Elsterfloßgraben

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Der Elsterfloßgraben ist ein im 16. Jahrhundert künstlich angelegter Floßgraben mit einer Länge von ca. 93 km. Damit ist er das größte Kunstgrabensystem Europas. Seit Dezember 2009 existiert der Förderverein Elsterfloßgraben, der sich zum Ziel gesetzt hat, den Elsterfloßgraben als technisches Denkmal der Wasserbaukunst und Technikgeschichte mit seiner besonderen Bedeutung als schützenswertes Kultur-, Bau- und Bodendenkmal zu erhalten.

Nutzung[Bearbeiten]

Ziel des Floßgrabens war der kostengünstige Holztransport aus dem Einzugsgebiet der Weißen Elster in das Gebiet östlich von Weißenfels und Merseburg sowie nach Leipzig und deren Salinen. Später wurde der Floßgraben bis nach Leipzig verlängert.

In den Jahren 1578 bis 1580 ließ Kurfürst August I. von Sachsen nach Plänen von Martin Planer und unter der Bauleitung von Christian Kohlreiber einen Floßgraben anlegen. Gespeist durch das Wasser der Weißen Elster führte der Graben bis zum Rippach-Bach - einem Nebenfluss der Saale. Damit wurde das Holzflößen bis nach Poserna ermöglicht. Der Abzweig von der Elster lag zunächst bei Pötewitz (heute zu Wetterzeube), wurde aber später 3 Kilometer flussauf nach Crossen verlegt.

Bauliche Daten[Bearbeiten]

Der Graben stellt mit seinen etwa 93 km Länge das längste, noch erhaltene Kunstgrabensystem in Europa dar und zählt zu den umfangreichsten, da er insgesamt 7 Fließgewässer miteinander verband. Der Graben hatte eine Breite von etwa 3 m an der Oberkante und 1 m am Boden. Seine Länge betrug 77,5 km bei einem Höhenunterschied von nur 25 m. Das Gefälle im Oberlauf war mit ca. 2 cm pro 100 m noch geringer. Dieses und die relativ hohe Abzweigung an der Elster waren notwendig, um die Wasserscheide zwischen Weißer Elster und Saale überwinden zu können. Die Durchflussmenge betrug 700 Liter pro Sekunde. Dem Graben wurde aber zunächst nur Wasser zur Zeit des Flößens im Frühjahr und im Herbst zugeführt. Zu dem Bauvorhaben gehörten auch zahlreiche Brücken (zunächst aus Holz, später Stein, 1780 waren es 81), Über- und Unterquerungen kleinerer Wasserläufe oder ihre Einbindung, Leit- und Auffangrechen für das Holz, Abschlagstellen (Ableitung von Hochwasser) und bei entsprechendem Geländeprofil auch Dämme. Die Saline Poserna musste wegen Unrentabilität allerdings nach wenigen Jahren aufgegeben werden. Neue Salinenstandorte wurden in Teuditz - heute Tollwitz und Kötzschau eröffnet. Deshalb wurde der Floßgraben etwa ab Kitzen nach Norden geführt mit einem Zweig nach Teuditz über Lützen und einem nach Kötzschau, der bei Wallendorf in die Luppe mündete. Der Teil nach Poserna wurde stillgelegt.

Bedeutung[Bearbeiten]

Der Elsterfloßgraben hat eine herausgehobene Bedeutung für die am Beginn der neuzeitlichen Wirtschaftsgeschichte Mitteldeutschlands und war eine wesentliche Vorausetzung für die Industrialisierung dieser Region. Die Weiße-Elster-Flöße waren das umfangreichste und bedeutendste Brennholz-Transportsystem der Neuzeit in Europa.
Neben dem Salinenbetrieb hatte die Hölzflößerei aber auch Bedeutung für die Brennholzversorgung von Städten wie Lützen, Merseburg und Halle. Leipzig nutzte dazu ab Mitte des 16. Jahrhunderts zunächst die Flößerei auf der Pleiße. Als die Wälder in deren Einzugsbereich erschöpft waren, wurde Leipzig an die Elsterflößerei angeschlossen. Zu diesem Zweck wurde vom bisher bestehenden Floßgraben bei Stöntzsch (westlich von Pegau, 1962/63 durch den Braunkohlenbergbau devastiert) ein Abzweig und eine Floßverbindung über Pegau und Zwenkau bis Leipzig geschaffen. Dieser Zweig hieß "Kleiner oder Leipziger Floßgraben". Er wurde nicht komplett künstlich angelegt, sondern Teile des bestehenden Fluss- und Mühlgrabensystems einbezogen bzw. ausgebaut, so z.B. die Elster selbst, die Batschke (ein Abzweig von der Elster bei Zwenkau) und der Leipziger Pleißemühlgraben, der das Holz bis zum Floßplatz (noch heutiger Name) in unmittelbarer Nähe der damaligen Stadt führte. Die erste Flößung über die Elster nach Leipzig erfolgte 1610.

Geschichte[Bearbeiten]

Einen ausführlichen historischen Abriss liefert der Förderverein Elsterfloßgraben.

Weblinks[Bearbeiten]