Burg Querfurt

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"Dicker Heinrich", Fürstenhaus und Marterturm
Burgkirche, dahinter Marterturm und Fürstenhaus

Die Burg Querfurt steht am Rande der Stadt Querfurt im Saalekreis im Süden Sachsen-Anhalts. Das Wahrzeichen der Stadt ist von nahezu allen Ortseinfahrten zu sehen. Sie ist die größte Burg Mitteldeutschlands und insgesamt sieben Mal größer als die Wartburg. Im Mittelalter war sie Zentrum eines kleinen, eigenständigen Fürstentums. Sie ist eine der größten und besterhaltenen Burgen in ganz Deutschland. Äußerlich besticht sie durch drei Türme, zwei Ringmauern und eine starke Befestigungsanlage.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Baugeschichte

Erstmals urkundlich erwähnt wurde die Burg Querfurt am Ende des 9. Jahrhunderts im Hersfelder Zehntverzeichnis. Die ersten Steinbauten auf der Burg stammen aus dem 10. und 11. Jahrhundert. Die wesentlichen Teile der Burg sind in der Zeit der Romanik erbaut worden. Das gilt für die beiden Türme „Dicker Heinrich" und „Marterturm", die innere Ringmauer, die Burgkirche sowie die beiden Palastbauten: „Korn- und Rüsthaus" und „Fürstenhaus".

Im 14. Jahrhundert wurde die Burg weiter ausgebaut. Es entstanden die äußere Umfassungsmauer, Teile der Westtoranlage, der „Pariser Turm" und die Kapelle mit der Tumba von Gebhardt XIV. als Anbau an der Burgkirche. Am Ende des 15. Jahrhunderts wurde die Westtoranlage erweitert und die drei Bastionen entstanden. Diese Befestigung ist bis heute erhalten und dank der Vollständigkeit ein einmaliges Zeugnis der Festungsbaukunst des 15. Jahrhunderts. Nach dem Dreißigjährigen Krieg wurden nur noch einige Besserungen an den Wehrbauten vorgenommen. Dagegen wurden die Wohn- und Sakralbauten erheblich verändert.

Im Jahr 1663 machten die reichsunmittelbaren Fürsten von Sachsen-Querfurt die Anlage zu ihrer Residenz und damit Querfurt zur Hauptstadt ihres Territoriums. Von 1660 bis 1668 wurde deshalb das sogenannte Fürstenhaus erbaut.

Um 1700 errichtete man neue Geschützstellungen auf der verbreiterten Berme oberhalb des Zwingers, ehe Querfurt nach dem Tod Adolphs III. von Sachsen-Weißenfels wieder an das Kurfürstentum Sachsen zurückfiel.

Im Jahr 1815 fielen Stadt und Burg dann an Preußen, woraufhin die Burganlage zur Domäne umgewandelt wurde. 1936 wurde das dazugehörige Land verkauft und das Herrenhaus durch den Fiskus übernommen. In der Burg verblieben zahlreiche Mietwohnungen. 1939/42 zog das Gesundheitsamt in das ehemalige Pächterwohnhaus ein.

Die Zeit von 1972 bis 1978 verging mit Sanierungs- und Restaurierungsmaßnahmen sowie umfangreicher Bauforschungen, die im Jahr 2000 fortgeführt wurden.

[Bearbeiten] Einzelne Bauten

[Bearbeiten] Burgkirche

Burgkirche
Grabmal Gebhards XIV. von Querfurt

Die Burgkirche geht auf einen im dritten Viertel des 12. Jahrhunderts errichteten Memorialbau für den den heiligen Brun von Querfurt zurück. Sie ersetzte eine bereits im 10. Jahrhundert errichtete Kapelle, die nach 1004 zur Kollegiatstiftskirche erweitert wurde.

Der kreuzförmige Grundriss mit oktogonalem Vierungsturm verweist auf byzantinischen Einfluss. An der Ostseite wird die Kirche durch von drei Apsiden abgeschlossen. Innen befindet sich im Westteil eine Herrschaftsempore, die ursprünglich über einen Zugang von Palasgebäude aus erreichbar war.

