Anhalt

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Anhalt war ein an der mittleren Elbe, der unteren Saale und auf dem Unterharz gelegener Gliedstaat des Deutschen Reiches.

Geschichte[Bearbeiten]

Das Fürstentum Anhalt war ein Überrest des Herrschaftsbereich der Askanier, der sich im 11. Jahrhundert vom Harzvorland über die Saale bis zum Fläming erstreckte. Unter Albrecht dem Bären förderten die Askanier planmäßig die deutsche Siedlung. Albrechts Enkel Heinrich I. nannte sich erstmalig nach der über dem Selketal gelegenen Burg Anhalt Fürst von Anhalt. Nach Heinrichs Tod wurde das Land unter seinen drei Söhnen geteilt, die die Linien Aschersleben, Bernburg (ältere Linie) und Köthen begründeten. In den folgenden Jahrhunderten kam es wiederholt zu weiteren Teilungen und Abspaltungen von Nebenlinien, die erst im 19. Jahrhundert wieder vereinigt wurden.

Im 14. Jahrhundert ging die Grafschaft Aschersleben verloren. Bei der weiteren Herausbildung des Territoriums entstand kein geschlossenes staatliches Gebilde, sondern ein in zwei größere Landesteile und mehrere Exklaven zersplitterter Kleinstaat. Ein Senioratsrezess von 1635 garantierte eine einheitliche Außenpolitik der verschiedenen Linien. Im Dreißigjährigen Krieg wurde das Land stark in Mitleidenschaft gezogen.

Die Bernburger Linie nahm am 18. Juni 1806 den von Kaiser Franz verliehenen Herzogstitel an. Die Linien Dessau und Köthen-Plötzkau folgten damit am 30. April 1807 anlässlich ihres Beitritts zum Rheinbund. Nach dem Zusammenbruch der napoleonischen Ordnung 1815 gerieten sie stärker unter preußischen Einfluss. 1833/34 traten sie dem Deutschen Zollverein bei.

Nach dem Aussterben der Linie Köthen-Plötzkau 1847 wurden die anhaltischen Länder mit Ausnahme von Anhalt-Bernburg unter der Führung Anhalt-Dessaus vereint, das 1859 eine Verfassung erhielt. 1863 kam auch Bernburg hinzu.

Am 12. November 1918 dankte Prinzregent Aribert von Anhalt für seinen minderjährigen Neffen Joachim Ernst ab. Damit endete die seit dem 11. Jahrhundert währende Regentschaft der Askanier. Anhalt wurde Freistaat der Weimarer Republik. Die vorläufige Regierungsgewalt übernahm ein siebenköpfiger Staatsrat aus Mehrheitssozialdemokraten und Liberalen als Nachfolger des zu gleicher Zeit aufgelösten Landtags, des Herzogs und des Staatsministeriums. Vorsitzender wurde der Sozialdemokrat Wolfgang Heine. Am 15. Dezember 1918 wurde in allgemeiner, gleicher, direkter und geheimer Wahl nach dem Verhältniswahlrecht eine konsitituierende Landesversammlung gewählt, die am 20. Dezember die gesetzgebende Gewalt übernahm. Bei den Wahlen erzielte die SPD 58 % der Stimmen (22 Mandate), die Deutsche Demokratische Partei 34 % (12 Mandate) und die Deutsch-Nationale Volkspartei 6 % (2 Mandate). Der Staatsrat führte die Verwaltungsgeschäfte provisorisch weiter, bis er durch die Verfassung für Anhalt vom 18. Juli 1919 endgültig bestätigt wurde. Er bestand in der Regel aus fünf Mitgliedern und stand unter dem Vorsitz eines Präsidenten. Von 1919 bis 1932 führte als Präsident des Staatsministeriums (ab 1922: Ministerpräsident) zumeist der Sozialdemokrat Heinrich Deist die Regierungsgeschäfte. Unterbrochen war seine Amtszeit nur von Juli bis November 1924 durch eine kurze Amtsperiode unter dem konservativen Verwaltungsjuristen Willy Knorr (DNVP). 1932 kam mit Alfred Freyberg erstmals in einem deutschen Gliedstaat die NSDAP in die Regierungsverantwortung. Von 1933 bis 1935 stand Anhalt unter einem gemeinsamen Reichsstatthalter mit Braunschweig.

Im Juli 1945 wurde Anhalt mit der bisherigen preußischen Provinz Sachsen zur Provinz Sachsen-Anhalt vereinigt. Bei der Gründung der Länder 1947 wurde es zum Land Sachsen-Anhalt. Mit der Verwaltungsreform in der DDR 1952 kam der größere Teil an den Bezirk Halle, ein kleinerer an den Bezirk Magdeburg.

Regierungschefs[Bearbeiten]

Vorsitzende des herzoglichen Staatsministeriums[Bearbeiten]

Vorsitzende des Staatsrats (1918-1922) und Ministerpräsidenten (1922-1939)[Bearbeiten]

Wirtschaft[Bearbeiten]

Im Harz gab es schon in vorindustrieller Zeit Bergbau, der in der Umgebung von Harzgerode auch anhaltisches Gebiet berührte. Frühe industrielle Fertigungsstätten in Mägdesprung oder Friedrichshammer I-IV verweisen auf das metallverarbeitende Gewerbe im Selketal. Das Land erlebte aber erst im 19. Jahrhundert durch die industrielle Erschließung von Bodenschätzen (Kali, Braunkohle) sowie durch das Aufblühen der Zuckerindustrie einen größeren wirtschaftlichen Aufschwung.

Aktuelles[Bearbeiten]

Logo des Themenjahres Anhalt 800

Im Jahr 2012 feiert Sachsen-Anhalt die Geburtsstunde der Region Anhalt mit dem Themenjahr Anhalt 800.

Literatur[Bearbeiten]

  • Thomas Klein: Anhalt. In: Grundriß zur deutschen Verwaltungsgeschichte 1815-1945. Reihe B, Band 16: Mitteldeutschland (Kleinere Länder). Marburg/Lahn 1981
  • Ferdinand Siebigk: Das Herzogthum Anhalt. Historisch, geographisch und statistisch dargestellt. Dessau 1867 (Digitalisat)