Halberstadt

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Halberstadt

Landkreis Harz
Fläche 142,97 km²
Einwohner 42.794 (31. Dez. 2009)
PLZ 38820, 38822, 38895
Vorwahl 03941, 039424, 039425, 039427
Kfz-Kennzeichen HZ (alternativ: HBS)
Bürgermeister/in Andreas Henke (Die Linke)
Webseite www.halberstadt.de
Ansicht von Halberstadt mit Martinikirche und Dom, um 1900

Halberstadt ist die Kreisstadt des Landkreises Harz und mit rund 43.000 Einwohnern die größte Stadt des Kreises.

Geografie[Bearbeiten]

geografische Lage Halberstadts

Halberstadt liegt im Harzvorland etwa 20 Kilometer nördlich des Harzrandes an der Holtemme. Im Norden schließt sich unweit der Stadt der Höhenzug Huy an, im Osten die Magdeburger Börde.

Benachbarte Städte und Gemeinden sind die Gemeinde Huy, die Städte Schwanebeck, Wegeleben, Thale und Blankenburg (Harz), die Gemeinde Nordharz sowie die Stadt Osterwieck.

Ortsteile[Bearbeiten]

Halberstadt besteht aus der Kernstadt und folgenden Ortsteilen mit eigenem Ortschaftsrat:

Weitere Ortsteile sind:

  • Neu Runstedt
  • Veltensmühle

Geschichte[Bearbeiten]

Halberstadt im Mittelalter[Bearbeiten]

Fachwerkidylle in der Altstadt

Halberstadt verdankt seine Entstehung einem karolingischen Missionsstützpunkt, der 804 durch Karl den Großen zum Bischofssitz erhoben wurde. 859 wurde der erste (karolingische) Dom auf dem Gelände der Domburg geweiht.

989 erhielt Halberstadt durch König Otto III. das Markt-, Münz- und Zollrecht. Die Übertragung dieser wichtigen Königsrechte befördert die weitere Ansiedlung von Handwerkern und Kaufleuten im Schutz der Bischofsburg. Stadt und Bistum erfuhren einen wesentlichen Aufschwung. So konnte 992 der zweite (ottonische) Dom geweiht werden. Bischof Arnulf, der sein Pontifikat 996 antrat, führte umfangreiche Erweiterungen an der Domburg aus, die 1018 abgeschlossen wurden. Der Domplatz erreichte damals seine heutige Ausdehnung. Noch in der Amtszeit Arnulfs begann der Bau der Liebfrauenkirche (1005).

In der Amtszeit des Bischofs Burchard I. wurden 1036 24 Kurien (Wohnbauten für die Domherren) und der bischöfliche Palast Petershof errichtet, der in den Fundamenten des nördlichen Flügels noch erhalten ist.

Anlässlich des Osterfestes hielt sich der junge König Heinrich IV. 1060 als Gast Burchards II. mit Gefolge in der Domburg auf. Mit der zunehmenden Territorialisierung von Herrschaft im Hochmittelalter übernahmen die Bischöfe neben der geistlichen Hoheit auch landesherrliche Funktionen. Aus ihrem weltlichen Herrschaftsbereich bildete sich das Hochstift Halberstadt heraus.

1134 fand in der Halberstädter Domburg eine Reichsversammlung statt, bei der Kaiser Lothar III. den Askanier Albrecht den Bären mit der Nordmark (Altmark) belehnte.

1179 wurden Stadt, Dom und Domburg durch ein Heer Heinrichs des Löwen zerstört. In den Jahren 1220 bis 1236 wurde zum Schutz der Stadt eine Stadtmauer mit vorlagertem Wall und Graben angelegt. Um 1236/39 begann der Bau des dritten (gotischen) Domes, der erst 1491 durch den Administrator Ernst II. geweiht wurde.

Im Oktober 1261 versprachen Rat und Bürgerschaft den Juden der Stadt ihren Schutz. Wohl im ersten Drittel des 14. Jahrhundert wurde Halberstadt Mitglied der Hanse. Ein Städtebündnis mit Magdeburg, Quedlinburg und Aschersleben festigte seine Macht. Halberstadt hatte faktischen Status einer freien Reichsstadt. 1363 erwarb die Stadt die Klusberge vom Stift Quedlinburg.

