Ernst Reuter

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Ernst Reuter auf einer Briefmarke der Deutschen Post Berlin, 1954

Ernst Reuter (* 29. Juli 1889 in Apenrade; † 30. September 1953 in Berlin) war Oberbürgermeister der Stadt Magdeburg.

Leben[Bearbeiten]

Reuters Vater war Kapitän der Handelsmarine und Lehrer an der preußischen Navigationsschule für die Ausbildung von Kapitänen der Handelsschiffahrt in Leer. Ernst Reuter studierte ab 1907 Geschichte, Germanistik und Geographie an den Universitäten Marburg und München. Er nahm aktiv an der Jugendbewegung teil und trat 1912 der SPD bei. Im Ersten Weltkrieg wurde er Soldat. Im August 1916 in russische Kriegsgefangenschaft geraten, schloss er sich Lenin an und wurde Volkskommissar in der Wolgadeutschen Republik. 1918 kehrte er nach Deutschland zurück. Hier wurde er 1919 Mitglied der KDP und 1912/22 deren Generalsekretär. Ende des Jahres erfolgte der Bruch mit den Kommunisten. Reuter wurde im Januar 1922 aus der Partei ausgeschlossen und kehrte zur SPD zurück. Zeitweilig war er er Redakteur des "Vorwärts". Von 1926 bis 1931 amtierte er als Stadtrat für Verkehr in Berlin.

1931 wurde Ernst Reuter als Nachfolger des populären Hermann Beims zum Oberbürgermeister von Magdeburg gewählt. Beims, der seit 1919 im Amt war, stand aus Altersgründen für eine Wiederwahl nicht zur Verfügung. Als sich die Magdeburger Sozialdemokraten nicht auf einen Nachfolger einigen konnten, schlug der Parteivorsitzende Otto Wels Reuter als Kandidaten vor. Am 29. April 1931 wurde der von der Stadtverordnetenversammlung mit 38 von 66 Stimmen für eine zwölfjährige Amtszeit gewählt. In Reuters Amtszeit fällt unter anderem die Fertigstellung der neuen Häfen. Er machte sich auch für andere Infrastrukturmaßnahmen stark und förderte den Wohnungsbau in den Außenbezirken.

1932 wurde Reuter in den Reichstag gewählt. Er behielt sein Mandat auch nach den Wahlen vom 5. März 1933. Zugleich wurde er damals Mitglied des preußischen Landtags. Am 23. März 1933 gehörte er zu den sozialdemokratischen Abgeordneten, die das Ermächtigungsgesetz ablehnten. Am 29. Juli 1933 wurde er von den Nationalsozialisten als Oberbürgermeister abgesetzt. Reuter war mehrmals im Konzentrationslager inhaftiert. Er emigrierte 1937 in die Türkei und war 1939 bis 1945 Professor für Kommunalwissenschaften in Ankara. 1947 wurde er gegen den Widerstand der sowjetischen Besatzungsmacht zum Bürgermeister von Berlin gewählt. Ab 1950 war er Regierender Bürgermeister in Westberlin.