Zwischen dem nördlichen Querhausarm und dem Langhaus wurde Ende des 14. Jahrhunderts eine gotische Grabkapelle für Gebhard XIV. von Querfurt angebaut, dessen Grabmal mit der vollplastischen Figur des Verstorbenen in voller Rüstung als herausragendes Kunstwerk gilt und mit der Bildhauerwerkstatt von Peter Parler in Verbindung gebracht wird. Die Langseite der Grabtumba ziert ein Zug von Trauernden in zeitgenössischen Kostümen.

Zwischen 1698 und 1716 wurde die Kirche barock umgestaltet und von Andreas Matteyerlein ausgemalt. Bernhard Müller und Johann Frantz schufen 1713 die heute auf dem Altar stehenden Figuren von Moses und Johannes.

1846 bis 1850 und 1903 fanden Restaurierungsarbeiten in der Kirche statt.

[Bearbeiten] Türme

Pariser Turm

Der Dicke Heinrich, ein Rundturm aus dem 12. Jahrhundert ohne Fenster, Kamin und Abort, ist der einzige romanische Turm auf der Burg. Seine Höhe beträgt 27,50 Meter, der Durchmesser unten 14 Meter und die untere Mauerstärke 4,35 Meter. Sein Kranz mit Schießscharten kam im 15. Jahrhundert dazu. Die Bauzeit eines unter dem heutigen Bergfried befindlichen Gebäudes wird um 1000 datiert.

Der untere Teil des sogenannten Marterturms entstand in Form eines Wohnturms Anfang des 13. Jahrhunderts. Im 14. Jahrhundert wurde er aufgestockt. Nach dem Dreißigjährigen Krieg diente er nur noch nur noch als Kornspeicher.

Im Pariser Turm aus dem späten 14. Jahrhundert (seit 1498 Hausmannsturm) befindet sich ein Turmverlies. Seine barocke Barockhaube erhielt er 1659. Die Spitze ist 57 Meter hoch.

[Bearbeiten] Kornhaus

Kornhaus und Pariser Turm

Über dem nördlichen Graben erhebt sich das Korn- oder Rüsthaus, das in der heutigen Form 1680/85 gemeinsam mit der Scheune in der Südostecke der Burg errichtet wurde. Die Anfänge des Baus liegen allerdings schon um 1000. Damals wurde an der Stelle eine ältere Burgringmauer durch einen Wohnbau ersetzt, der wenig später mit einem östlich davor errichteten Torbau verbunden wurde. Um 1220/30 entstand darauf ein neuer Palas mit repräsentativem Festsaal im Obergeschoß. Er wurde vermutlich in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts in eine Befestigungsanlage einbezogen, zu der auch der gleichzeitig errichtete Pariser Turm gehörte. Unter Kardinal Albrecht wurde um 1535 das Korn- und Rüsthaus errichtet, das als Rüstkammer- und Kuhstall diente und im Dachgeschoss mehrere Kornschüttböden enthielt. Im Keller war ein Gefängnis untergebracht. 1680/85 wurde der Bau nach Südosten erweitert.

Nach der Auflösung der Domäne 1936 wurde der Bau zu verschiedenen Zwecken genutzt. Heute beherbergt er die Räume des Burgmuseums.

[Bearbeiten] Fürstenhaus

Das Fürstenhaus erhebt sich unmittelbar westlich der Burgkirche, von der es nur durch einen schmalen Durchgang getrennt ist. Der Palas entstand zeitgleich mit der romanischen Burgkirche und wurde noch in spätromanischer Zeit aufgestockt. Um 1528 wurde es auf der Westseite erweitert. Im Dreißigjährigen Krieg wurde der Bau erheblich beschädigt und 1660 bis 1668 unter der Leitung des Obristen Johann August von Leutzsch zum zweigeschossigen repräsentativen Fürstenhaus umgestaltet. Weitere Um- und Ausbauten erfolgten im 18. und 19. Jahrhundert.

[Bearbeiten] Amtshaus

Amtshaus

Das sog. Amtshaus befindet sich im im Nordwesten der Burganlage. Der zweigeschossige Bau wurde 1635 errichtet und 1794 wegen Baufälligkeit und durch einen Neubau ersetzt. Auf das aus Bruchsteinen gemauerte Erdgeschoss wurde ein Obergeschoss aus Fachwerk aufgesetzt.