Ernst II., Erzbischof von Magdeburg und Administrator des Bistums Halberstadt, unterwarf die Stadt 1486 und beendete die bis dahin weitgehend unabhängige Stadtherrschaft. In der Amtszeit Bischof Sigismunds wurde 1556 die bischöfliche Residenz im Renaissancestil neu errichtet. Aus dieser Epoche ist der Treppenturm nahezu im Original erhalten.

Zeit der Reformation[Bearbeiten]

Mit evangelischen Predigten der Mönche Johannes Wissel und Heinrich Gefferdes in der Martinikirche begann 1521 die Reformation in Halberstadt. 1523 wurden sie im Auftrag des Erzbischofs Albrecht von Magdeburg aus der Stadt vertrieben. Gegen die Zahlung von 200.000 Gulden erkaufte sich die Stadt 1540 von ihm die Religionsfreiheit.

Bischof Heinrich Julius (1566-1613), erster Protestant auf dem Halberstädter Bischofsstuhl, führte 1591 am Dom die protestantische Lehre ein. Er ließ ein Jahr später den repräsentativen Renaissancebau der Dompropstei errichten. 1604 wurde auch das Liebfrauenstift protestantisch.

Während der zweiten Besetzung Halberstadts durch Wallensteins Truppen im Dreißigjährigen Krieg vollzog der kaiserliche Oberfeldherr 1629 das Restitutionsedikt. Dom und Liebfrauenstift wurden vorübergehend wieder katholisch. Die in das Bistum einrückenden Schweden hoben das Restitutionsedikt 1632 wieder auf. Im Westfälischen Frieden die Stadt an Brandenburg. Sie blieb Regierungssitz des Fürstentums Halberstadt, das die Nachfolge des früheren Hochstifts antrat.

Am 13. April 1720 wurde die seit 1425 geltende Ratsverfassung außer Kraft gesetzt. Der Rat wurde durch einen vom preußischen König ernannten achtköpfigen Magistrat ersetzt. Seit 1723 war Halberstadt Garnisonstadt und Standort eines Infanterie-Regiments.

Mit Johann Adolarius Papenius (1696/97-1776) gilt Halberstadt als Wiege des barocken Orgelbaus im heutigen nördlichen Sachsen-Anhalt und in der Kirchenprovinz Sachsen. Es galt noch im 19. Jahrhundert als Zentrum des Orgelbauzs in der Magdeburger Börde; bis in die ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts waren mehrere namhafte Orgelbauwerkstätten in der Stadt beheimatet.

Halberstadt im 19. Jahrhundert[Bearbeiten]

Notgeld der Stadt Halberstadt, 1920
Halberstadt, Rathausfreitreppe um 1928 (Bleistiftzeichnung)

Mit dem Frieden von Tilsit wurde Halberstadt 1807 Teil des Königreichs Westphalen. Es war Sitz einer Präfektur und Hauptstadt des Departements der Saale. nach der französischen Niederlage bei Leipzig (1813) kehrten Stadt und Fürstentum unter preußische Hoheit zurück. Es bildete zunächst wie Magdeburg einen eigenen Stadtkreis, der aber 1825 mit einigen Gemeinden des aufgelösten Kreises Osterwieck und neun Ortschaften des Kreises Oschersleben zum Landkreis Halberstadt vereinigt wurde. Am 1. Oktober 1891 schied Halberstadt erneut aus dem Landkreis aus und bildete wieder einen eigenen Stadtkreis. Der Landkreis blieb bestehen.

Seit der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts setzte die industrielle Entwicklung ein. 1835 gründete Theodor Weiß vor dem Wassertor die erste Zuckerfabrik, 1836 entstand auf der Kühlinger Trift eine chemische Fabrik zur Herstellung von Farben. 1837 nahm der Unternehmer Klamroth in der ehemaligen Franzosenkirche eine chemische Fabrik in Betrieb. Die Einwohnerzahl stieg bis 1841 auf rund 18.000.

