Bitterfeld

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Blick vom Bitterfelder Berg über Bitterfeld Richtung Muldensteiner Berg
Blick über den Bitterfelder Marktplatz auf die ev. Stadtkirche
Der im Dezember 1993 in Betrieb genommene Rathauserweiterungsbau der Stadt Bitterfeld
Chemieanlagen in Bitterfeld

Bitterfeld ist ein Ortsteil der Stadt Bitterfeld-Wolfen im Landkreis Anhalt-Bitterfeld und ein bedeutender Standort der chemischen Industrie. Bis zum 30. Juni 2007 war Bitterfeld eine eigenständige Stadt und Kreisstadt des Landkreises Bitterfeld.

Lage[Bearbeiten]

Bitterfeld liegt etwa 25 km nordöstlich von Halle (Saale) und etwa 35 km nördlich von Leipzig und 25 km südlich von Dessau. Im Norden schließen sich die Ortsteile Greppin, Wolfen, Bobbau und Thalheim an, im Süden Holzweißig und südöstlich der Stadt befindet sich die Goitzsche, ein gefluteter Tagebau mit 24km² Wasserfläche.

Geografie[Bearbeiten]

Der Bitterfelder Raum ist dem Altmoränengebiet des Norddeutschen Tieflandes zuzuordnen. Der historische Stadtkern liegt auf einer Talsandinsel des westlichen Muldeufers auf einer Höhe von 81 m ü. N.N.

Klima[Bearbeiten]

Der Bitterfelder Raum gehört zum Klimabezirk der Leipziger Bucht. Er liegt an der östlichen Grenze des Mitteldeutschen Trockengebietes und ist besonders niederschlagsarm. Die Jahresniederschlagsmenge liegt im langjährigen Durchschnitt bei 515 mm. Das Jahresmittel der Lufttemperatur liegt bei 9°C, im Winterhalbjahr um 0 bis -1°, im Sommerhalbjahr bei Temperaturen um 19-20°C. Damit gehört die Region um Bitterfeld zu den wärmsten Gebieten Ostdeutschlands.

Geschichte[Bearbeiten]

Die erste urkundliche Nachricht über Bitterfeldt stammt vom 28. Juni 1224. Die Schreibung des Namens variiert zwischen Bitterfelt (1244, noch 1566), Pitervelt (1298), Bittervelt (1323) und Bitterfeld (1407).[1] Nachrichten über eine Stadtgründung liegen nicht vor. Die Forschung vermutet, dass sich die Stadt aus fünf verschiedenen Siedlungskernen entwickelte. Ältester Teil der Stadt ist (abgesehen von älteren sorbischen Siedlungen) der Stadtteil um die Burgstraße. Er entwickelte sich aus einem Anfang des 12. Jahrhunderts gegründeten deutschen Straßendorf, das zunächst noch nicht über Markt und Kirche verfügte. Ende des 12. Jahrhunderts siedelte der Magdeburger Erzbischof Wichmann von Seeburg-Querfurt flämische Siedler an Elbe und Mulde an. Eine dieser Ansiedlungen entstand nebst Vorwerk bei der alten sorbischen Siedlung Sernitzk. Eine bis 1873 in Bitterfeld bestehende Flämingersozietät verweist auf diese Kolonisation.

1290 fiel die Stadt an das Herzogtum Sachsen-Wittenberg, den späteren Kurkreis. 1423 wurde die Stadt wettinisch, dann gelangte sie 1485 an die ernestinische, 1547 schließlich an die albertinische Linie des sächsischen Herrenhauses. Zuvor Sitz eines kursächsischen Amtes wurde Bitterfeld 1816 preußische Kreisstadt. Den Kreisstadtstatus verlor sie zum 1. Juli 2007.

