Geiseltalsee

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Panorma vom Geiseltalsee, aufgenommen vom Aussichtsturm Stöbnitz
Geiseltalsee

Lage Saalekreis
Fläche 18,4 km²
Länge 7,3 Kilometer
Breite 3,5 Kilometer
Maximale Tiefe 78 Meter
Uferstadt Mücheln, Braunsbedra

Der Geiseltalsee ist ein Tagebaurestsee und liegt im Saalekreis im südlichen Sachsen-Anhalt. Er entstand durch eine Flutung des ehemaligen Braunkohletagebaus im Geiseltal, die von 2003 bis 2011 durchgeführt wurde. Er ist der größte künstlich angelegte See Deutschlands und bildet zusammen mit dem Großkaynaer See, dem Runstedter See und dem Hassesee den Geiseltaler Seenkomplex. Am Geiseltalsee liegen die Städte Mücheln, Braunsbedra und Bad Lauchstädt.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Geografie

Das Gebiet des Geiseltalsees gehört zum Nordostteil der Thüringischen Senke.

[Bearbeiten] Geschichte

Das Braunkohlenrevier Geiseltal gehörte zu den bedeutendsten Bergbaugebieten Deutschlands. Die Rohbraunkohle aus dem Geiseltal schuf die Voraussetzung dafür, dass die industrielle Entwicklung im Raum Merseburg mit der Ansiedlung der Großbetriebe Leuna, Buna und Wintershall (heute Addinol) in den bekannten Größen möglich war.

Löffelbagger im Oberabraum des Tgb. Mücheln (1984)

Die erste urkundliche Erwähnung der Kohleförderung im Geiseltal datiert auf das Jahr 1698. Im 19. Jahrhundert waren zwischen 4 und 12 Gruben im Tief- und Tagebau in Betrieb. 1906/07 begann der industrielle Abbau mit dem Zusammenschluss kleinerer Gruben zu großen Tagebauen. Die Förderleistung entwickelte sich von 0,2 Mio. Tonnen im Jahr 1907 über einen Höchstwert von 35 Mio. Tonnen im Jahr 1957 zu einer Restförderleistung von 5 Mio. Tonnen im Jahr 1980.

Durch den Kohleabbau entstanden einerseits Arbeitsplätze, der sich immer mehr ausweitende Tagebau verschlang jedoch mit der Zeit auch insgesamt 18 Ortschaften. Zwischen 1929 und 1968 mussten ca. 12.500 Einwohner umgesiedelt werden.

Mit der Entwicklung der chemischen Industrie in der ersten Hälfte des 20. Jahrhundert etablierte sich die Carbochemie im- und um das Geiseltal. Diente die Kohle zuerst nur als Energieträger zur Dampferzeugung, so änderte sich dies im Jahre 1916 mit dem Bau der Ammoniakwerke Merseburg in Leuna und der industriellen Erzeugung von synthetischen Ammoniak sowie 1927 mit der synthetischen Erzeugung von Benzin durch die IG Farben. Das Geiseltal mit seiner Kohlechemie wurde so in den Jahren 1944 zu einem strategischen Ziel alliierter Bombenangriffe.

Blick zur Marina Mücheln (August 2012)

Am 30. Juni 1993 wurde die Kohleförderung eingestellt. Der im Tagebau verbliebene Restvorrat beträgt 27,4 Mio. Tonnen. Durch den Abbau der Kohle war ein ein Tagebaurestloch von rund 2.600 ha Fläche entstanden. Mit der beginnenden Flutung am 30. Juni 2003 fiel so der Startschuss für die Entstehung des größten künstlich angelegten Sees Deutschlands. Schon während der Jahre der Flutung zog der Geiseltalsee viele Besucher an, die den Wandel vom Bergbau- zum Erholungsgebiet mit eigenen Augen verfolgen wollten. Die Flutung endete im April 2011. Am 11. August 2012 erfolgte die Teilfreigabe des Sees, wodurch verschiedene Bereiche zum Campen, Baden und für den Wassersport genutzt werden können. Einzelne Denkmäler und Schautafeln entlang des Geiseltalsees erinnern an die lange Geschichte als Tagebau.

[Bearbeiten] Wandern/Pilgern

Der Jakobsweg berührt auf drei Routen den Geiseltalsee. Er ist an einer gelben Muschel auf blauem Hintergrund zu erkennen. Oberhalb des Weinberges am Geiseltalsee liegt eine Pilgerhütte als Übernachtungsmöglichkeit.