Bereits 1833 war die Halberstädter Sparkasse gegründet worden. Mit der Eröffnung der Magdeburg-Halberstädter Eisenbahn erhielt Halberstadt 1843 Anschluss an das Eisenbahnnetz.

1883 gründete Friedrich Heine die Halberstädter Wurstfabrik. Am 1. Mai 1903 nahm die elektrische Straßenbahn ihren Betrieb auf.

DDR-Zeit[Bearbeiten]

Durch den Bombenangriff vom 8. April 1945, bei dem ein großer Teil der historischen Innenstadt zerstört wurde, verändert sich auch das Gesicht des Domplatzes. Dom und Liebfrauenkirche sowie eine Reihe von Kurien erhielten schwere und schwerste Treffer. Auch das Stadttheater fiel dem Bombenangriff zum Opfer. Das Gleimhaus und das teilweise von Bomben zerstörte städtische Museum öffneten 1946 den Besuchern wieder ihre Pforten.

1951 begann der "staatliche Wohnungsbau" in der Schmiedestraße. Zu den ersten öffentlichen Gebäuden, die wieder errichtet und eröffnet wurden, zählten bis 1958 das Kino, das Halberstädter Hallenbad, die Wasserwerke, das HO Warenhaus sowie das Rolandkaufhaus.

Im Zuge der Kreisgebietsreform von 1952 wurde Halberstadt Kreisstadt des Kreises Halberstadt und mit diesem dem Bezirk Magdeburg zugeteilt. Demonstrationen gegen die DDR-Regierung wurden im Juni 1953 durch die sowjetischen Besatzungstruppen unterdrückt.

Teil des "Nationalen Aufbauwerkes" in Halberstadt war der Aufbau des "Haus des Friedens", einer modernen Unterhaltungsgaststätte. 1956 begann der Wiederaufbau der Martinitürme und der historischen Dompropstei, 1960 des Breiten Weges, der einstigen Hauptverkehrsstraße der Stadt, der 1976 im Zuge eines Architekturwettbewerbs zur Fußgängerzoge umgestaltet wurde.

1987 wurde mit der "Neugestaltung" der Unterstadt begonnen. Die historische Bausubstanz verfiel einem rigorosen Flächenabriss. Die Neubebauung erfolgte in Plattenbauweise.

1989 schloss Halberstadt einen Partnerschaftsvertrag mit der Stadt Wolfsburg. Anlässlich der Verleihung des Markt-, Münz- und Zollrechtes fanden im Rahmen der 1000-Jahrfeier auf dem Domplatz zahlreiche Veranstaltungen statt.

Nach Wende und Wiedervereinigung[Bearbeiten]

Von der Martinikirche gingen die ersten Demonstrationen gegen das DDR-Regime in Halberstadt aus. 1990 wurde Halberstadt Modell für Stadterneuerung. Als erstes spektakuläres Projekt der Stadtsanierung wurde die Restaurierung der 1986 zusammengestürzten Peterstreppe in Angriff genommen. 1992 wurde das Mahnmal "Steine der Erinnerung" zum Gedenken an die 1942 deportierten Halberstädter Juden eingeweiht. 1994 erhielt die Goldplakette im bundesdeutschen Wettbewerb "Erhaltung des historischen Stadtzentrums in den neuen Ländern und Berlin: Standortkultur und Städtebaulicher Denkmalschutz".

1996 begann die neue Zentrumsbebauung. Im Oktober 1998 erfolgte die feierliche Einweihung des an historischer Stelle neu erbauten Rathauses, dessen Baukörper dem des alten Baus in der äußeren Form weitgehend angenähert ist. Die Ruine des historischen Rathauses, die nach Aussagen von Fachleuten wiederaufbaufähig war, war auf Grund einer politischen Entscheidung zu Beginn der fünfziger Jahre abgebrochen worden. 2000 beschloss der Stadtrat den Anbau der historischen Ratslaube an das Rathaus (eingeweiht 2004). Die Kosten wurden je zur Hälfte durch private Spenden und den Stadthaushalt aufgebracht. Im gleichen Jahr wurde die Stadtbibliothek "Heinrich Heine" im neugestalteten Nordflügel des Petershofes eröffnet.