Die heutige Stadtmitte mit Marktplatz entstand erst gegen 1500. 1637, während des Dreißigjährigen Krieges, wurde Bitterfeld nahezu vollständig zerstört. Ab 1850 begann sich die Stadt über die alten Stadtgrenzen hinaus zu vergrößern. Mit Beginn der Industriealisierung (ab 1839 Kohlebergbau, ab 1863 Steinzeugindustrie und ab 1893 chemische Industrie), begann ein enormer wirtschaftlicher Aufschwung, der seinen Höhepunkt zum Beginn des Zweiten Weltkrieges erreichte. Erhebliche Bautätigkeit, vor allem im Bereich des Siedlungswesens, vergrößerte die Stadt.

Die Stadt überstand den Zweiten Weltkrieg weitgehend ohne Fliegerangriffe. Im April 1945 wurde die Stadt durch die US-Streitkräfte besetzt und war nach deren Abzug zum 30. Juni 1945 Teil der in der SBZ neu geschaffenen Provinz Sachsen. 1952 wurde Bitterfeld schließlich Kreisstadt in dem neu errichteten Bezirk Halle.

Bitterfeld war wegen seiner Chemieindustrie und der Tagebaue für die Wirtschaft der DDR von größter Bedeutung. Der herausragenden wirtschaftlichen Rolle der Stadt waren Fragen des Umweltschutzes untergeordnet, was zunehmend die Lebensqualität verschlechterte.

Die Wiedervereinigung führte unmittelbar zur Einstellung des Braunkohlentagebaues und zur flächenhaften Stilllegung der chemischen Industriebetriebe, was große Arbeitslosigkeit zur Folge hatte. Seit 1990 hat ein deutlich spürbarer, anhaltender Bevölkerungsrückgang eingesetzt.

Verkehr[Bearbeiten]

1823 wurde die Stadt mit der Chaussee Berlin-Halle-Kassel (heutige B 100) erstmals an ein festes Straßennetz angebunden. 1857 entstand die Bahnlinie nach Dessau, 1859 folgten die Linien nach Leipzig, Halle und Wittenberg und machten damit Bitterfeld zu einem Bahnknotenpunkt. Dies hatte positive Auswirkungen auf die wirtschaftliche Entwicklung der Stand.

Bitterfeld hat heute ICE-Anschluss nach München und Berlin. IC-/EC-Züge verkehren unter anderem nach Frankfurt (Main) und Ostseebad Binz. Ein Nachtzug verkehrt bis Zürich. Darüber hinaus nimmt es noch immer eine wichtige Knotenfunktion im Regionalverkehr ein. Folgende Züge verkehren über den Bahnhof:

  • RE 13: Magdeburg - Roßlau (Elbe) - Dessau Hbf - Bitterfeld - Delitzsch - Leipzig Hbf
  • RB 54: Dessau Hbf - Bitterfeld - Delitzsch - Leipzig Hbf
  • RB 57: Lutherstadt Wittenberg - Bitterfeld - Delitzsch - Leipzig Hbf
  • RB 80: Halle (Saale) Hbf - Bitterfeld - Lutherstadt Wittenberg
  • RB 86: Halle (Saale) Hbf - Bitterfeld - Dessau Hbf

Hinzu kommt der MRB 54 (Leipzig Hbf - Delitzsch - Bitterfeld) der Mitteldeutschen Regiobahn

Bauwerke[Bearbeiten]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Sonstige mit Bitterfeld verbundene Personen[Bearbeiten]

Sport[Bearbeiten]

Sportvereine[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Dietrich Freydank: Ortsnamen der Kreise Bitterfeld und Gräfenhainichen. Berlin 1962, S. 20

Literatur[Bearbeiten]

  • Günther Schönfelder u. a.: Bitterfeld und das untere Muldetal. Landschaften in Deutschland (= Werte der Deutschen Heimat, Band 66), Köln Weimar Wien 2004, 153 ff.
  • Stadt Bitterfeld (Hrsg.): 775 Jahre Bitterfeld. Halle 1999