[Bearbeiten] Radfahren

Radweg am Geiseltalsee unterhalb von Neubiendorf

Um den gesamten See führt ein asphaltierter Radrundweg - der Geiseltal-Radrundweg - an dem zahlreiche Aussichtspunkte und Sehenswürdigkeiten liegen.

[Bearbeiten] GPS-Daten Geiseltalrundweg

Kartenansicht und Höhenprofil des Geiseltal Rundweges

[Bearbeiten] GPS Daten Goetheradweg

Kartenansicht und Höhenprofil des tangierenden Goetheradweges

[Bearbeiten] GPS-Daten Salzstraße

Kartenansicht und Höhenprofil der tangierenden Salzstraße

[Bearbeiten] GPS-Daten Sole-Kohle-Geschichte

Kartenansicht und Höhenprofil der Radroute Sole-Kohle-Geschichte

[Bearbeiten] GPS-Daten Lauchgrund-Schwarzeiche Radweg

Kartenansicht und Höhenprofil des Lauchagrund-Schwarzeiche Radweges

[Bearbeiten] GPS-Daten Drei Städte Radweg

Kartenansicht und Höhenprofil des Drei Städte Radweges

[Bearbeiten] Weinbau

Familie Reifert aus Freyburg plante seit Beginn der Rekultivierungsarbeiten einen Weinberg im ehemaligen Braunkohletagebau. Ihr persönliches Rekultivierungsprojekt unter dem Motto „Vom Bergbau zum Weinbau“ startete im Jahr 2000 und ist auf der Welt einzigartig.

Die Idee, Wein anzubauen, entstand dem Hobbywinzer Rolf Reifert 1997 im ehemaligen Tagebau, der zu dieser Zeit noch einer "Mondlandschaft" glich. Nach Einblick in die Profilierungsstudie des Rekultivierers konnte die Winzerfamilie erkennen, dass dort eine ideale Weinlage entsteht, wenn der Südhang auf 25% Steigung abgetragen würde. Die Nordseite wäre durch einen Wald geschützt (Kaltluft) und die Wasseroberfläche des entstehenden Geiseltalsees würden die beste Voraussetzung für den Weinanbau liefern. Das Wasser reflektiert die Sonne, speichert die Wärme tagsüber und gibt diese nachts wieder an den Hang ab. Viele in der Umsetzung des Vorhabens entstehende Probleme löste die Familie mit eigens entwickelte Techniken und der Hilfe von Universitäten. Der Weinberg wurde 2008 als innovativster Weinberg mit einem Zukunftspreis ausgezeichnet. Gegenwärtig finden regelmäßig Weinwanderungen zum Weinberg „Goldener Steiger“ und Weinverkostungen statt.

[Bearbeiten] Wassersport

Geiseltalgaleere am Tag der Teilfreigabe im August 2012

Das Geiseltal soll in Zukunft ein herausragendes Wassersportgebiet werden. Um Einwohnern und Interessierten die wassersportlichen Möglichkeiten zu zeigen, führt das Netzwerk Geiseltal immer am ersten Sonntag im August die Geiseltaler Seebefahrung durch. Jeder, der ein Boot besitzt, kann teilnehmen. Zusätzlich besteht für Besucher des Sees die Möglichkeit, die kleine Geiseltal-Galleere für einen Tag zu chartern, um auf dem 10 Meter Modell der Churfürstlichen Gallere zu Havelberg Geschichte am eigenen Leib zu erleben.

Mitte August 2012 wurde ein fünf Quadratkilometer großer Teilbereich bei Mücheln für den Badebetrieb freigegeben.

[Bearbeiten] Arboretum Geiseltal-Urpferdchen

Der bekannteste Fossilfund, der während des Kohleabbaus im Geiseltal gemacht wurde, ist das gleichnamige Geiseltal-Urpferdchen. Es ist geschätzte 50 Mio. Jahre alt und der Urahn unserer modernen Pferde. Das Urpferdchen-Thema inspirierte Studenten der Hochschule für Kunst und Design Burg Giebichenstein in Halle/Saale zur Planung und Pflanzung eines Irrgartens in der Form des Fossils nordwestlich der Ortslage Neu-Biendorf. Auf ca. 2500 m² bilden ca. 4000 Hainbuchenpflanzen einen 700m langen Irrweg am Ufer des Geiseltalsees. Eine solche Anpflanzung baumartiger Gewächse als Gesamtheit wird von der botanischen Fachwelt als Arboretum bezeichnet.

[Bearbeiten] Weblinks

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