen Torpedo Moskau in der ersten UEFA-Pokalrunde aus.

1991 bis 2000[Bearbeiten]

1991 wurde der Club in Hallescher FC umbenannt. Doch nach wie vor sprechen viele Anhänger schlicht von "Chemie". In der Saison 1991/92 trat die Mannschaft in der 2. Bundesliga an. Den Verlust von Spielmacher Dariusz Wosz konnte der HFC aber nicht kompensieren und stieg ab. Es folgte ein tiefer Fall bis in die fünftklassige Verbandsliga. Dort befand sich der Verein sportlich und finanziell auf dem Tiefpunkt. Der VfL Halle 96 übernahm zwischenzeitlich die sportliche Vormachtstellung in der Stadt. Im Jahr 2000 gelang die Rückkehr des Halleschen FC in die Oberliga (4. Spielklasse).

2000 bis Heute[Bearbeiten]

Die Jahre nach dem Aufstieg waren gekennzeichnet von wirtschaftlicher Konsolidisierung und sportlicher Stagnation. Seit 2003 versuchte der Verein jährlich in die Regionalliga aufzusteigen und scheiterte stets. Fünf Trainer wurden in dieser Zeit verschlissen.
HFC-Trainer Sven Köhler

Erst seit der Verpflichtung von Sven Köhler im Jahr 2007 besteht Kontinuität auf der Trainerbank und der Verein konnte wieder sportliche Erfolge feiern. In der ersten Saison unter Köhler wurden die Rot-Weißen Oberligameister und qualifizierten sich für die neue Regionalliga. Im Jahr darauf wäre fast der Durchmarsch bis in die 3. Liga gelungen. Der Aufstiegskampf mit Holstein Kiel wurde erst am letzten Spieltag zu Ungunsten der Hallenser entschieden. Es ist das erklärte Ziel des Vereins, schnellstmöglich den Aufstieg in die 3. Liga zu schaffen.

Auch den Fußball-Pokal des Landes Sachsen-Anhalt beherrschte der Hallesche FC seit Amtsübernahme von Sven Köhler. In den vier Jahren seit seiner Verpflichtung wurde jedes Jahr das Finale erreicht. Dreimal ging der Hallesche FC als Sieger vom Platz. Nur einmal verlor man gegen den 1. FC Magdeburg.

Nach jahrzehntelanger Vorherrschaft des 1. FC Magdeburg hat sich der Hallesche FC in den vergangenen Jahren als fußballerische Nummer 1 des Landes etabliert.

Am 19. Mai 2012 macht der Hallesche FC den Aufstieg in die dritte Liga perfekt. Der größte Erfolg seit knapp 20 Jahren. Die neuerbaute Arena "Erdgas Sportpark" war gegen RB Leipzig erstmals ausverkauft.

In der Saison 2013/14 belegte der HFC den neunten Platz.

Spielstätten[Bearbeiten]

Seine Heimspiele trug der Hallesche FC bis Sommer 2010 im Kurt-Wabbel-Stadion aus. Da die Spielstätte aufgrund des Neubaus einer reinen Fußballarena abgerissen wurde, musste der Verein vorübergehend in das Stadion im Bildungszentrum im Hallenser Stadtteil Neustadt ausweichen. Das neue Stadion, das den Namen Erdgas Sportpark trägt und 15.000 Plätze fasst, wurde im September 2011 fertiggestellt und dient dem Halleschen FC seit der Saison Fußball-Regionalliga 2011/12 als Heimstätte.[2]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Siehe: Geschichte Hallescher FC
  2. halleforum.de: Richtfest beim Erdgas Sportpark in Halle (Saale)

Weblinks[Bearbeiten]