2001 folgten die Übergabe des neu gestalteten Bahnhofsvorplatzes und die Eröffnung des Berend-Lehmann-Museums in der Judenstraße 25/26, das der Moses-Mendelsohn-Akademie unterstellt ist. Das Museum zeigt die Entwicklung der Juden in Preußen sowie die Geschichte der Halberstädter jüdischen Gemeinde von ihren Anfängen bis zu ihrer gewaltsamen Auslöschung durch die Rassenpolitik des nationalsozialistischen Regimes.

Der 89. Geburtstag des amerikanischen Musikers John Cage markiert den Beginn der Aufführung seines Organ2/ASLSP (as slow, as possible). 639 Jahre soll das Stück von Cage "so langsam wie möglich" aufgeführt werden. Ort ist das Kloster St. Jacobi, eine der ältesten Kirchen der Stadt. Im Jahre 2639 ist das Finale der Aufführung.

2003 wurde der Grundstein für den Bau der Hochschule Harz gelegt.

Politik[Bearbeiten]

Oberbürgermeister[Bearbeiten]

Oberbürgermeister von Halberstadt ist Andreas Henke (Die Linke), der am 1. September 2013 bereits im ersten Wahlgang mit 53,65 % der Stimmen gewählt wurde. Auf den CDU-Kandidaten Daniel Szarata entfielen bei dieser Wahl 34 % der Stimmen. Lediglich 8,94 % wählten Peter Köpke (SPD). Der parteilose Volkmar Hofmann erreichte einen Stimmanteil von 3,41 %. Die Wahlbeteiligung lag bei 39,8 %. Bei der vorangegangenen Wahl 2006 musste sich Henke noch einer Stichwahl gegen den SPD-Kandidaten Hans-Georg Busch stellen, gewann diese aber klar mit 72,5 % der abgegebenen Stimmen. Damals entfielen im ersten Wahlgang auf Henke 34,25 %, auf Busch 33,6 %, auf Hans-Joachim Purfürst (CDU) 28,65 % und auf den parteilosen Detlef Schulz 3,49 % der Wählerstimmen. An beiden Wahlgängen beteiligte sich nur gut ein Drittel der Wahlberechtigten.

Stadtrat[Bearbeiten]

Der Stadtrat von Halberstadt hat 40 Sitze. Im Ergebnis der Kommunalwahl, die am 7. Juni 2009 mit einer Wahlbeteiligung von 33,6 % setzt er sich wie folgt zusammen:
(in Klammern Ergebnisse vom 13. Juni 2004, Wahlbeteiligung: 34,2 %)

  • CDU - 30,4 %, 12 Sitze (35,1 %, 14 Sitze)
  • Die Linke - 25,7 %, 10 Sitze (22,8 %, 9 Sitze)
  • SPD - 11,9 %, 5 Sitze (14,9 %, 6 Sitze)
  • Bündnis 90/Die Grünen - 2,6 %, 1 Sitz (2,6 %, 1 Sitz)
  • FDP - 3,2 %, 1 Sitz (2,3 %, 1 Sitz)
  • ÖDP - 5,7 %, 2 Sitze (2,2 %, 1 Sitz)
  • NPD - 1,5 %, 1 Sitz (1,1 %, 1 Sitz)
  • Wählergruppen (FORUM Halberstadt, BUKO e. V.) - 18,5 %, 8 Sitze (18,8 %, 7 Sitze)

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

  • Wolfsburg in Niedersachsen
  • Nachod in Tschechien
  • Banská Bystrica in der Slowakei
  • Villars in Frankreich

Verkehr[Bearbeiten]

Halberstadt ist ein wichtiger Bahnknotenpunkt mit Verbindungen nach Magdeburg, Halle (Saale), Vienenburg, Hannover, Blankenburg (Harz) und Thale (über Quedlinburg). Betreiber sind die Deutsche Bahn und die Veolia Verkehr Sachsen-Anhalt mit dem HarzElbeExpress. Der Halberstädter Hauptbahnhof wurde nach Ankauf durch die Stadt saniert und 2011 zum "Bahnhof des Jahres" gewählt.

