Friedrich Ludwig Jahn

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Friedrich Ludwig Jahn
Jahns Wohnhaus während seiner Schulzeit in Salzwedel (1791-1794)

Friedrich Ludwig Jahn (* 11. August 1778 in Lanz, Kr. Ludwigslust; † 15. Oktober 1852 in Freyburg (Unstrut)) war ein deutscher Pädagoge, Sportpionier und Politiker. Bekannt wurde er als Turnvater Jahn.

Leben[Bearbeiten]

Als Sohn eines Pfarrers geboren, besuchte Jahn von 1791 bis 1794 das Gymnasium in Salzwedel, danach das Gymnasium zum Grauen Kloster in Berlin, das er ohne Abschluss verließ. Er studierte ohne Abitur ab 1796 Theologie sowie Philologie und Geschichte an der Universität Halle, später auch in Greifswald und an anderen Universitäten, von denen er immer wieder verwiesen wurde. Seinen Lebensunterhalt verdiente er sich später als Hauslehrer.

Durch Johann Christoph Friedrich GutsMuths kam Jahn 1807 mit der Turnidee in Berührung. Ab 1810 war er als Lehrer in Berlin tätig. Er veranstaltete dort mit seinen Schülern regelmäßig Leibesübungen in der Hasenheide und schaffte die ersten Turngeräte an. Am 18. Juni 1811 weihte er den ersten öffentlichen Turnplatz in der Hasenheide ein. Seine Lehrtätigkeit gab er auf, um sich ganz der Leitung der Turnanstalt zu widmen. Zu seinen wichtigsten Weggefährten in dieser Zeit gehörte der Magdeburger Karl Friedrich Friesen. Wesentlicher Grundsatz der turnerlichen Gemeinschaft waren neben der körperlichen Ausbildung die Durchbrechung der ständischen Schranken und die Schaffung eines nationalen Gemeinschaftsbewußtseins. Von der preußischen Regierung wurden die Ziele der Turner zunächst als förderlich für die Erhebung gegen die Franzosenherrschaft geduldet. Bei maßgeblichen Staatsreformern wie Gerhard von Scharnhorst, August Neidhardt von Gneisenau und Staatskanzler Fürst von Hardenberg stand Jahn in hohem Ansehen. 1813 beteiligte sich Jahn an der Gründung des Lützowschen Freikorps und war zeitweilig als Führer eines Bataillons eingesetzt. Hardenberg begleitete er 1815 als Berater in historischen Fragen zum Kongress nach Wien.

Nach Ende des Feldzug widmete er sich wieder der Förderung der Turnbewegung. Schon am 18. Oktober 1814, dem Jahrestag der Völkerschlacht bei Leipzig, hatte auf der Hasenheide eine erste große Feier mit Turnvorführungen, Reden und Liedern stattgefunden. Bis 1819 entstanden in Preußen und in anderen deutschen Ländern über 150 Turnplätze. 1816 gab Jahn gemeinsam mit seinem Mitarbeiter Ernst Eiselen das Buch "Die Deutsche Turnkunst" heraus.

Wegen seines Einflusses auf die burschenschaftliche Bewegung wurde 1819 ein Turnverbot erlassen. Jahn wurde verhaftet und zu einer fünfjährigen Festungshaft verurteilt, die er in Spandau, Küstrin, Berlin und Kolberg verbüßte. 1825 wurde er freigesprochen, stand aber weiter unter polizeilicher Aufsicht. Damit verbunden war das Verbot, sich in Universitäts- und Gymnasialstädten niederzulassen. Er zog schließlich nach Freyburg (Unstrut), wo er 1838/39 ein Haus baute (das heutige Friedrich-Ludwig-Jahn-Museum). 1840 wurde er durch König Friedrich Wilhelm IV. endgültig rehabilitiert und mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet. Das Turnverbot wurde 1842 aufgehoben.

1848 wurde Jahn in die Frankfurter Nationalversammlung gewählt. Er wandte sich der erbkaiserlichen Idee zu, hatte aber nur wenig Einfluss auf die Entwicklung. Im gleichen Jahr nahm er an der Gründung des Deutschen Turner-Bundes teil.

Jahn starb 1852 in Freyburg an der Unstrut. Sein Grab befindet sich seit der Umbettung der Gebeine im Ehrenhof des Friedrich-Ludwig-Jahn-Museums.

Ehrungen[Bearbeiten]

In Freyburg befinden sich das Friedrich-Ludwig-Jahn-Museum, die Friedrich-Ludwig-Jahn-Ehrenhalle und die Friedrich-Ludwig-Jahn-Erinnerungsturnhalle. Das Gymnasium in Salzwedel trägt den Namen Friedrich-Ludwig-Jahn-Gymnasium.

In Salzwedel wurde 2002 zum 150. Todestag ein Gedenkstein aufgestellt.

Werke[Bearbeiten]

  • Deutsches Volksthum (1810)
  • Die Deutsche Turnkunst (1816)

Literatur[Bearbeiten]

  • Jürgen Leirich: Das Freyburger Friedrich-Ludwig-Jahn-Museum würdigt das Leben und Werk des "Turnvaters". In: Saale-Unstrut-Jahrbuch 2012, S. 38-44