Das Amtshaus war bis ins 20. Jahrhundert Wohn- und Behördenhaus. Eine nach der Wende geplante Nutzung als Hotel wurde nicht umgesetzt.

[Bearbeiten] Pächterhaus

Das Pächterhaus wurde in seiner heutigen Form 1894/95 bzw. 1912/13 nahe dem im 19. Jahrhundert geschaffenen südlichen Zugang der Burg an der Stelle der früheren Hofmeisterei errichtet.

[Bearbeiten] Heutige Nutzung

Die Burg ist eine Station an der Straße der Romanik. Seit 1952 gibt es im Kornhaus ein Bauernmuseum mit Dauerausstellungen zur Geschichte der Burg und Stadt. Das Fürstenhaus, das von 1950 bis 1983 eine Poliklinik beherbergte, diente ab 1987 als Hotel. Seit dem Jahr 2000 werden die Einrichtungen des Fürstenhauses, unter anderem der Fürstenkeller für gastronomische Zwecke genutzt. Im Pächterhaus wurde nach dem Auszug des Gesundheitsamts eine Musikschule untergebracht.

In der Burgkirche finden neben kirchlichen Veranstaltungen auch klassische Konzerte statt. Eine Trauung kann auf der Burg Querfurt sowohl standesamtlich, als auch kirchlich vollzogen werden. Die Burgkirche sowie der Trausaal im Korn- und Rüsthaus bieten dafür ein geeignetes Ambiente.

Des Weiteren werden Burgführungen angeboten und der begehbare Pariser Turm kann als Aussichtsplattform genutzt werden. Künftig soll die Burg zudem das Zentrum des 2003 gegründeten Archäologieparks sein, in dem sich unter anderem auch der Fundort der Himmelsscheibe von Nebra befindet.

Weiterhin diente die Kulisse der Burg bereits mehrmals als Schauplatz für diverse Filme. 2011 beispielsweise für den deutschen Märchenfilm Jorinde und Joringel von Bodo Fürneisen. Auch Teile des Films „Die Päpstin“ von Sönke Wortmann sowie Til Schweigers „Eineinhalb Ritter“ wurden auf der Querfurter Burg gedreht. Im Juni 2012 wurden außerdem Teile des Bestsellers „Der Medicus“ abgedreht.[1]

Zudem finden auch der Burg Querfurt jährlich verschiedene Veranstaltungen statt. Unter anderem das Osterfeuer, welches am Karsamstag jeden Jahres auf dem Parkplatz direkt vor der Burg stattfindet. Einen festen Platz im Terminkalender hat außerdem das Burgfest. Dieses findet jährlich am dritten Juniwochenende statt. Abgerundet wird das Jahr auf der Burg mit einem Weihnachtsmarkt, dem sogenannten „Weihnachtszauber auf der Burg“, am vierten Adventswochenende. Bis 2009 hieß diese Veranstaltung noch „Burgweihnacht“, musste aber auf Grund von Rechtsstreitigkeiten umbenannt werden.

[Bearbeiten] Dauerausstellung

Im Korn- und Rüsthaus wird die Dauerausstellung „Burg Querfurt - Leben in Krieg und Frieden“ gezeigt. Sie umfasst 20 Multimediapunkte und neun museumspädagogische Stationen mit Interaktionsmöglichkeiten für Kinder, 350 Quadratmeter Fläche in neun Räumen, 122 Grafiktafeln und Bilder, 89 Texttafeln.

Öffnungszeiten: November bis März von 10 bis 16 Uhr (montags geschlossen), April bis Oktober von 10 bis 18 Uhr.

[Bearbeiten] Literatur

  • Reinhard Schmitt: Burg Querfurt. Berlin, München, 5. Auflage, 2010
  • Hermann Wäscher, Hermann Giesau: Burg Querfurt (= Forschungen zur Denkmalpflege in der Provinz Sachsen, Heft 2). Querfurt 1941

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Mitteldeutsche Zeitung, 19. Juni 2012

[Bearbeiten] Weblinks

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