Den Öffentlichen Personennahverkehr besorgen die Halberstädter Bus-Betrieb GmbH und die Halberstädter Verkehrs-GmbH. Seit 1903 verfügt Halberstadt über ein Straßenbahnnetz, das trotz größerer Sanierungsarbeiten und Neuanschaffung von Niederflurstraßenbahnen wegen der katastrophalen Finanzlage der Stadt akut stillegungsgefährdet ist. Die Stadtverwaltung strebt die Aufgabe des Straßenbahnverkehrs bis 2020 an.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Domplatz[Bearbeiten]

Sein äußeres Erscheinungsbild hebt sich aus der gesamten Stadtansicht hervor. Dominiert wird der Platz von bedeutenden Bauwerken, wie den Kurien der Domherren, dem Dom, der Liebfrauenkirche und umgebenden Renaissance- und Barockbauten. Der steile Abfall nach Nordwesten zeigt heute noch den Charakter einer Burganlage. Die Domburg wurde im Laufe der Jahrhunderte mehrmals erweitert. Sie war das geistliche Zentrum Halberstadts und des gesamten Bistums. Erstmals 1133 wird eine separate Mauer um die Burg erwähnt. Die verschiedenen Zugänge der Domburg lassen sich wie folgt zusammenfassen:

  • Norden: Peterstreppe (1278)
  • Tränketor (1339)
  • Süden: Düsteres Tor
  • Westen: Drachenloch
  • Osten: Burgtreppe (1377) heute nicht mehr erhalten
  • Südosten: Domgang (878)

Dom St. Stephanus und St. Sixtus[Bearbeiten]

Weithin sichtbar prägen Kirchtürme die Silhouette Halberstadt, des alten Zentrums im nördlichen Harzvorland. Um das Jahr 804 gründete Kaiser Karl der Große hier das älteste Bistum im mittel- und norddeutschen Raum. Seit mehr als 1200 Jahren ist der Dom St. Stephanus und St. Sixtus der geistliche Mittelpunkt der Stadt und der gesamten Region. Faszinierende Kunstwerke zeugen von seiner bewegten Geschichte.

Der evangelische Dom zu Halberstadt ist einer der wenigen großen Kirchenbauten des französischen Kathedralschemas in Deutschland. Er wurde dem Heiligen Stephanus geweiht und liegt eingebettet in ein Ensemble von romanischen, barocken, neogotischen und modernen Bauten am Rande der Altstadt der im nördlichen Harzvorland gelegenen, im Zweiten Weltkrieg stark zerstörten ehemaligen Fachwerkstadt Halberstadt.

Die Martinikirche - das Wahrzeichen von Halberstadt

Liebfrauenkirche[Bearbeiten]

Zu einer der schönsten Kirchen im romanischen Stil gehörend, wurde sie als viertürmige Pfeilerbasilika errichtet. Bischof Arnulf gründete im Jahre 1005 das Augustiner Kollegiat und ließ die Kirche bauen. Bischof Rudolf regte einen Neubau an, der bereits 1160 vollendet wurde. Berühmtheit erlangte die Kirche vor allem durch die aus der Zeit um 1220 stammenden Chorschranken, welche die 12 Apostel sowie Maria und Jesus darstellen

Martinikirche[Bearbeiten]

Die erste urkundliche Erwähnung der Martinikirche fällt in das Jahr 1186. Der heutige Bau stammt aus der Zeit zwischen 1250 - 1350. Die Kirche diente nicht nur gottesdienstlichen Zwecken, sondern wurde auch als Versammlungsraum der Bürger und des Rates genutzt. Die ungleichen Türme, die bis heute ein Wahrzeichen der Stadt sind, gehörten zum System der Warten. Noch bis zum Jahre 1908 lebte ein Turmwächter im südlichen Turm. Die Türme waren immer Eigentum der Stadt. Die Bürgerkirche galt als Symbol für die Distanz zwischen Bürgertum und Bischof. Nach der Zerstörung am 8. April 1945 konnte die Kirche mit Hilfe der Halberstädter Bürger wieder aufgebaut werden. Heute befindet sich in den Türmen eine Aussichtsplattform. Das Kirchenschiff wird in den Sommermonaten für Kunstausstellungen und Jazzkonzerte genutzt.

Petershof[Bearbeiten]

Einst Sitz der Halberstädter Bischöfe beherbergt er heute die Städtische Bibliothek und verschiedene städtische Ämter. Erbaut unter Bischof Burchard I. 1052, ließ Bischof Sigismund II. die Burg zwischen 1550 und 1554 in ein Renaissanceschloss umbauen. Einen Vorgängerbau muss es gegeben haben, der Standort ist bis heute ungeklärt. Die Kapelle findet bereits 1195 Erwähnung und diente ursprünglich dem Gottesdienst der Bischöfe. 1629 den Jesuiten übergeben und 1665 den Reformierten übertragen, wurde der Petershof im 19. Jahrhundert als Justizgebäude genutzt. 1860 erbaute man auf den älteren Gewölben im Norden einen neuen Gefängnistrakt.

Rathaus mit Rolandstatue[Bearbeiten]

Rathaus, Westfassade mit Roland

Anfang des 13. Jahrhunderts hatte sich in Halberstadt ein selbständiger städtischer Rat herausgebildet. Als Versammlungsort dienten die Martinikirche und das schon 1241 erwähnte Rathaus auf dem Kirchhof. Das Anwachsen der Stadtgemeinde und ihrer Macht erforderte eine größere Verwaltung. Im Jahre 1381 begann der Bau des neuen Rathauses. 1433 fand der aus dem gleichen Jahr stammende Roland, nach Abschluss der Bauarbeiten, seinen Platz an der Westseite. Anfänglich ein einfacher Bau im T- Grundriss erhielt das Gebäude im Laufe der Jahrhunderte künstlerisch hochwertig gestaltete Anbauten, wie die Mitte des 17. Jahrhunderts errichtete doppelte Freitreppe.

Beim Bombenangriff am 8. April 1945 wurde das Rathaus stark zerstört und in den folgenden Jahren abgetragen. Mit der Neubebauung des Stadtzentrums 1996 bis 1998 errichtete man einen Neubau am Originalstandort. Die Westfassade ist der des 19. Jahrhunderts nach empfinden, so dass der Roland wieder an seinem historischen Platz stehen kann. Seit Anfang der 1950er Jahre hatte er seinen vorübergehenden Standort am Südturm der Martinikirche.

Wassertorturm[Bearbeiten]

Es ist das einzig erhaltene Stadttor, geweiht am 12. Juni 1444

Klaussynagoge[Bearbeiten]

Schon im 13. Jahrhundert ist eine jüdische Gemeinde in Halberstadt nachweisbar. Sie hatte seit dem 17. Jahrhundert vier Tempel erbaut. Der erste wurde 1621, der zweite 1669 (in der Judenstraße gelegen) zerstört. Noch erhalten ist die sogenannte "Klaus", erbaut als Lehrhaus für Rabbiner im Jahre 1703 im Rosenwinkel.

Die große Synagoge, 1712 vollendet, befand sich in der Bakenstraße. Der Eingang erfolgte durch das Fachwerkhaus Bakenstraße 56. Sie lag versteckt auf dem dahinter gelegenen Grundstück. Der quadratische Bau war mit einer großen Kuppel versehen, die durch den Dachüberbau von außen nicht sichtbar war. In der Reichspogromnacht am 9. November 1938 stark zerstört, wurde sie abgetragen. Die Abrisskosten musste die Gemeinde tragen.

Villa Koecher[Bearbeiten]

Die Villa Koecher wurde im Jahre 1879 für Erich Köcher fertiggestellt, wie aus den Bauunterlagen im Stadtarchiv Halberstadt hervorgeht. 1945 fiel mit großen Teilen von Halberstadt auch die unmittelbare Umgebung der Villa Koecher während des Bombardements vom 8. April größtenteils den Flammen zum Opfer, wobei die Villa selbst, nicht aber das zugehörige Kutschfahrerhaus, von einem direkten Bombentreffer verschont blieb. Zwischen 1945 und 1990 traten immer mehr Schäden auf, die nur notdürftig oder gar nicht behoben wurden, weil Baumaterial nicht beschafft werden konnte oder durfte. Aufgrund umfangreicher Schäden dauert die Renovierung seit 1991 an, wobei der Erhalt historischer Substanz große Priorität hat.

Heineanum (vogelkundliches Museum)[Bearbeiten]

Das Heineanum ist ein Naturkundemuseum, das sich aufgrund seiner mehr als 175jährigen Geschichte und bedeutenden Sammlungen insbesondere der Vogelkunde widmet.

Seinen Namen erhielt es durch den Gutsbesitzer Ferdinand Heine sen. (1809-1894), dessen namhafte Vogelsammlung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine der bemerkenswertesten Europas war. In den 1950/60er Jahren erfolgte die Entwicklung zu einer selbständigen Einrichtung mit musealen Bereichen Sammlung/Präparation, Forschung und Ausstellungen/Öffentlichkeitsarbeit.

Die ständigen Ausstellungen sind in einem eigens dazu ausgebauten und im Jahre 1909 eröffneten Ausstellungsgebäude am Domplatz in Halberstadt zu sehen.

Gleimhaus (Literaturmuseum)[Bearbeiten]

Gleimhaus

In diesem Fachwerkhaus aus dem 16.Jahrhundert wohnte der Dichter, Sammler und Förderer Johann Wilhelm Ludwig Gleim (1719–1803). Gleim trug in seinem "Freundschaftstempel" die größte Dichter-Porträtgalerie seiner Zeit zusammen. Diese original erhaltene Porträtsammlung, dazu mehr als 10.000 Handschriften und eine historische Bibliothek sind die Kernstücke des Gleimhauses, das einerseits Museum andererseits eine bedeutende Forschungsstätte für die Literatur- und Kulturgeschichte des "Zeitalters der Aufklärung" ist. In dem Anbau von 1994 befindet sich das Stadtarchiv. Im Keller sind archäologische Mauerreste aus dem 9.Jahrhundert zu sehen.

Städtisches Museum[Bearbeiten]

Das Städtische Museum wurde 1905 begründet und ist in einer ehemaligen Domherrenkurie untergebracht. Es zeigt eine Dauerausstellung zur Geschichte der Stadt und der Nordharzregion und wechselnde Sonderausstellungen.

Forschungs- und Bildungseinrichtungen[Bearbeiten]

Grundschulen[Bearbeiten]

  • Diesterweg
  • Frhr. von Spiegel
  • Johann-Wolfgang-von-Goethe
  • Miriam Lundner
  • Anne Frank
  • Evangelische Grundschule "St. Laurentius"

Sekundarschulen[Bearbeiten]

  • Am Gröpertor
  • Spiegel
  • Walter Gemm

Gymnasien[Bearbeiten]

Förderschulen[Bearbeiten]

  • Förderschule für Lernbehinderte "Albert Schweitzer"
  • Landesbildungszentrum für Hörgeschädigte
  • Förderschule für Geistigbehinderte "Reinhard-Lakomy-Schule"

Sonstige Schulen[Bearbeiten]

  • Kreisvolkshochschule
  • Musikschule

Kinder- & Jugendtreffs[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Mit Halberstadt verbundene Persönlichkeiten[Bearbeiten]

  • Sarah Kirsch (*1935), Schriftstellerin, Georg-Büchner-Preis (1996)

Technische Denkmale[Bearbeiten]

  • Dampflokomobile Martin Luther[1]

Weblinks[Bearbeiten]